Festhalten, jetzt wird es romantisch! Alle Singles müssen jetzt ganz stark sein und die glücklichen Pärchen unter uns (von denen ich aber erschreckenderweise wenige kenne #singleaberglücklich) dürfen sich über den Soundtrack für ihr ultimatives Candlelight-Date freuen. Liebestolle Blicke inklusive!
Es gibt Phasen in meinem Leben, die mir selbst nicht ganz geheuer sind. Mittlerweile habe ich akzeptiert, dass die Synapsen in meinem Gehirn manchmal den skurrilsten Unsinn treiben und manche meiner Handlungen nicht unbedingt den gesellschaftlich „normalsten“ Mustern folgen.

Die letzte Phase, die meine Freunde wohl etwas an meiner Heterosexualität zweifeln ließ, war wohl meine „Nicholas-Sparks-Phase“. Ich weiß, das hört sich schlimm an und niemals sollte man mehr als einen Nicholas-Sparks-Film am Stück schauen, weil diese Schnulzkanonen gepaart mit ihrem fehlenden Anspruch an alle Sorten Realitätsnähe, einem schonmal das Wasser aus dem Tränenkanal schießen können.

Und trotzdem schreckte ich vor keinem „Leuchten in der Stille“ oder „Safe haven“ zurück und katapultierte mich so in eine unfassbar träumerisch-romantische Stimmung, auf die jeder Gerard Butler oder Hugh Grant neidig gewesen wäre.

Man kennt es ja: Die Musik, die man gerade am liebsten hört, passt meist auch sehr gut zur jeweiligen Situation, in der man sich befindet.
Mit dieser Tradition wollte ich natürlich nicht brechen und begab mich auf die Suche nach den zehn schönsten Liebesliedern, die das Musical meiner Meinung nach hervorgebracht hat.
Und wenn die Stärke des Musicals jene ist, Gefühle auszudrücken und an der Stelle anzuknüpfen, wo Worte nicht mehr ausreichen, dann sollte diese Playlist mit Vorsicht zu genießen sein.

Nicht, dass ihr noch in eurer ganz eigenen „Nicholas-Sparks-Phase“ landet.
Aber vielleicht braucht man manchmal auch einfach ein bisschen Mehr an Gefühl und die Gewissheit, dass andere Menschen schließlich auch zueinander gefunden haben. Und dass wir alle ziemlich genau wissen, was im Leben wirklich zählt, auch wenn wir das manchmal nicht wahrhaben wollen (#singleabermanchmalglücklich).

10. Phantom of the opera – All I ask of you

Dass das olle Phantom mal in einer meiner Hitlisten auftaucht, hätte ich zwar nie für möglich gehalten, aber bei „Mehr will ich nicht von dir“ MUSS ich mich einfach überwinden. Hört es euch an, spürt den Kitsch und fühlt diese unfassbar geniale Melodie.

 

9. Miss Saigon – Last night of the world

An der Vietnam-Kriegs-Schmonzette von Boublil und Schönberg wird häufig die Balladendichte kritisiert, die teilweise leicht einschläfernde Wirkung besitzt. Und tatsächlich reiht sich im ersten Akt eine Ballade zu viel an die nächste. Aber was man den Autoren zugute halten muss: die Balladen sind einfach extrem schön. Und die schönste und bekannteste ist wohl das Kim-Chris-Duett „Last night of the world“.

 

8. Rent – I should tell you

Wohl etwas überraschend in dieser Liste. Denn bei „Rent“, denken die meisten wahrscheinlich an „Seasons of love“. Und sicherlich geht „I should tell you“ bei dem Feuerwerk an Hits manchmal etwas unter. Dennoch ist dieser Song ein Beispiel für den ungewöhnlichen Klang und die Dramatik, die Jonathan Larson`s Musik innewohnt. Anfangs wirkt alles noch etwas düster und beklemmend, ehe sich der Knoten zum Ende des Liedes dann löst und eine sehr positive Atmosphäre entsteht.

 

7. Rudolf – Du bist meine Welt

Frank Wildhorn ist DER Komponist für die ganz großen Gefühle. Ihm gelingt es, selbst die actionreichste Story noch mit mehr Balladen als Up-Tempo-Songs vollzupacken. Bei „Rudolf“ hat er mit dem Finale „Du bist meine Welt“ aber eine besonders ergreifende und mich persönlich auch sehr bedrückende Melodie geschaffen.

 

6. Rebecca – Hilf mir durch die Nacht

Eine Zeit lang war ich richtig süchtig nach diesem Lied. Die Verbindung aus klassischem Orchester und Band beherrscht wohl niemand so sicher, wie Sylvester Levay, der hier wieder musikalischen Bombast auffährt, der ins Ohr geht!

 

5. Finding Neverland – What you mean to me

Gary Barlow, das musikalische Mastermind hinter „Take That“, hat mit „Finding Neverland“ wirklich ein starkes Musical-Debüt abgeliefert. „What you mean to me“ ist ein sehr ruhiges und zurückhaltendes Pop-Lied, das sehr intelligent auf seinen Höhepunkt hinarbeitet und dort dann mit dem Einsatz der Drums förmlich explodiert. Berührt sehr in seiner Bescheidenheit!

 

4. If/then – Love while you can

Das Musical vom „Next to normal“-Team Kitt und Yorkey hat viele starke Melodien, eine davon ist „Love while you can“. Dieses Lied entfacht bei mir immer unglaublich gute Laune und beschwört eine Aufbruchstimmung herauf, wie es nur wenige Liebeslieder vermögen.

3. Aida – Written in the stars

Das wohl beste Musical von Elton John. Hier hätte ich gut und gern drei oder vier Lieder auswählen können. Die Entscheidung fiel schließlich auf „Sind die Sterne gegen uns“, weil dieser Song für das Ende einer Liebe steht. Und Abschied schwingt bei den großen Liebesgeschichten leider häufiger mit, als es uns lieb ist.

2. Bridges of Madison County – One second and a million miles

Kommerziell gefloppt und von den Kritikern gefeiert. Jason Robert Brown ist wohl einer der besten Musical-Komponisten unserer Zeit. Manchmal komponiert er etwas zu komplex für den Massengeschmack, aber dennoch schafft er mit jedem Werk ganz große Kunst. Und „One second and a million miles“ ist wohl das bestes Liebesduett, das er je geschrieben hat.

1. Wicked – As long as you`re mine

Bei diesem Lied stimmt einfach alles. Tolle Melodie, modern orchestriert und klasse inszeniert. In London war dieses Szene ein absoluter Gänsehaut- und Tränenmoment. Nimmt einfach mit, berührt und ist damit zurecht auf Platz eins.

Beitragsbild: KULTURPOEBEL/Lennart Schaffert

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Stephan Huber
„Das Musical sollte alles sein, was es sein möchte. Wer es nicht mag, soll zu Hause bleiben.“ (Oscar Hammerstein II.)

Lieblings-Musical(s): „Once“, „Memphis“, „Hamilton” und der All-Time-Favorite: „Elisabeth“
Lieblings-Komponist: Lin-Manuel Miranda
Lieblings-Texter: Brian Yorkey
Musical-Fan seit: „Elisabeth” (Essen)
An Musicals fasziniert mich: Die Einheit von Story, Musik und Tanz. Musicals transportieren das, was Worte nicht mehr ausdrücken können. Ich brauche kein ausladendes Bühnenbild oder riesige Show-Effekte – eine leere Bühne, eine starke Stimme und ein ergreifender Song – DAS ist für mich das pure Musical-Theater.