Die Vorbereitungen für Deutschlands erste und crowdgefundete Musical-Webserie „Das tote Pferd von Plön“ laufen bereits auf Hochtouren. In jeder der insgesamt sechs Folgen soll nicht nur ein Song von Marc Schubring und Heiko Wohlgemuth präsentiert, sondern auch mindestens ein prominenter Musical-Star um die Ecke gebracht werden. Auf äußerst skurril-absurde Art und Weise versteht sich.
Namhafte Darsteller wie Uwe Kröger, Pia Douwes, Roberta Valentini, Yngve Gasoy-Romdal, Drew Sarich und Katharine Mehrling haben bereits ihre Bereitschaft erklärt, an dem Projekt mitzuwirken.

Im Mittelpunkt der schön-schrägen Handlung steht der große Musicalfan Anika Schönhaube (Kerstin Dietrich) aus Plön und ihr Traum, einmal gemeinsam mit ihren Idolen auf der großen Bühne zu stehen. Als eine lokale Musicalproduktion einen Star nach dem anderen verpflichtet und Anika ihre Vorbilder tatsächlich kennenlernt, findet sie ziemlich schnell heraus, dass nichts so ist, wie es scheint. Um „ihr“ Musical zu schützen, greift sie zu Mitteln, die den Darsteller nicht so recht gefallen dürften.

Produziert wird die Serie von Rainer Niermann und Florian Caspar Richter unter ihrem Banner „Play On Films“. Die beiden, ursprünglich aus dem Musical-Bereich kommenden Filmemacher, zeichnen auch für das Drehbuch verantwortlich, während Rainer Niermann zusätzlich die Regie übernimmt.

© Play On Films
© Play On Films

Kulturpoebel: Wie kam es überhaupt zu der Idee, eine Musical-Webserie zu machen?

Rainer Niermann: Die Idee resultierte aus der Tatsache, dass Florian Caspar Richter und ich in Deutschland unsere Firma „Play on films“ neu aufgesetzt haben. Wir saßen bisher in London und haben vor einem Jahr unsere kleine Filmproduktionsfirma nun auch in Deutschland, in Holstein, aufgesetzt. Jetzt sind wir deutsch-britisch.
Wir haben darüber nachgedacht, was uns auszeichnet und worauf wir Lust haben. Das waren zum einen die komödiantischen Stoffe, zum anderen unsere Liebe zu bestimmten Autoren wie Monty Python oder Mel Brooks sowie die Tatsache, dass Florian und ich aus dem Musiktheater kommen. Also fiel die Entscheidung, ein Musical zu machen, das ein größeres Publikum erreicht und eben nicht nur einen Kurzfilm, der dann auf den Festivals untergeht.

Kulturpoebel: Ihr bringt in jeder einzelnen Folge bekannte Musicaldarsteller schön inszeniert um die Ecke. Wie haben die Darsteller diese Idee aufgefasst?

Rainer Niermann: Man muss all den großen Musicalstars, die sich bereit erklärt haben, an dem Projekt teilzunehmen, wirklich großen Respekt zollen und danken, dass sie die Idee mit solch einer Offenheit und viel Humor aufgefasst haben. Wir hatten nicht eine Person, die nicht laut gelacht und nach ein paar Minuten gesagt hat: „Das ist so schräg, da machen wir auf jeden Fall mit!“
 Ich glaube, in der Branche besteht einfach eine große Lust auf Neues – was aber keine Kritik an Stoffen oder Stücken sein soll, die gerade produziert werden. 
Vielmehr bietet sowohl unser Projekt, als auch die Verbreitung über das Internet die ideale Plattform, mal etwas anderes auszuprobieren.

Rainer Niermann © Play On Films
Rainer Niermann
© Play On Films

Kulturpoebel: Ihr habt ja wirklich die Darsteller-Elite der deutschsprachigen Musicalszene für euer Projekt gewinnen können. Wie genau habt ihr die Schauspieler ausgesucht?

Rainer Niermann: Ein wichtiger Faktor ist einfach „Gelegenheit“, also dass wir wirklich schon konkret mit Darstellern in Kontakt standen. Armin Kahl beispielsweise kenne ich noch von seiner Studienzeit an der Deutschen Theaterakademie, wo ich ihn in „City of Angels“ inszeniert habe. Sarah Schütz, die momentan die weibliche Hauptrolle in „Ich war noch niemals in New York“ spielt, oder auch Roberta Valentini, die aktuelle Elisabeth, kenne ich über ähnliche Wege. Schließlich arbeitet man schon seit langer Zeit in der gleichen Branche miteinander zusammen. Über persönliche Kontakte ergeben sich dann andere Kontakte. Wie zu Uwe Kröger, dem man wirklich besonders danken muss. Uwe kannten wir nämlich nicht persönlich und daher war es alles andere als selbstverständlich, dass er uns zuhört, geschweige denn überhaupt bereit ist, sich als einer der ganz Großen des Genres, derart auf die Schippe nehmen zu lassen. Wie alle anderen auch, hat er sehr schnell zugesagt.

Kulturpoebel: Und während ein Star nach dem anderen um die Ecke gebracht wird, bewegt sich alles auf den großen Showdown mit eben jenem Uwe Kröger zu…

Rainer Niermann: Unser ursprünglicher Plan war, pro Folge einen Mord zu verfilmen. Mittlerweile haben wir aber so viele potentielle Mordopfer, dass es auf jeden Fall mehrere pro Folge werden. Am Ende bleibt wirklich nur Uwe Kröger als Hajo Keller übrig, der das große Idol der Hauptprotagonistin Anika Schönhaube ist. Die Idee ist, dass beide dann während der Premiere des Schleswig-Holstein-Musicals ein Sing-off auf der Bühne austragen. Wie das aussehen wird, kann ich noch nicht verraten. Ich verspreche auf jeden Fall, dass es nicht so wird, wie die Leute es sich gerade vorstellen. Es wird besser!

Kulturpoebel: In der Serie findet Anika heraus, dass in der Musical-Welt nichts so ist, wie es scheint. Wie realitätsnah ist diese Erkenntnis?

Rainer Niermann: Wir nehmen uns da natürlich liebevoll auf die Schippe. Als Florian und ich im Theater tätig waren, haben wir uns dort sehr zuhause gefühlt, weil innerhalb vieler Produktionen auch eine Art Familiengefühl entsteht. Wenn man für eine bestimmte Zeit so eng zusammenarbeitet, hängt schon viel an der Persönlichkeit. Und wenn man sich persönlich nicht ausstehen kann, geht das meistens schief. Letztlich karikieren wir mit dieser Aussage ein Vorurteil und blasen dieses ins Unermessliche auf.

Kulturpoebel: Musicalbegeistert ist nicht nur Anika, sondern auch die Zielgruppe, die ihr mit dieser Serie erreichen wollt. Gibt es in Deutschland denn überhaupt ein solch großes, musicalbegeistertes Publikum?

Rainer Niermann: Die Frage kann man schnell beantworten, wenn man sich bei Facebook die Follower-Zahlen der ganzen Musicaldarsteller anschaut. Bei den deutschsprachigen Stars des Genres gehen die Zahlen nicht unbedingt in die Hunderttausende, aber doch in die Tausende und Abertausende. Ganz zu schweigen von den vielen Fangruppen mit mehreren tausend Mitgliedern. Das Publikum ist da.

Kulturpoebel: Crowdfunding ist Teil der Gesamtfinanzierung des Projektes. Was passiert in dem Fall, dass ihr euer Fundingziel von 25.000 Euro nicht erreichen solltet?

Rainer Niermann: Das Crowdfunding alleine wird nicht reichen, um die Serie zu realisieren. Wir sind natürlich in Gesprächen mit anderen möglichen Finanziers. Sollte das Fundingziel allerdings nicht erreicht werden, muss man die Frage stellen, ob andere Geldgeber denn noch an das Projekt glauben und wenn ja, nochmal über die Finanzierung sprechen. Ein nicht stattfindendes Crowdfunding wäre dementsprechend kein Todesstoß, aber doch ein kleineres Unglück… wenn nicht sogar ein größeres.

Kulturpoebel: Als ich von eurem Projekt gehört habe, dachte ich im ersten Moment sofort an „Glee“. Nach einem genaueren Blick, ist diese Assoziation aber schnell verflogen, weil „Glee“ doch ganz anders konzipiert ist und auch ein anderes Publikum vor Augen hat…

Rainer Niermann: Ich glaube, dass unsere Geschichte universeller ist, als die von „Glee“, wo jede einzelne Folge eine Art kleines Jukebox-Musical ist und Pop- und Musical-Songs gecovert werden. Das machen sie auch großartig, gehen hierbei aber sehr stark auf Sänger und Musikbegeisterung. Unsere Story ist insofern universeller, als dass es sich um eine Krimigeschichte handelt und es nicht nur um Mord und Totschlag, sondern auch um die großen Emotionen wie Liebe, Rache und Eifersucht geht. Das erzählen wir als Musical mit dem ironischen Effekt, dass die Handlung eben auch inmitten einer Musical-Produktion spielt. Unsere Denke ist daher anders herum: erst die Geschichte, dann das Musical und bei „Glee“ kommt, wie ich finde, die Musik an erster Stelle und die Geschichte wird dann drum herum geschrieben.

Kulturpoebel: Glaubst du, dass so etwas wie „Glee“ in Deutschland überhaupt möglich wäre?

Rainer Niermann: Ich glaube, es ist möglich, wenn man an den richtigen Entscheiderstellen Leute findet, die an das Projekt glauben. Das hat aber auch viel zu tun mit dem deutschen Film-Förder-System und der Art, wie stark die TV-Stationen in den Entscheidungsprozess integriert sind.

Kulturpoebel: Vielleicht perspektivisch auch ein Format für „Play on films“?

Rainer Niermann: Da bringt Ihr uns ja auf Ideen! „Glee“ wäre perspektivisch auf jeden Fall ein Format oder eine Art von Geschichte für „Play On Films“. Zuerst wollen wir aber unser „totes Pferd“ zum Leben erwecken.

Wenn ihr das Projekt unterstützen wollt, folgt einfach diesem Link:
https://www.startnext.com/das-tote-pferd-von-ploen

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Stephan Huber
„Das Musical sollte alles sein, was es sein möchte. Wer es nicht mag, soll zu Hause bleiben.“ (Oscar Hammerstein II.)

Lieblings-Musical(s): „Once“, „Memphis“, „Hamilton” und der All-Time-Favorite: „Elisabeth“
Lieblings-Komponist: Lin-Manuel Miranda
Lieblings-Texter: Brian Yorkey
Musical-Fan seit: „Elisabeth” (Essen)
An Musicals fasziniert mich: Die Einheit von Story, Musik und Tanz. Musicals transportieren das, was Worte nicht mehr ausdrücken können. Ich brauche kein ausladendes Bühnenbild oder riesige Show-Effekte – eine leere Bühne, eine starke Stimme und ein ergreifender Song – DAS ist für mich das pure Musical-Theater.