Wir lieben Showgruppen: sie setzen mit innovativen Ideen häufig da an, wo professionelle Musical-Theater das Angstflattern bekommen und zum Mainstream-Allerlei greifen. Zumal manch eine Showgruppe talentiertere Techniker, Filmer und Cutter hat, als das ein oder andere Stadttheater. Deutschlands bekannteste Showgruppe YUME hat zudem noch überaus begabte Grafiker – und natürlich Choreographen!

Ab 2002 war das Ziel einiger Freunde, die „Sailor Moon“-Musicals – Sera Myus genannt – auf deutschen Conventions, also Veranstaltungen für Manga-, Anime- und Comic-Fans, zu bringen (siehe hier mehr Informationen zu den „Sailor Moon“-Musicals). Neben unzähligen Auftritten und verschiedenen Stücken gab es sogar mehr als eine Fan Kansha. Nach vierjähriger Pause, ähnlich wie beim großen Vorbild Sera Myu, entstand ein Musical zum Geburtstag von „Sailor Moon“ in Deutschland namens „Kaosu no Tan Pure“. Uraufgeführt auf der MMC Berlin, kann man das Stück heuer am 5. Juni auf der Anime Messe Berlin – vielmehr dem ATZE Musiktheater – erleben.

 

Schrieb YUME demokratisch an diesem Stück? „Mehr oder weniger“, erzählt Bettina „Yui“ Spallek. Sie spielt derzeit die Sailor Uranus, gab aber in der Vergangenheit ebenfalls die Sailor Pluto und Sailor Jupiter. „Natürlich können nicht immer alle mitschreiben. Bei circa dreißig Leuten wäre das recht schwierig und würde vermutlich nie ein Ende finde. Außerdem heißt es ja‚ zu viele Köche verderben den Brei. Aber dieses Mal war es wirklich etwas anders als früher.“ Jeder gab seine Wünsche durch für die etwas andere Geburtstagsfeier und so entstand ein äußerst stimmiges Stück mit viel Witz und Herz.

Eigentlich will Usagi Tsukino nur mit ihren Freunden Geburtstag feiern und einen Heiratsantrag von ihrem Mamoru – doch dann bekommt sie Besuch vom Chaos … Diese Wurzel allen Bösen kennen Anime-Fans aus der finalen „Sailor Moon“-Staffel. Die YUME-Leitung Sarah „Yaten“ Förster gibt dem Chaos ein schillerndes Gesicht. Bei ihr laufen alle Fäden zusammen, wenn die ganze Gruppe wieder ausrückt, um ihre Wochenenden in einer Turnhalle durchzuproben. Harte Arbeit für das, was auf der Bühne so einfach wirkt.

Die „gute Seite der Macht“ – für Liebe und Gerechtigkeit – stellt Désirée Richter dar. 2011 spielte sie bereits die Sailor Venus im vorläufigen Abschiedsstück „The last revenge“. Ein Jahr zuvor vertrat sie Deutschland beim World Cosplay Summit in Japan, 2015 veröffentlichte sie die CD „Sailor Pride“ und tourte damit durch Deutschland, trat unter anderem bei der Gamescom auf. Im selben Jahr sang sie beim Symposium „Japan – Pop ohne Grenzen“ der Universität Düsseldorf. Da sie immer wieder mit der Band Ongaku no Kara kollaborierte, schnappte sie sich deren Drummer und die Jupiter-Darstellerin der letzten Yume-Saison, Saleia Marlin. Gemeinsam arbeiten sie gerade als Harmoonics an einem Akustikalbum mit „Sailor Moon“-Songs.

Die Songauswahl von „Kaosu no Tan Pure“ bietet eine bunte Mischung aus altbekannten Sera-Myu-Songs, neu geschriebenen Stücken und dem Openingsong des Animereboots „Sailor Moon Crystal“, „Moon Pride“. „Die Songauswahl ging wie üblich von statten: Die Orga sowie die Skriptabteilung hat überlegt, was passt in das Stück und wie viel Zeit haben wir. Dazu soll es natürlich auch möglichst fair verteilt werden. Also, dass jede ‚Gruppe’, wie Inners, Outers, die Bösen auch ihre Lieder bekommt. Da wir nicht so viel Zeit hatten, waren es leider nur wenige Lieder. Wir hätten gerne mehr gehabt. Was wir versuchen, in der geänderten Variante des Stücks umzusetzen.“ Diese wird man in Berlin mit weiteren, neuen Überraschungen sehen können.

Was geht den Mitgliedern wie Yui durch den Kopf, bevor sie die Bühne betreten? „Puh … oft eigentlich nichts.“ Sie lacht. „Ich bin immer noch nervös, was sich meist nach dem ersten Auf- und Abgang legt. Angst, dass etwas schief geht, habe ich nicht mehr. Ich weiß, dass wir genug Leute haben, die improvisieren können, sollte es eine Panne geben. Ich hoffe natürlich immer, dass den Zuschauern unser Stück gefällt.“

Wer es nicht nach Berlin schafft – weitere Auftritte sind geplant, informiert wird auf Facebook.

 

 

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Simone Bauer
„She wanted Mary Poppins and I took her to King Lear“ – (The Wombats)

Lieblings-Musical(s): „Hairspray“, „Grease“, „Elisabeth“ (in der Takarazuka-Revue-Variante)
Lieblings-Komponist: Benny Andersson und Björn Ulvaeus
Lieblings-Texter: Nao Takagi (für ihre Rede in „Last Dracul Jokyoku“)
Musical-Fan seit: „Cats“ (Hamburg)
An Musicals fasziniert mich: Wenn unzählige begabte TänzerInnen völlig synchron in atemberaubenden Kostümen eine beeindruckende Choreographie tanzen - da schlägt mein Joachim-Llambi-Herz höher!