Als im April 2015 die Cast für das “Mozart!”-Revival der Vereinigten Bühnen Wien (VBW) bekannt gegeben wurde, staunten nicht wenige, als sie den Namen Oedo Kuipers auf der Besetzungsliste entdeckten. Und zwar nicht irgendwo im Ensemble, sondern gar als Erstbesetzung der Titelrolle, welche seiner Zeit schon Yngve-Gasoy Romdal den großen Durchbruch beschert hatte. Alle jene, die zu diesem Zeitpunkt noch skeptisch auf die mutige Entscheidung der VBW reagierten, einem Newcomer solch eine große und Show-tragende Rolle aufzubürden, hat der gebürtige Niederländer längst eines besseren belehrt und konnte mit seiner Darstellung des Wolfgang A. Mozart Publikum und Presse gleichermaßen überzeugen.

©Natalie Bauer
©Natalie Bauer

Seine Ausbildung absolvierte Kuipers am renommierten Konservatorium für Musiktheater in Tilburg und übernahm schon während und auch nach seiner Studienzeit Rollen in seiner niederländischen Heimat. So spielte er den jungen Franciscus in „Franciscus, Troubadour Van God“, war Teil des Ensembles von „The Secret Garden“, verkörperte Charles Murdock in „De Spooktrain“, Prins Florizan in „Een Winterspookje“ und den Romeo in „Romeo und Julia“ an der Oper Spanga. Dem deutschen Publikum ist Oedo Kuipers aus der Hamburger „Das Phantom der Oper“-Inszenierung bekannt, wo er im Ensemble und als Zweitbesetzung des Raoul, Vicomte de Chagny auf der Bühne stand.

Kulturpoebel: Oedo, durch die Titelrolle im Musical „Mozart!“ wurdest du mit einem Schlag einem großen Publikum bekannt. Wie hast du die Umstellung erlebt, auf einmal als Erstbesetzung einer Titelrolle auf der Bühne zu stehen?

Oedo Kuipers: Es ist natürlich eine Umstellung aber letztendlich mache ich auch dieses Mal nicht mehr, als auf der Bühne zu stehen und eine Rolle zu verkörpern. Das war immer schon so. Durch meine Ausbildung bin ich gut vorbereitet für diese große Verantwortung, die in der Titelrolle liegt. Es ist sicher nicht leicht, aber wenn man weiß, was entscheidend ist und worauf der Fokus liegt, dann kann man auch so eine große Rolle spielen.

Kulturpoebel: War es überraschend für dich, dass die Produzenten dir als Newcomer ihr Vertrauen ausgesprochen haben und eben nicht auf bewährte und bekanntere Darsteller vertraut haben?

Oedo Kuipers: Eine riesige Überraschung. Ich habe mich schon manchmal gefragt: „Gibt es wirklich niemand anderen?“. Aber ich freue mich natürlich sehr und das Vertrauen der Kreativen ehrt mich und hat einiges mit mir gemacht.

Kulturpoebel: Wir waren von deiner Darstellung sehr beeindruckt, hatten aber das Gefühl, im Vergleich zu deinen Vorgängern Yngve Gasoy-Romdal und Rasmus Borkowski einen anderen Mozart auf der Bühne zu sehen. Inwiefern konntest du „deinen“ Mozart mitkreieren?

© VBW / Deen van Meer 2015
© VBW / Deen van Meer 2015

Oedo Kuipers: Ich habe viele Freiheiten von Regisseur Harry Kupfer bekommen. Er zeichnet ein Bild von Mozart, das einerseits von seinem Genie geprägt ist, ihn andererseits aber auch als ganz normalen Menschen zeigt, der mit den Problemen des Erwachsenwerdens kämpft. Sein Genie drängt sich in diesen Prozess der Selbstfindung natürlich immer wieder dazwischen. Das versuche ich eben in meine Interpretation mitzunehmen.

Kulturpoebel: Dein Charakter ist im zweiten Akt gleichermaßen rastlos wie ausgelaugt und verzweifelt an seinem Genie. Wie schaffst du es, diese Wandlung jeden Abend, teilweise zweimal am Tag so intensiv und glaubhaft darzustellen?

Oedo Kuipers: Wie gesagt, man muss wissen, worauf der Fokus liegt. Ich habe mir einen Plan zurechtgelegt und ich verfolge eine Strategie. Es ist wichtig, eine Basis zu haben, also in Form einer fundierten Ausbildung. Natürlich bin ich hier auch körperlich gefordert, da muss ich Entspannung suchen, selbst wenn es mal in einer Nummer heftiger zugeht, muss ich meine Energie schonend, also im Sinne von gezielt, einsetzen.

Kulturpoebel: Was ist deiner Meinung nach die anspruchsvollste Nummer/ der anspruchsvollste Song des Musicals für dich?

Oedo Kuipers: Das Finale vor der Pause ist ziemlich anspruchsvoll, weil ich davor drei Lieder hintereinander singe. Da braucht man Energie.:)

Kulturpoebel: Hast du denn generell ein Lieblings-Musical, das wir unbedingt sehen sollten?

Oedo Kuipers: Eines meiner Lieblings-Musicals ist „Once“. Es läuft, glaube ich, gerade nicht mehr in London, aber es ist eine wahnsinnig schöne Liebesgeschichte.

Kulturpoebel: Findest du, man sollte als Musicaldarsteller auch selbst Musical-Fan sein?

Oedo Kuipers: Muss nicht unbedingt sein. Man muss glaub ich eine Geschichte erzählen wollen und Musik generell mögen. Das ist es für mich.

Kulturpoebel: Wie geht es für dich weiter nach dem Spielzeitende von „Mozart!“ im März?

Oedo Kuipers: Ich habe wirklich noch keine Pläne. Aber ein Urlaub wird sicher dazu gehören.

Wer Oedo Kuipers noch in der Rolle als Wolfgang A. Mozart im Raimund Theater erleben möchte, hat bis zum 20. März 2016 Gelegenheit dazu. Tickets für „Mozart!“ in Wien gibt es hier.

Beitragsbild: © Rafaela Pröll

 

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Stephan Huber

„Das Musical sollte alles sein, was es sein möchte. Wer es nicht mag, soll zu Hause bleiben.“ (Oscar Hammerstein II.)

Lieblings-Musical(s): „Once“, „Memphis“, „Hamilton” und der All-Time-Favorite: „Elisabeth“
Lieblings-Komponist: Lin-Manuel Miranda
Lieblings-Texter: Brian Yorkey
Musical-Fan seit: „Elisabeth” (Essen)
An Musicals fasziniert mich: Die Einheit von Story, Musik und Tanz. Musicals transportieren das, was Worte nicht mehr ausdrücken können. Ich brauche kein ausladendes Bühnenbild oder riesige Show-Effekte – eine leere Bühne, eine starke Stimme und ein ergreifender Song – DAS ist für mich das pure Musical-Theater.