Wer dachte, „Das Wunder von Bern“ und „Rocky“ wären Auswüchse des Deutschen liebsten Zeitvertreibs, irrt. Sport-Musicals sind schon länger in Japan Teil der eigenkreierten Musical-Landschaft. Ein Grund dafür ist die Adaption bekannter Mangauniversen, was bei „Die Rosen von Versailles“, „Revolutionary Girl Utena“ und den „Sailor Moon“-Musicals („Sera Myus“) gut funktionierte und vor allem Geld in die Kasse trieb. Dies ist oftmals ein Spaß für die ganze Familie, denn ungehindert der komplexen Thematiken Patriarchat, Geschlechterrollen und offen homosexueller Beziehungen, werden die kleinen Kinder in passenden Kostümen mitgeschleift. Klar, dass die Kuh auch bei sogenannten Shonen-Mangas gemolken werden muss.

Shonen ist ein Genre, das sich vornehmlich an Jungs und Männer richtet, der männliche Held sammelt auf seiner Reise starke Verbündete und bezwingt zum Schluss den Gegner. Dass dies auch oftmals auf eine Sportmannschaft zutrifft, liegt in der Natur der Sache. Hier eine Zusammenstellung der skurrilsten Turnhallen-Musicals!

Das Basketball-Musical

Die Adaption von „Kuroku‘s Basketball“ ist bislang als Theaterstück angekündigt, der Einsatz von Liedern ist also noch unklar. Fakt ist, dass die Anime-Synchronsprecher rund um das Basketballteam der Teikō Middle School bereits mehrere „Character Songs“ veröffentlicht haben, so will es der Brauch. Jeder Anime, der etwas auf sich hält, veröffentlicht nämlich mindestens eine CD, auf der „Character Songs“ und Gedichte vorgetragen werden, damit die Fans mehr über die Figuren erfahren – samt deren Innenleben und Entwicklungen. Da die Charaktere zwischen 15 und 16 sind, muss jetzt schon die Anti-Aging-Creme aufgetragen werden, denn die Darsteller sind zwischen 26 und 28. So auch der 26-jährige Kensho Ono als Tetsuya Kuroko. Das Stück wird im April im Sunshine Theater in Tokio laufen. Kostenpunkt: 60 Euro.

Das Volleyball-Musical

Wer bereits nach der „High School Musical: The Concert“-Tour genug vom Basketball hat (WILDCATS): In „Haikyū!!“ dreht sich alles um die Spieler eine Volleyballmannschaft. 2012 entstanden, wurde jetzt grünes Licht für die „Hyper Projection Performance“ gegeben – was auch immer das sein wird. Jedenfalls wird das Stück auch gleich auf Reise gehen: Mitte November vom AiiA 2.5 Theater Tokyo zum Theater Brava! in Osaka, sowie Tagajō Shimin Kaikans Great Hall in der Präfektur Miyagi Anfang Dezember.

Das Tennis-Musical

Die „Prince Of Tennis“-Musicalreihe war vor allem populär bei den Mädels. So wurde aus einer geplanten Show bald eine Staffel – diese umfasste von 2003 bis 2010 22 verschieden Stücke sowie insgesamt 150 verschiedene Darsteller. Die 2011er Staffel lief wieder in Tokyo und Osaka. Die Darsteller verzichteten auf extra Anti-Aging-Cremes – und wurden auch nicht nach Körpergröße ausgewählt. So bemängelten viele, dass zum Beispiel der erste „Prince Of Tennis“-Darsteller, Kotaro Yanagi (der sogar in Berlin geboren wurde!), als Ryoma Echizen ein wahrer Riese gewesen sei. Macht seine Performance vom super jazzigen „Number One“ noch lustiger, wenn im Hintergrund die Schläger geschwungen werden.

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Simone Bauer
„She wanted Mary Poppins and I took her to King Lear“ – (The Wombats)

Lieblings-Musical(s): „Hairspray“, „Grease“, „Elisabeth“ (in der Takarazuka-Revue-Variante)
Lieblings-Komponist: Benny Andersson und Björn Ulvaeus
Lieblings-Texter: Nao Takagi (für ihre Rede in „Last Dracul Jokyoku“)
Musical-Fan seit: „Cats“ (Hamburg)
An Musicals fasziniert mich: Wenn unzählige begabte TänzerInnen völlig synchron in atemberaubenden Kostümen eine beeindruckende Choreographie tanzen - da schlägt mein Joachim-Llambi-Herz höher!