Der Zeltpalast Merzig ist trotz erfolgreicher Showproduktionen und teilweise großem Staraufgebot in den letzten Jahren immer noch ein Geheimtipp unter Musicalliebhabern im Südwesten. Einen weiteren Beweis, dass man für eine exzellent inszenierte Broadway-Unterhaltungsshow nicht in einen Flieger zum Big Apple steigen muss, erbringt das Merziger Produktionsteam mit der schwungvollen deutschen Erstaufführung des Dolly-Parton-Musicals „9 to 5”.

Merzig: Eine saarländische Kleinstadt mit 30.000 Einwohnern. Und während in anderen Kleinstädten Deutschlands Theater schließen oder große Einsparungen vornehmen müssen, baut Merzig 2012 die größte freistehende Zeltbühne Europas, den Merziger Zeltpalast mit Platz für 1000 Zuschauer. Und während die Stadttheater im August und September in der Sommerpause sind, zeigt Merzig mit namhaften Künstlern und aufwändiger Umsetzung 2012 „Hairspray”, 2013 „Cabaret”, 2014 „The Addams Family” und 2015 „La Cage Aux Folles”. 2016 ist wieder Broadway in Merzig: Die deutsche Erstaufführung von „9 to 5 – Warum eigentlich bringen wir den Chef nicht um?” ist vom 12.8. bis 18.9.2016 zu sehen.

Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Film von 1980. In den Hauptrollen entführen hier Dolly Parton, Lily Tomlin und Jane Fonda ihren unausstehlichen Chef. Broadway-Premiere des Musicals mit Buch von Patricia Resnick und Musik von Dolly Parton war im April 2009, doch das Stück lief dort aufgrund geringer Verkaufszahlen nur bis 2010. Auch in Merzig sind noch Plätze zu haben.

Ausstieg aus Unterdrückung am Arbeitsplatz leicht und bunt präsentiert

Der Plot der Komödie ist genregemäß simpel und von realistischer Entwicklung weit entfernt. Die sexuelle und finanzielle Diskriminierung der drei Hauptfiguren Violet, Judy und Doralee in einem amerikanischen Büro Ende der späten 1970er wird zum Anlass für ausschweifende Rachephantasien und schließlich die Entführung des Chefs.

Dass das Publikum die Erniedrigung von Mister Hart sichtlich genießt, mit Lachern und Applaus quittiert, kann wohl der Figurenzeichnung und Inszenierung zugesprochen werden: Zwar sind alle Charaktere typisiert und sprechen mit ähnlicher, amerikanischer Prosodie, jedoch trägt vor allem der erste Teil des Stücks zur Etablierung der Personen, ihrer Geschichte und der dreisten Büroschikanen, denen sie ausgesetzt sind, bei und lässt den empathischen Zuschauer entsprechend mitleiden: Judy durchlebt Betrogenwerden und Scheidung zeitgleich mit ersten Schritten auf dem Arbeitsmarkt; Violet ist seit Jahren Witwe, alleinerziehende Mutter und hochqualifizierte, jedoch unterbezahlte Büromitarbeiterin; Doralee wird aufgrund ihres puppenhaften Äußeren von den Kolleginnen abgelehnt: Die Frauen agieren zunächst vor allem gegeneinander, grenzen einander aus und verbreiten die Affärengerüchte, die Chef Hart über sich und die freizügig gekleidete Doralee in die Welt setzt.

Um seiner Mitarbeiterin Doralee besser großgestig unter den Rock schauen zu können, lässt Hart, sie sogar auf eine Leiter steigen. Foto: Rolf Ruppenthal
Um seiner Mitarbeiterin Doralee besser großgestig unter den Rock schauen zu können, lässt Hart sie sogar auf eine Leiter steigen. Den Widerling gibt Frank Winkels mit großer physischer Präsenz. Fotos: Rolf Ruppenthal

Hart ist ein Widerling, wie er im Buche steht. Nahezu alles, was er sagt, ist misogyn, sexualisiert, mitarbeiterfeindlich und in Männermetaphern gehalten. In seiner Sprachwelt geht es um „Eier”, „schwache Glieder” und „Frauen, die sich das Profil abgefahren haben”, seine Körpersprache ist geprägt durch breitbeinige Dominanzgebärden, stetiges Betatschen seiner Genitalien und dreiste Annäherungen vor allem an Doralee, die er – trotz ihrer eindeutigen Ablehnung seiner plumpen Avancen – sogar auf eine Leiter steigen lässt, um ihr besser großgestig unter den Rock schauen zu können, bevor er sie auf den Boden und sich am Ende seines Songs „Ich und du” gegen ihren Willen auf sie wirft. Als er dann noch der allein erziehenden Violet erklärt, die Männer erhielten bessere Bezüge als sie, „weil sie ja eine Familie zu ernähren haben”, ist er beim Publikum gänzlich als bekämpfenswerter Antiheld etabliert. Frank Winkels überzeugt sowohl in den leider wenigen musikalischen Einsätzen als auch mit herrlich abscheulichem, weder sich selbst noch das Bühnenbild schonenden Schauspiel.

„Eine Chance” erschließt sich für die Zuschauer in der gleichnamigen Ballade, die sowohl solistische als auch dreistimmig verschachtelte Passagen enthält und zeigt, dass alle drei Frauen mit Unsicherheit kämpfen und diese hinter sich lassen wollen. Der Grundstein für einen Zusammenschluss und der Entschluss, die Geschicke selbst in die Hand zu nehmen, ist gelegt. Dem Humorfaktor der Show kommt nun zugute, dass das Trio sinnvolle Handlungsmöglichkeiten wie eine Beschwerde beim Betriebsrat oder Vorstandsvorsitzenden nicht in Erwägung zieht. Stattdessen führt ein ausgelassener Abend mit einem Joint – Was ist darin? Marie Johanna? Mariwaui? – zu einem exzessiven Triperlebnis voller sadistischer Erniedrigungs-, Bedrohungs- und Folterideen für den verhassten Boss. „Liegt es daran, dass ich ein sexistischer, egoistischer, engstirniger, verlogener Heuchler bin?” fragt Hart immer wieder und das Publikum freut sich über diese Selbsterkenntnis. Sichtlich genüßlich und glamourös wird die Retourkutsche zelebriert: Judy, Violet und Doralee jagen Hart in ihren glitzernden Revuekleidern, Wildwestoutfits und Schneewittchenkostümen zu den Salsa-, Country- und Kinderfilmklängen von „Der Tanz auf dem Grab”, „Cowgirls können sich wehren” und „Die Lösung” durch vielfältige Kulissen.

Gut und Böse sind eindeutig verteilt: Während die Widerlichkeiten des Chefs verurteilt werden, wird die Gewaltanwendung und Selbstjustiz durch die drei Opfer glorifiziert und pompös gefeiert.

Während ihres ziemlich psychedelischen Trips träumt Judy davon, Hart zu bedrohen, …
… Doralee unterwirft ihn in ihrer Vorstellung mit dem Lasso …
… und Violet sieht sich als Schneewittchen, das ihn mit Kaffee vergiftet. Fotos: Rolf Ruppenthal

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Frische Ästhetik übertrifft Broadway-Look

Das Bühnenbild in Merzig (Walter Vogelweider, Frank Steinmetz) verdient besondere Aufmerksamkeit. Nicht nur kann es mit der Optik kostspieliger Broadwayproduktionen mithalten, sondern der Vergleich der New Yorker Originalaufnahmen von 2009 mit dem Merziger Bühnenbild zeigt auch: Hier wurde das Original noch übertroffen und weiterentwickelt. Die fünfgeteilte Projektionsfläche im Hintergrund greift Symboliken aus Broadwayproduktion und Film wie Skyline, Wecker und Büroobjekte wieder auf, gibt ihnen insgesamt allerdings einen helleren, frischeren Anstrich. Die von Sönke Feick erdachten Projektionen sind durchgehend bereichernd, unaufdringlich und ästhetisch ansprechend, hin und wieder sorgt der Hintergrund sogar für kleine Gags und Besonderheiten, z.B. wenn der Eindruck entsteht, die Mitarbeiter führen im Fahrstuhl bis zur Spitze des Bürogebäudes oder wenn mit Farbrollen und Farbeimer auf den Projektionsflächen renoviert wird. Die Ausstatter eröffnen dem Publikum Zugang zu zahlreichen Räumen: Kopierraum und Chefzimmer, Großraumbüro und Privathaushalt, psychedelische Tripwelten mit Regenbogenfarben und Pilzlandschaft. Zusammen mit dem sehr stimmigen Einsatz von symbolträchtigem Büromobiliar und zahlreichen Requisiten trägt das gesamte Bühnenbild zum Sehvergnügen bei und entwickelt die comichaften Inszenierungsideen des 1980er-Films weiter. Dabei prägt in Merzig insbesondere der Eindruck, dass intensiv miteinander am Gesamtbild gearbeitet wurde: Auch die Choreographien (ideenreich: Danny Costello), die lustig, körperfroh, unbeschwert teils individualisiert oder höchst synchron anmuten, arbeiten mit den schieb- und rollbaren Bühnenelementen; sogar Umbauten sind sekundenschnell und elegant.

Mit viel Körpereinsatz entführt das Ensemble die Zuschauer in die bunte Rachestory. Das Bühnenbild greift optische Elemente des Hollywoodfilms auf und übertrifft die Broadwayproduktion in Sachen Frische und Kreativität. Foto: Rolf Ruppenthal/ 8. Aug. 2016
Mit viel Körpereinsatz entführt das Ensemble die Zuschauer in die bunte Rachestory. Das Bühnenbild greift optische Elemente des Hollywoodfilms auf und übertrifft die Broadwayproduktion in Sachen Frische und Kreativität. Foto: Rolf Ruppenthal

Auch Nebenrollen und Ensemble als Publikumslieblinge

Allgemein ist das Tanzensemble wendig, präzise, enthusiastisch und zeigt Mut zum Witz. Egal ob in der Eröffnungsnummer unter kurzen Morgenmänteln und Frotteetüchern die Pobacken (Christian Funk, Wolfgang Schwingler) hervorblitzen oder am Ende des Trips Tänzerinnen wie Tänzer im Tutu mit Bewegungen der rhythmischen Sportgymnastik in ihren Bändern verheddert sind: Immer sind es das Können und die Spielfreude des achtköpfigen Tänzerteams, die – auch noch bis zur Zugabennummer – für gute Laune im Publikum sorgen.

Dazu tragen auch die zahlreichen Kostüme und Requisiten nicht unerheblich bei. Aufwändige Herzbuben-Karten mit Harts Portrait und Posergesten auf der Rückseite zieren z.B. die Nummer „Roz und Hart”, zu der es keine Filmvorlage gibt.

Die Szene ist insofern eine Weiterentwicklung im Vergleich zum Film, da die Rolle der Roz Keith um eine bedeutende Facette ausgebaut wird. Während sie im Hollywoodstreifen lediglich als übereifrige Informantin die Mitarbeiterinnen belauscht und deren Geheimnisse in die Chefetage trägt, ergänzt die Musicalbearbeitung ein pikantes Motiv für ihre treuen Dienste: Was bisher hinter biederer Fassade und grauem Bleistiftrock versteckt blieb, ist Roz’ heimliche Leidenschaft für Hart, ihr Traum von einer erotischen Affäre mit dem Chef, der sie zum „heißen Hasen” werden lässt. Stimmgewaltig und mit Mut zur expliziten Frivolität findet April Hailer den richtigen Grad von origineller Tabuüberschreitung und bringt das Publikum im Zeltpalast zum Toben. Auch die Kostümabteilung unter Leitung von Ulli Kremer beweist nicht nur hier ein sicheres Gespür für Stil und Stilbrüche.

Heißer Hase
Mut zur perfekt dosierten Frivolität: April Hailer bedient als Büroangestellte Roz die Klaviatur von zugeknöpft bis vulgär. Fotos: Rolf Ruppenthal

Ein weiterer Publikumsliebling unter den Nebendarstellern ist übrigens die alkoholabhängige Margaret (Fanny Hoffmann), die mit bestem  Comedytiming und Reibeisenstimme mit ihren Einzeilern Lachakzente setzt, wenn sie etwa davon erzählt, dass sie „auf Trinkdiät” ist.

Musikalisch schwungvoll, partontypisch  und mit ordentlich Druck nur leider reduziert live

Die Band unter der Leitung von Hans Christian Petzold liefert einen sehr transparenten, dynamischen Sound, der die Musik von Dolly Parton mit viel Schwung und ordentlichem Druck auf die Bühne bringt. Auch die kleinen und großen Ensembles vom Frauentrio („Du kannst es ändern”) bis zum vollen Cast („Tag für Tag”) zeichnen sich durch sehr ausgewogenes Klangbild und tolle Mischung aus. Sogar Büromaterial und Schreibmaschinen werden nicht nur choreographisch, sondern auch musikalisch-rhythmisch gekonnt einbezogen („Ist das klar”). Enttäuschend ist dann allerdings – nicht erst beim Schlussapplaus –, dass statt der vorgesehenen Besetzung die diversen Holz- und Blechbläser sowie Percussions und eine Gitarre eingespart wurden und lediglich die Rhythmusgruppe mit zwei Keyboardern, Bass, Gitarre und Drums Livemusik produziert, während die fehlenden Instrumente vom Band dazukommen. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass die Balance zwischen Band und Solisten manchmal nicht so ganz stimmt, was zu Lasten der Textverständlichkeit geht.

Am Gute-Laune-Gefühl des Abends hat die Musik einen entscheidenden Anteil. Diese Grundstimmung nimmt nur manchmal auch etwas Ausdruck aus eigentlich ernster angelegten Szenen, wie etwa in „Blonde Bauern-Barbie”. Doralee vertraut Judy in dieser Nummer an, dass sie darunter leidet, als Plastikpüppchen abgestempelt zu werden (nachdenklich und stimmschön dargestellt von Sarah Bowden), doch der Song, der nach Line-Dance und Westernsaloon klingt, transportiert musikalisch eher Belanglosigkeit als ernsthafte Offenbarung. Dass es auch anders geht, beweisen sowohl Score als auch Inszenierung von „Get out and stay out” (der deutsche Titel dieser grandiosen 11-Uhr-Nummer, hier auch stimmlich wie darstellerisch eindrucksvoll umgesetzt von Sabrina Harper, fehlt leider in der deutschen Songliste des Programmhefts), in der sich Judy auch im Privatleben selbstbewusst aus der Rolle der hilflosen verlassenen Frau und von den Manipulationsversuchen ihres Ex-Mannes befreit.

Musik + Thater Saar: "9-t0-5" - Zeltpalast Merzig. Foto: Rolf Ruppenthal/ 8. Aug. 2016
Ex-Mann Dick will doch zu ihr zurück? In ihrer großen Divennummer gibt Sabrina Harper als Judy die passende Antwort: „Raus hier!“ singt sie aus vollem Herzen und vollführt für ihre Rolle damit auch einen privaten Befreiungsschlag. Foto: Rolf Ruppenthal

Dieser Song ist ein echter Ohrwurmkandidat, neben dem schon aus dem Film bekannten Opener („Tag für Tag”, im Film „9 to 5”) allerdings auch der einzige. Mit Ausnahme der „Joint-Sequenz”, in der auch andere Stile zum Einsatz kommen, dominiert der partontypische Countrysound. Die meisten Songs ähneln sich daher zumindest beim ersten Hören und sind gleichzeitig so textbeladen, dass sie wenig in Erinnerung bleiben.

„Tu was! Versuch was! Es wird sich was ändern, wenn du’s machst!”

Durch unglückliche Zufälle und Verwicklungen – die im Vergleich zum Film angenehm gekürzt sind – werden die Gewaltphantasien des Frauentrios kurz vor Ende des ersten Akts Wahrheit: Plötzlich hängt der Chef entführt, gefesselt und geknebelt über seinem Bett und kann nicht mehr zu seinem Arbeitsplatz. An dieser Stelle gibt es ein einzelnes Fragezeichen bezüglich der Bühnendeko: Für wenige Sekunden sorgt ein weißes Laken für ein Schattenspiel des hängenden, zappelnden Chefs. Der Mehrwert dieses optischen Effekts bleibt offen, zumal das Tuch im Vergleich zur sonstigen Ausstattung einen provisorischen und eher undurchdachten Eindruck hinterlässt. In der Pause hat das Publikum Gelegenheit, darüber zu spekulieren, wie Doralee, Violet und Judy aus dieser scheinbar ausweglosen Situation herauskommen können. „Warum führen wir das Büro nicht so, wie wir es wollen?” fragen sich die Frauen und starten eine umfangreiche Revolution am Arbeitsplatz: Eine Kinderkrippe wird eingerichtet, Arbeitsteilung eingeführt, Teamgefühl entsteht.

Violets Vorstellung von beruflichem Erfolg als Frau: Magazincover, Powerpose und acht tanzende Männer. Foto: Rolf Ruppenthal

Starke Bilder kreieren hier Projektionen von Magazincovern von „newsweek” und „Times” Magazine, die zeigen, wie schlagzeilenträchtig es Violet vorkäme, wenn sie als Frau Chefin einer Firma wäre. Das weltbekannte Poster „We can do it!”, welches eine Arbeiterin mit rotem Kopftuch und blauem Overall zeigt und ursprünglich im 2. Weltkrieg die Arbeitsmoral in der Bevölkerung heben sollte, dann aber Sinnbild der feministischen Bewegung der 1980er wurde, wird hier projiziert und in den Kostümen des Tanzensembles verstärkend fortgesetzt. Violet tritt in der Nummer „Sie spielt mit den Jungs” als Geschäftsfrau im weißen Hosenanzug mit mobiler Showtreppe/Karriereleiter auf. Edda Petri verleiht Violet wie schon im ersten Akt eine konzentrierte, kompetente und selbstbewusste Ausstrahlung und liefert eine stabile Gesangsleistung in allen Konstellationen. Im Duett „Glaub dran” zeigt sich dies auch mit ihrem jüngeren Kollegen und Verehrer Joe (Benjamin Sommerfeld). Diese Rolle wurde für das Musicalskript der Filmhandlung hinzugefügt. Er unterstützt die Frauen dabei, die buchhalterischen Betrügereien des Chefs aufzudecken und zeigt, dass Violet, auch als Geschäftsleiterin und Chefentführerin, doch noch vor etwas Angst hat: dem Einlassen auf eine neue Beziehung.

Wie passt ein ernstes Grundthema zur Komödie?

Obwohl Diskriminierung und sexuelle Unterdrückung am Arbeitsplatz sicher nicht nur eine komödiantische Herangehensweise sondern auch ernste und kritische Aufarbeitung mit konstruktiven Emanzipationsstrategien benötigt, kann „9 to 5“ mit den Mitteln des Humors einen kleinen Beitrag leisten: Das Stück bietet ein Ventil dazu, die immernoch oft vorhandenen asymmetrischen Bürostrukturen zumindest wegzulachen, zeigt weibliche Identifikationsfiguren, die – wenn auch mit fragwürdigen Mitteln – ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, sich beruflich wie privat gegen schlechte Behandlung zur Wehr setzen und demontiert die Figur des Mister Hart als Stellvertreter für  machohafte Alphamänner. Gesellschaftlicher Wandel benötigt gelegentlich Humor als Zwischenstadium der Erkenntnis.

Das Produktionsteam um Joachim Arnold, Aysel Kahraman und Regisseur Alex Balga schafft es wieder einmal, großes Broadway-Flair ins kleine Merzig zu bringen. „9 to 5” bietet knapp drei Stunden exzellent gemachte Unterhaltung, nicht nur für Dolly Parton-Fans. Die nur halb verkaufte Vorstellung will dazu so gar nicht passen und es muss ausdrücklich empfohlen werden, sich einen Abend lang mit dem Merziger Ensemble in die temporeiche Bürowelt der späten 1970er und frühen 1980er Jahre zu begeben; die Möglichkeit dazu hat man noch bis zum 18.09.2016.

Mareike Hachemer und Thomas Wagner

Welt-Premiere: 30.04.2009 (Marquis Theater, New York City)
Premiere Merzig: 12.08.2016 (Zeltpalast Merzig) [Deutschsprachige Erstaufführung]
Besuchte Vorstellung: 20.08.2016
Buch: Patricia Resnick
Deutsche Übersetzung: Kevin Schroeder
Musik/Lyrics: Dolly Parton
Musikalische Leitung: Hans Christian Petzold
Regie: Alex Balga
Produktionsleitung: Aysel Kahraman
Choreographie: Danny Costello
Bühne: Walter Vogelweider
Kostüme: Ulli Kremer
Perücken / Make-Up Design: Tiiu Luht
Videodesign: Sönke Feick

Besetzung: Sabrina Harper (Judy Bernly), Sarah Bowden (Doralee Rhodes), Edda Petri (Violet Newstead), Frank Winkels (Franklin Hart, Jr.), April Hailer (Roz Keith), Benjamin Sommerfeld (Joe), Katrin Merkl (Missy/Candy Striper), Marcella Adema (Maria), Jane-Lynn Steinbrunn (Kathy), Fanny Hoffmann (Margaret), Wolfgang Schwingler (Dick),  Christian Funk (Dwayne), Benjamin A. Merkl (Josh/Tinsworthy), David Lake (Bob Enright/Doctor).

Band: Hans Christian Petzoldt (Leitung, Keyboard 1), Manuel Krass (Keyboard 2), Daniel Weber (Drums), Jochen Lauer (Bass), Thomas Wainer (Gitarre).

Vorstellungen im Zeltpalast Merzig: 12.08.2016 bis 18.09.2016

Tickets gibt es hier.