Über keinen anderen Darsteller habe ich mir so viele Diskussionen anhören oder selber führen dürfen wie Mark Seibert. Seit nunmehr über 10 Jahren ist er pausenlos in den Besetzungslisten deutschsprachiger Long-Run-Musicals zu finden und wird gerne als „Uwe Kröger der neuen Generation“ bezeichnet. Vor allem aufgrund seiner derzeitigen Rolle als Graf von Krolock in „Tanz der Vampire“ sowie der anstehenden Titelrolle in „Schikaneder“ fiel die Entscheidung leicht, ihn zum Musicalstar des Monats Mai zu ernennen.

© Karim Khawatmi
© Karim Khawatmi

Geboren wurde Mark Seibert am 9. April 1979 in Frankfurt am Main und begann seine Ausbildung zum Musicaldarsteller am Konservatorium in Wien im Jahr 2001, wofür er zuvor sein BWL-Studium abgebrochen hatte. Die Ausbildung schloss er mit Auszeichnung im Jahr 2005 ab. Bereits während seines Studiums am Konservatorium spielte er Hauptrollen in Produktionen der Vereinigten Bühnen Wien und Amstetten. Im Jahr 2003 besuchte er zudem das Lee Strasberg Theatre and Film Institute in New York.

Bilderbuch-Karriere

Von den Bühnen Wiens, wo seine Karriere mit Rollen wie Pygar im Musical „Barbarella und Tybalt in „Romeo & Julia“ begann, ist er spätestens seit seiner Rolleninterpretation des Tods in „Elisabeth“ im Jahr 2012 nicht mehr wegzudenken. Auch in den Nachfolgeproduktionen „Mozart!“ und „Schikaneder“ war und ist er Teil der Cast, im Letzteren übernimmt er sogar dieTitelrolle. Doch auch in Deutschland war er in den vergangenen Jahren oft auf den Besetzungslisten großer Produktionen zu finden. In der Deutschland-Premiere von „Wicked“ verkörperte er den Fiyero, kreierte den Ranger in der Welturaufführung des Musicals „Der Schuh des Manitu“ und überzeugt momentan als Graf von Krolock im Erfolgs-Musical „Tanz der Vampire“ (siehe unsere Rezension hier: http://kulturpoebel.de/2016/05/review-tanz-der-vampire-unsterblich-mit-kleinen-makeln/).

Jahr

Musical

Rolle

Ort

2004/2005

Barbarella

Pygar

Raimund Theater Wien

Sommer 2004

Footloose

Willard

Amstetten

2005-2006

Romeo & Julia

Tybalt

Raimund Theater Wien

2006-2007

Aida

Radames

Deutschlandtour

Sommer 2007

Hair

Claude

Amstetten

2007-2008

Wicked

Fiyero

Palladium Theater Stuttgart

2008-2010

Schuh des Manitu

Ranger

Theater des Westens Berlin

2010

Best of Musical

Solist

Deutschlandtour

2010

We will rock you

Galileo Figaro

Apollo Theater Stuttgart

2011

We will rock you

Galileo Figaro

Theater des Westens Berlin

2011-2012

Elisabeth

Tod

Deutschlandtour

2012-2014

Elisabeth

Tod

Raimund Theater Wien

2013-2014

Jesus Christ Superstar

Jesus

Oper Bonn

2014-2016

Artus – Excalibur

Lancelot

Theater St. Gallen

2014-2015

Elisabeth

Tod

Shanghai und Deutschlandtour

2015-2016

Mozart!

Fürst Colloredo

Raimund Theater Wien

2016

Tanz der Vampire

Graf von Krolock

Theater des Westens Berlin

Ab Herbst 2016

Schikaneder

Schikaneder

Raimund Theater Wien

Wenn man sich das so durchliest und bedenkt, dass Mark Seibert nebenher noch 3 Soloalben herausgebracht hat („Musicalballads Unplugged„, „Live in Concert“ und „With you“), das vierte Album gerade produziert, des Öfteren Solokonzerte gibt, bei diversen anderen Musicalkonzerten mitwirkt und seine Fans sehr fleißig über soziale Medien auf dem Laufenden hält, bekomme ich doch ein schlechtes Gewissen, dass ich das Schlafen noch nicht aufgegeben habe. Anders kann ich es mir nicht erklären, wie der Mann es schafft, dieses Arbeitspensum mit ständig neuen Rollen zu bewältigen. Mark Seibert hat im Musicalbereich eine beispiellose Karriere hingelegt, vor allem weil er von Anfang an nur in Hauptrollen zu sehen war und sich so ein lückenloser und bunt gemischter Lebenslauf bei fast keinem anderen Musicaldarsteller finden lässt. Hinzu kommt, dass er trotz seines momentanen Star-Status die Bodenhaftung noch nicht verloren zu haben scheint, was ihn für mich unfassbar sympathisch macht.

Zuverlässigkeit in Person

Wie bereits erwähnt, ergeben sich zu Mark Seibert häufig Diskussionen. Bei keinem anderen Darsteller spaltet sich mein Freundeskreis so sehr wie bei ihm. Das rührt vor allem daher, dass ihn selbst Bekannte, die im Musicalfach nicht so bewandert sind, kennen und daher jeder mitreden kann, wenn es um ihn geht. Die meisten mögen ihn sehr gerne, weil er einfach diese unfassbar charismatische Art und eine Ausstrahlung hat, die im Gedächtnis bleibt. Andere sind ihm gegenüber äußerst skeptisch und finden ihn meist zu glatt und oft auch zu allgegenwärtig.

Über die Person Mark Seibert kann natürlich jeder sagen, was er will und auch, ob man seine Stimme mag oder nicht, ist Geschmackssache. Jedoch habe ich ihn inzwischen in so vielen unterschiedlichen Rollen gesehen, dass ich verstehe, warum er immer wieder in großen Produktionen besetzt wird.

© Juliane Bischoff
© Juliane Bischoff

Die Leistungen von Mark Seibert sind immer auf qualitativ hohem Niveau und ich habe bei ihm noch nie einen „schlechten Tag“ oder auch nur einen verirrten Ton entdecken können. Man kann sich bei ihm einfach darauf verlassen, dass er seine Rolle gut spielt und singt, was sowohl das Publikum als auch das Team hinter einem Musical schätzen. Nun habe ich bei Rollen wie Galileo Figaro in „We will rock you“ oder Graf von Krolock in „Tanz der Vampire“ bestimmt erstmal keine Freudensprünge gemacht, als bekannt wurde, dass er diese Rollen übernimmt. Ich muss auch sagen, dass er in diesen Parts wohl niemals mein Lieblingsdarsteller wird, aber ich konnte mich bisher immer darauf verlassen, dass er die Rolle nicht verdirbt, sondern dass ich anschließend zufrieden nach Hause gehen kann. Und das ist, was ich besonders an ihm als Darsteller schätze: Dass er immer eine professionelle und mindestens gute Leistung abliefert. Und das ist in der Musicalszene, in der oft Rollen mit Publikumslieblingen besetzt werden, auch wenn sie noch so schlecht passen, einfach keine Selbstverständlichkeit.

© Stage Entertainment
© Stage Entertainment

Alleine aus diesem Grund hinkt der Vergleich mit Uwe Kröger schon etwas, da dieser zwar auch zu einem bestimmten Punkt seiner Karriere die Rollen „nachgeworfen“ bekam, jedoch stimmlich vor allem in Rollen wie dem Phantom der Oper in Essen und dem Grafen von Krolock auf diversen Konzerten (bis zum richtigen Grafenschloss hat er es zum Glück nie geschafft) eher enttäuschte. Zudem beherrscht Mark Seibert seine Stimme besonders in den gefühlvollen, ruhigen Tönen nahezu perfekt und mit einer natürlichen Leichtigkeit, weswegen ich mir nicht vorstellen kann, dass seine Stimme jemals so leidet wie jene von Herrn Kröger. Wenn man dann noch die Haarfarbe und die gleichen Rollen in Stücken von Michael Kunze und Sylvester Levay abzieht, bleiben nicht mehr viele Faktoren über, die beide gemeinsam haben.

Frauenversteher

Wie bereits erwähnt, kann ich mit ihm trotz allem nicht viel in Stücken wie „Tanz der Vampire“ oder „We will rock you“ anfangen, da es für solche Stücke einfach zu viele Darsteller gibt, die mit ihrer Stimme besser in diese Rollen passen. Ganz anders verhält es sich natürlich mit Rollen wie Fiyero, Radames oder dem Tod in Elisabeth, da er auf die Rolle des Frauen-Eroberers und Retters passt wie die Faust aufs Auge. Ich habe Mark Seibert zum ersten Mal als Fiyero in „Wicked“ gesehen und war sofort hin und weg. Natürlich zum einen wegen der Darstellung und zum anderen, weil ich einfach ein Mädchen bin und er aussieht wie Herkules mit Blend-a-med-Lächeln. Und die Aussage, dass Frauen nicht auf Muskeln stehen, ist die größte Lüge, die jemals auf der Theaterbühne ausgesprochen wurde.

Als er zum ersten Mal die Rolle des Tods in Elisabeth im Jahr 2011 übernahm, hatte ich das Gefühl, dass diese Rolle eigentlich seit Jahren nur auf ihn gewartet hat. Die vorherigen Besetzungen hatten mich nie angesprochen oder zu 100 Prozent überzeugt. Mit Mark Seibert hatte ich daher endlich meine Idealbesetzung für den Tod gefunden, da er mich sowohl optisch als auch gesanglich restlos überzeugte. Und in dieser Rolle konnten selbst die größten Skeptiker noch nichts zum Aussetzen finden. Ich freue mich daher immer, wenn er wieder zu dieser Rolle zurückkehrt, jedoch auch wenn ich höre, dass er mal wieder die Hauptrolle für eine neue Produktion übernimmt. Manchmal freue ich mich mehr, manchmal auch weniger, aber bei Mark Seibert kann ein Produzent grundsätzlich nicht verkehrt liegen, wenn er ihn ins Boot holt.

With you - Musicalhits the unusual way

Price: EUR 18,99

4.6 von 5 Sternen (6 customer reviews)

14 used & new available from EUR 8,78

Beitragsbild: © Herwig Prammer

TEILEN
Vorheriger ArtikelNews: Die ersten Bilder zur Neuverfilmung der „Rocky Horror Picture Show“ sind da
Nächster ArtikelNews: US-Produktion von „Into the Woods“ kommt nach London
Nadine Jobst
"What if life were more like theatre? Wouldn't that be grand?" - (Neil Patrick Harris)

Lieblings-Musical(s): „Wicked“, „Pippin“, „Hamilton“
Lieblings-Komponist: Stephen Schwartz
Lieblings-Texter: Lin-Manuel Miranda
Musical-Fan seit:„Wicked“ (Stuttgart)
An Musicals fasziniert mich: Like a handprint on my heart... Dass mir Musik ein unbeschreibliches Gefühl, mir Texte eine wilde Idee und mir eine schlichte Inszenierung einen Gedanken geben können, welche mich aus dem Theater hinaus in den Alltag begleiten.