Die „Sailor Moon“-Musicals, genannt „Sera Myu“, die nicht nur in Tokio und Osaka aufgeführt werden, sondern auch schon Gastspiele in Shanghai und Paris hatten, teilen sich in verschiedene Stages auf – abhängig von der Schauspielerin, die jeweils Usagi „Bunny“ Tsukino, alias Sailor Moon, gibt.

Gerade erst, Ende Oktober 2015, fiel der letzte Vorhang für „Un Nouveau Voyage“ – und 2016 steht bereits eine neue Stage an, denn die aktuelle „Sailor Moon“-Darstellerin Satomi Okubo gibt ihre Tiara ab. Damit ist sie Teil einer Legende: 1993 begann alles mit ANZA, die inzwischen Leadsängerin der Heavy-Metal-Band Headphones President ist. Dazwischen liegen 31 Stücke und über 800 Auftritte, die vor allem den Reiz haben, dass es wirkliche „Battlesongs“ und Kampfszenen starker Frauen gibt. Selbst nach sieben Jahren Pause haben die „Sailor Moon“-Musicals keinen Funken ihres Zaubers verloren. Die Faszination der Sera Myus liegt für viele Fans vor allem in der Möglichkeit, Geschichten zu erleben, die ihnen Manga, Audio Dramen, Real-Life-Action-Serie und Anime vorenthalten.

Übersetzt von SailorMoonGerman

Seit der Neuauflage 2013 wird die allseits bekannte Geschichte um die Sailor Senshi, also die berühmten Sailorkriegerinnen für Liebe und Gerechtigkeit, wiedererzählt: Usagi Tsukino ist tollpatschig und eine Heulsuse – und rettet als Sailor Moon trotzdem die Welt vor dem Bösen! Ihr zur Seite stehen ihre Freundinnen, die alle individuelle Charaktereigenschaften und Stärken haben. Soweit, so seit zwanzig Jahren geliebt – Doch in den Musicals werden neue Dynamiken zwischen den Mädchen entwickelt. In der Regel erzählen fünf Saisons die fünf Anime-Staffeln bzw. „Mangaarcs“ von „Sailor Moon“ nach. Und dann werden die Abenteuer fortgesetzt – mit neuen Gefährten, neuen Gegnern, neuen Liedern. Ein bisschen wie bei „Phantom 2“, nur weniger an den Haaren herbeigezogen. Produziert wird der ganze Spaß von Bandai, bei denen sämtliche „Sailor Moon“-Rechte liegen. Die Musik stammt dabei von Akiko Kosaka, Texte von Kayoko Fuyumori, Junya Saiki und der „Sailor Moon“-Erfinderin Naoko Takeuchi höchstselbst.

Aufgeführt wurde vor der langjährigen Pause Sommer wie Winter. Die Winterstücke waren „Kaiteibans“ – Überarbeitungen der Sommerstücke, bei denen auf das Feedback des Publikums eingegangen wurde. Details, die im Sommer nicht ganz ausgereift waren, wurden überarbeitet, Darsteller, die vor ihrer Graduation standen, bekamen mehr Text oder neue Songs – und der Gegner wurde ganz final besiegt. Man erzählte originelle Abenteuer und präsentierte den einzigen Kuss zwischen Haruka Tenoh und Michiru Kaioh, hier dargestellt von Nao Takagi und Yuuka Asami. Die beiden harmonierten so gut, dass man ihnen sogar ein Duett auf den Leib schrieb – „Destined Couple“. Nao Takagi selbst schrieb nicht nur ihren eigenen Text für „Last Dracul Jokyoku“ (2000), sondern choreografierte ebenfalls einige Klassiker.

Eine Neuerung mit dem Relaunch 2013, der nur noch Sommerstücke zuließ: Alle Charaktere werden nun von Frauen dargestellt, ebenso Mädchenschwarm Tuxedo Mask – besetzt mit der genialen Takarasienne Yuugo Yamato. Beim letzten Stück, „Un Nouveau Voyage“, gab es zudem leider zum ersten Mal kein Bühnenbild. Zwar hatte „Transylvania no Mori“ (2001) schon etwas gespart und sich an Maria Bjornsons Setting für „Das Phantom der Oper“ orientiert, aber wenigstens gab es noch ein paar Säulen und Stoffdrapierungen. Lichteffekte spielten schon immer eine große Rolle – vor allem, wenn eine magische Attacke durchgeführt wurde.

Übersetzt von SailorMoonGerman

Inzwischen gibt es über zwanzig CD-Veröffentlichungen mit gewaltigen Songs. Die Darstellerinnen überzeugen mit kraftvollen Choreographien und starkem Gesang bei gefühlvollen Balladen, quietschbunten Popsongs oder Hymnen, um in den Kampf gegen das Böse zu ziehen. Vor allem sind sie auch abseits der Bühne enge Freundinnen, deren Kontakt wohl nie abbrechen wird. ANZA lud ihre Weggefährten im Juli 2015 zu einem Reunion-Konzert ein. Backstage entstanden tatsächlich Freundschaften fürs Leben.

Man geht miteinander essen, singt Karaoke – und besucht, so wie Tausendsassa Hikari Ono, die nicht nur verschiedenste Rollen spielte, sondern auch choreografierte, und Yuuka Asami, jedes Jahr eines der Stücke und zeigt sich auch ohne Perücke als die perfekte Sailor Neptun. Bald schwinden nämlich die Grenzen zwischen Darsteller und Charakter, so nennt Sailor Saturn Karin Takahashi eine ihrer drei Mütter (!) auf Twitter „Setsuna-mama“ statt Mikako Ishii.

Wer zuvor kein Fan des „Sailor Moon“-Universums war, wird es spätestens nach dem Casting und sammelt fleißig „sein“ Merchandise. Das alles macht die Sera Myus so einzigartig – und die Wartezeit bis zur nächsten Vorstellung so spannend!

TEILEN
Vorheriger ArtikelNews: Lana Gordon und David-Michael Johnson in Motown-Tribute
Nächster ArtikelNews: Die Nominierten der Olivier Awards 2016 sind bekannt
Simone Bauer
„She wanted Mary Poppins and I took her to King Lear“ – (The Wombats)

Lieblings-Musical(s): „Hairspray“, „Grease“, „Elisabeth“ (in der Takarazuka-Revue-Variante)
Lieblings-Komponist: Benny Andersson und Björn Ulvaeus
Lieblings-Texter: Nao Takagi (für ihre Rede in „Last Dracul Jokyoku“)
Musical-Fan seit: „Cats“ (Hamburg)
An Musicals fasziniert mich: Wenn unzählige begabte TänzerInnen völlig synchron in atemberaubenden Kostümen eine beeindruckende Choreographie tanzen - da schlägt mein Joachim-Llambi-Herz höher!