Der Pöbel wird kreativ! Wenn es den großen Musical-Produzenten des Landes nicht mehr gelingt, neue Stücke zu entwickeln und stattdessen immer das Gleiche von Nord nach Süd und West nach Ost rotiert wird (Gähn!), sehen wir es als unseren journalistischen Auftrag, neue Impulse für das Land zu setzen. Und ganz ehrlich: Wenn ein Boxer anfängt zu singen, Fußballer tanzen und sogar ein Udo Lindenberg-Musical erfolgreich sein kann, dann ist doch wirklich alles möglich. Hier unsere (nicht ganz so ernst gemeinten) Vorschläge für mehr Musical-Vielfalt in Deutschland.

All die großen Popsternchen haben doch ihre Musicals. Queen, ABBA … dann noch die große Anzahl dubioser Musicals, die nur bekannte Hits aneinander reihen und mit Handlungen auftrumpfen, die in jedem Madonna-Musikvideo dramaturgisch ausgefeilter sind. Und ja, sogar die deutschen Helden! Die beiden Udos! Doch was ist mit den wirklichen, wirklichen, wirklichen Lieblingen der Deutschen unter 50? Bevor es aber dazu kommt, dass The BossHoss ihr „Dos Bros“-Musical auf die großen Bühnen zwischen Wanne-Eickl und Castrop-Rauxel bringen – natürlich mit all ihren „SmS“-Freunden (die Sendung, nicht den Nachrichtendienst, den kaum einer mehr nutzt) – brauchen wir aber dringend:

Vol. 2: Helene Fischer – das Musical

Alles ist dunkel im Saal. Nur ein einzelner Scheinwerfer fängt eine kecke Blondine ein. Sie ist hübsch, nicht hübsch genug für ein „Vogue“-Cover, aber egal, sie ist hübsch und passt in das rote Minikleid. Sie stolpert auf ihren High Heels. Was für ein Tollpatsch – wie liebenswert! Langsam erkennt man eine Großstadt im Hintergrund. Man kann nicht sagen, ob es Köln oder Bielefeld ist. Auf jeden Fall blinken inzwischen mehr Lichter. Ein paar Backgroundtänzer shaken.

Die ersten Töne wabern durch den Raum. Ist das etwa … die große Nummer? Sollte man sich den nicht bis zum Schluss aufsparen? Nein, sonst langweilen sich die Leute, überhaupt wird der sowieso noch einmal zur Zugabe gespielt, also. Und die Wirkung folgt prompt, die Leute klatschen unrhythmisch, manche stehen sogar gleich auf, und während ein bisschen im Chor mitgesungen wird, stolpert die Hauptfigur ein wenig weiter. Sie beginnt mit dünner Stimme zu singen, fast, als wäre sie der Ohnmacht nah, weil ihr Leben so glanzvoll ist: „Wir zieh‘n durch die Straßen und die Clubs dieser Stadt, das ist uns‘re Nacht, wie für uns beide gemacht, oho oho …“

Im nächsten Moment fliegt die Blondine durch die Lüfte. Oder so. Zwei Tänzer heben sie jedenfalls hoch, das gefällt. Um den Bogen zu finden, wird als nächstes „Es gibt keinen Morgen danach“ folgen, klar, und am Bühnenrand steht ein Chippendale. Eine Handlung wird schnell gefunden für das Görl. Wie wäre es mit einer Dreiecksgeschichte? Mann, wird das ein Erfolg! Und nicht zu vergessen, die Fischer, die macht doch so Akrobatiksachen, fast genau wie P!nk – hmm, woran das wohl liegen könnte, eventuell am fehlenden Copyright. Wenn wir die Hauptdarstellerin trotzdem nochmal so richtig fliegen lassen, so gegen Ende zu … vielleicht von beiden Männern getrennt? Weil Powerfrau und so?

Hmm, zu progressiv. Zum Finale holen wir einfach noch mal den Chippendale, ja, genau. Regie führen kann dann ja Florian Silbereisen, der will sich mit seiner Volksmusikboygroup gerade eh selbst verwirklichen. Kosten sparen wir mit dem Bühnenbild von „Der Stadlshow“ und der Tatsache, dass es für die Art von Musik kein Orchester braucht, nur einen funktionierenden CD-Player. Das Problem: Wenn das Ganze total erfolgreich wird, wird die Michelle auch gleich angerannt kommen, und zwar mit Dieter Bohlen als Produzent und Vanessa Mai (die Schlagersängerin, nicht die Violinistin, duh) in der Hauptrolle … ach, egal, das spült Geld in die Kassen! Wenn ein Boxer singen kann, dann auch die Fischer. Tony, wir kommen!

Lust auf noch mehr erfolgversprechende Musical-Ideen? Wie wäre es mit „Mallotze – das Musical“? Mehr hierzu unter:
http://kulturpoebel.de/2016/04/die-schraegsten-musical-ideen-vol-1-mallotze-das-musical/