Musical-Theater haben es zur Zeit nicht einfach in Deutschland. Nachdem das Stage Theater am Potsdamer Platz letzte Woche bereits die Einstellung des Spielbetriebes zum Sommer diesen Jahres verkündet hatte, steht in Bremen nun sogar der Abriss des Musical-Theaters am Richtweg bevor.

Laut „radio bremen“ und „kreiszeitung.de“ soll der Verkauf von Grundstück und Gebäude an die Bremer Residenz Gruppe unter Geschäftsführer Rolf Specht kurz bevorstehen. Dieser möchte statt dem Theater circa 100 Wohnungen auf dem Gelände entstehen lassen. Der Bauantrag hierfür wurde allerdings noch nicht genehmigt und auch der Verkauf wurde von den jetzigen Eigentümern, der Düsseldorfer „Mehr Entertainment GmbH“ und der hessischen Investorengruppe „Arko“ bislang nicht bestätigt.

Betreiber und gleichzeitig Mieter des Musical-Theaters ist die „Mehr Entertainment GmbH“, welche versichert, dass alle bisher eingebuchten Produktionen wie geplant stattfinden würden. Der Mietvertrag kann erst 2017 gekündigt werden.

1999 wurde das 1.451 Personen fassende Musical-Theater Bremen mit der deutschsprachigen Erstaufführung des Wildhorn-Klassikers „Jekyll & Hyde“ – in der Titelrolle: Ethan Freeman und Steve Barton – eröffnet. Mit der Musical-Krise Anfang der 2000er, die schließlich auch Branchen-Primus Stella in die Insolvenz zwang, erlebte das Bremer Musical-Theater schwere Zeiten. Weitere Versuche, die Hansestadt als Ensuite-Spielstätte zu positionieren schlugen mit „Hair“, „Evita“ und „Marie Antoinette“ allerdings fehl und so wurde das Theater in den letzten Jahren recht erfolgreich für die Bespielung durch Tournee-Produktionen und Musical-ferne Veranstaltungen erschlossen.
Sollte der Verkauf wirklich durchgeführt werden, so wäre Deutschland um eines seiner schönsten Musical-Theater ärmer.

Beitragsbild: © KULTURPOEBEL/Lennart Schaffert

TEILEN
Vorheriger ArtikelNews: „Tarzan“ ab November 2016 in Oberhausen
Nächster ArtikelMusicals in Japan: Von seltsamen Frisuren und Salad Days
Stephan Huber
„Das Musical sollte alles sein, was es sein möchte. Wer es nicht mag, soll zu Hause bleiben.“ (Oscar Hammerstein II.)

Lieblings-Musical(s): „Once“, „Memphis“, „Hamilton” und der All-Time-Favorite: „Elisabeth“
Lieblings-Komponist: Lin-Manuel Miranda
Lieblings-Texter: Brian Yorkey
Musical-Fan seit: „Elisabeth” (Essen)
An Musicals fasziniert mich: Die Einheit von Story, Musik und Tanz. Musicals transportieren das, was Worte nicht mehr ausdrücken können. Ich brauche kein ausladendes Bühnenbild oder riesige Show-Effekte – eine leere Bühne, eine starke Stimme und ein ergreifender Song – DAS ist für mich das pure Musical-Theater.