Die meisten kennen Rob Fowler wohl als Teilnehmer der Casting-Show „The Voice of Germany“. Dort erreichte er als Mitglied des Team BossHoss das Halbfinale. Eigentlich ist er aber Musicaldarsteller und ist nach zahlreichen Engagements, wie zum Beispiel bei der „Buddy Holly Story“, „Cats“, „Starlight Express“, „Elisabeth“, „Hairspray“, „Jesus Christ Superstar“, „Dracula“ oder „We Will Rock You“ momentan bei der aktuellen Tournee-Produktion der „Rocky Horror Show“ als Frank`n`Furter zu sehen. Wir durften ihm vor einer Show im Staatstheater Hannover einige Fragen stellen.

Kulturpoebel: Wo fühlst du dich wohler? Bei Ensuite-Produktionen oder auf Tourneen?

Rob Fowler: Wenn die Ensuite-Produktion in Berlin wäre, dann bei dieser, da dort meine Kinder wohnen. Aber sonst mag ich beides.

Kulturpoebel: Du spielst den Frank`n`Furter in der „Rocky Horror Show“ ja schon sehr lange. Wie schaffst du es, die Rolle jedes Mal so zu spielen, als wäre es dein erstes Mal?

Rob Fowler: Frank`n`Furter ist eine Figur, die unfassbar viel Energie hat. Er ist ein bisschen wie ein verwöhntes Kind, aber andererseits auch eine sehr dramatische Person. Das Publikum gibt einem auch sehr viel, was man sonst im Theater nicht bekommt. Die Begeisterung und das Mittanzen oder die Zwischenrufe, das gibt es eben nur bei der „Rocky Horror Show“.

Kulturpoebel: Es ist ja auch einzigartig, dass das Publikum bei einem Stück so involviert ist.

Rob Fowler: Ja, das macht „Rocky Horror“ einfach zum Kult.

Kulturpoebel: Bekommt ihr auf der Bühne viel von der Publikumsreaktion mit?

Rob Fowler: Es hängt von dem Theater ab. Hier in Hannover bekommen wir viel mit, aber die Kölner Philharmonie ist zum Beispiel so gebaut, dass wir nicht hören, was im Zuschauerraum passiert. Wir dachten schon „Oh, es ist ziemlich leise hier in Köln“, aber unser Soundtechniker sagte uns, dass das Publikum doch ziemlich abgegangen ist. Da haben wir uns schon gewundert.

Kulturpoebel: Macht es euch mehr Spaß, wenn ihr viel von dem Publikum hört?

Rob Fowler: Ja, natürlich. Man bekommt als Darsteller dann dieses natürliche „High“ vom Publikum.

© Nilz Böhme
© Nilz Böhme

Kulturpoebel: Du kommst ursprünglich aus England. Wie war es für dich, nach Deutschland zu kommen und als Nicht-Muttersprachler auch auf Deutsch zu spielen?

Rob Fowler: Am Anfang war ich wie ein Papagei. Ich habe durch´s Hören gelernt und habe mir eine eigene Phonetik aufgeschrieben und neben den deutschen Texten eine eigene Geschichte notiert. Mit einem Dolmetscher habe ich die Texte übersetzt und die Bedeutung der Sätze erarbeitet. Nach ein paar Jahren habe ich richtig Lust bekommen, Deutsch zu lernen. Am Anfang war es sehr schwer, als Engländer haben wir ja zum Beispiel kein richtiges „r“.

Kulturpoebel: Planst du, irgendwann wieder nach England zurückzukehren, um dort zu arbeiten?

Rob Fowler: Ja, ich werde mit meinem eigenen Stück, das ich gerade geschrieben habe, dorthin zurückgehen. Aber als Komponist und Co-Writer und nicht als Darsteller.

Kulturpoebel: Welche Rolle hat dir bisher am meisten Spaß gemacht?

Rob Fowler: Am meisten Spaß gemacht hat mir auf jeden Fall der Frank`n`Furter. Vom Herzen her habe ich drei Rollen, die mir sofort in den Kopf kommen. Das sind Frank`n`Furter, Jesus in „Jesus Christ Superstar“ und Jamie in „The Last Five Years“. Als Nächstes werde ich den Dan, die männliche Hauptrolle bei „Next To Normal“, in Dortmund spielen, was aber auch noch nicht ganz offiziell ist.

Kulturpoebel: Gibt es eine Rolle, die du irgendwann unbedingt noch spielen möchtest?

Rob Fowler: Jean Valjean in „Les Misérables“ würde ich sehr gern mal spielen. Es ist ein altes Stück, aber immer noch sehr schön.

Kulturpoebel: Du warst im Jahr 2012 bei der Staffel von „The Voice of Germany“ dabei. Wie würdest du im Nachhinein deine Erfahrungen beschreiben?

Rob Fowler: Es ist lustig, dass du das fragst, denn gestern hatte ich einen Auftritt mit drei anderen Performern von „The Voice of Germany“. Ramona Nerra, Tesirée Priti, Dolo und ich haben mit der Band „Gemini“ gespielt. Wir haben uns aus Spaß „The Voice of Gemini“ genannt (lacht).

© Karim Kawatni
© Karim Kawatni

Kulturpoebel: Du würdest also schon sagen, dass es dich weitergebracht hat, dort teilzunehmen?

Rob Fowler: Es hat mir auf jeden Fall die Tür in den Gala-Bereich geöffnet. Ich habe auch viel gelernt. Ich stehe seit Jahren auf der Bühne, aber ich bin diesen Konkurrenzkampf nicht gewohnt. Außerdem bin ich als Musicaldarsteller eigentlich ein Sänger, der sich hinter einer Figur versteckt. Ich sage immer, dass ich bei „The Voice of Germany“ nackter war, als in der Zeit, in der ich bei „Jesus Christ Superstar“ nackt auf der Bühne herumgelaufen bin. Wenn man hinter einer Figur performt, ist das wie ein Schutzschild. Wenn man aber als man selbst vor Millionen von Leuten auf der Bühne steht, ist das ein enormer Druck. Es war auch interessant, dass man mich schon nach den Blind Auditions bei IKEA beim Einkaufen erkannt und nach Fotos gefragt hat.

Kulturpoebel: Wirst du seitdem auch häufiger auf der Straße erkannt?

Rob Fowler: Während den Blind Auditions und den Battles auf jeden Fall. Aber ich habe ein Gesicht, das keinen besonders großen Wiedererkennungswert besitzt, ich sehe von Tag zu Tag anders aus. Trotzdem gibt es Leute, die mich sofort erkennen. Ich bin wie ein Chamäleon (lacht).

Kulturpoebel: Würdest du nochmal an einer Casting-Show teilnehmen?

Rob Fowler: Es hängt davon ab, was für ein Format es ist. Ich sage niemals nie. Vielleicht, wenn die Show eine Band oder einen Singer/Songwriter suchen würde. Eigentlich sind Casting-Shows und Auditions für Rollen dasselbe, egal ob vor dem Fernseher oder vor den Casting Directors. Jedes Jahr sind wir als Darsteller in so einer Situation, natürlich ohne Kameras, aber im Grunde ist es sehr ähnlich. „The Voice of Germany“ ist eine besondere Show, es ist einfach gutes Entertainment.

Kulturpoebel: Was sind, neben „Next to Normal“, deine nächsten Projekte?

Rob Fowler: An meinem eigenen Stück, „The Boy Next Door“, arbeite ich natürlich weiter. Im Oktober spiele ich zweimal als Gast im Saarländischen Staatstheater den Frank`n`Furter. Die haben eine eigene Produktion und ich kenne den musikalischen Leiter und er hat mich gefragt, ob ich Lust habe, deren Version zu lernen und einzuspringen, weil der Hauptdarsteller an zwei Terminen nicht kann. Sogar auf Deutsch! Die Lieder bleiben Englisch, aber die Sprechtexte wurden übersetzt.

(v.p.) (h.h.)

Beitragsbild: © Karim Kawatni

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Marina Pundt
"After silence, that which comes nearest to expressing the inexpressible is music." - (Aldous Huxley)

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Lieblings-Texter: Stephen Trask
Musical-Fan seit: … ich entdeckt habe, dass es Musicals mit Tiefgang und Rock-Musik gibt.
An Musicals fasziniert mich: … wie Energie und Emotionen durch Musik, Schauspiel und Tanz von der Bühne in den Publikumsraum übertragen werden.