Die schräge Suche nach dem heiligen Gral hält momentan im ganzen deutschsprachigen Raum Einzug und lässt auf seinem Siegeszug immer weniger Stadttheater aus. Die Produktion im Salzburger Landestheater sticht jedoch dank Uwe Kröger und Pia Douwes in den Hauptrollen aus der Masse deutlich hervor und setzt im wahrsten Sinne des Wortes allem noch die Krone auf.

Anna Maria Löffelberger
© Anna Maria Löffelberger

Es gibt wahrlich nicht viele Werke, welche sowohl die ältere als auch die jüngere Generation restlos begeistern. So geschehen bei der Premiere von Monty Pythons Musical „Spamalot“ in Salzburg. Sowohl dem älteren Herrn neben mir als auch der Truppe junger Männer vor mir war die Freude über so viel sinnlosen Blödsinn und schwarzen Humor der britischen Komikergruppe von Anfang bis Ende merklich anzusehen. Der Humor von Monty Python ist zeitlos und der Grund, warum „Das Leben des Bryan“ und „Die Ritter der Kokosnuss“ auch heute noch – 40 Jahre nach ihrer Veröffentlichung – funktionieren und ein ganzer Theatersaal beschwingt und glücklich pfeifend nach Hause geht.

„Spamalot“ ist die „Vermusicalung“ des Monty Python-Films „Die Ritter der Kokosnuss“ aus dem Jahr 1974 und zieht die Artus-Sage inklusive Schwert Excalibur und Schloss Camelot ordentlich durch den Kakao. Angefangen mit der Suche nach treuen Rittern für seine Tafelrunde, bekommt König Artus von Gott den Auftrag, den heiligen Gral zu suchen. Prompt macht er sich mit seinen neu akquirierten Rittern auf den Weg und steht dabei im Laufe der Handlung immer wieder vor neuen, mehr oder weniger schwierigen Herausforderungen.

Die hohe Wissenschaft des absoluten Blödsinns

Anna-Maria Löffelberger
© Anna-Maria Löffelberger

Ich kann nicht erklären, was den Humor von Monty Python ausmacht. Es ist totaler Blödsinn, es ist schwarzer britischer Humor vom Feinsten und es macht unfassbar viel Spaß. Ich verstehe absolut nicht, warum es funktioniert, aber es funktioniert. Noch besser läuft es auf der Bühne mit Musik, was sich wohl auch das ehemalige Mitglied von Monty Python, Eric Idle zusammen mit Neil Innes und John du Prez gedacht haben, als sie „Spamalot“ im Jahr 2004 im Sam-Shubert-Theatre (heute Bank of America Theatre) in Chicago zur Uraufführung brachten. Bereits kurz darauf wurde es an den Broadway transferiert und spielte dort vom 14. Februar 2005 bis zum 11. Januar 2009 im New Yorker Shubert-Theatre. Die Produktion brachte es auf über 1.600 Vorstellungen und heimste 14 Tony-Nominierungen ein, von denen es 3 Trophäen auch gewann („Bestes Musical“, „Beste Nebendarstellerin“ – Sara Ramirez und „Beste Regie“).

Seit der deutschen Erstaufführung in Köln im Jahr 2009 wurde das Stück schon in vielen Stadttheatern gespielt und tourte auch bereits durch den deutschsprachigen Raum, sodass das Stück nicht unbedingt ganz weit oben auf meiner Prioritätenliste stand. Als jedoch bekannt wurde, dass Uwe Kröger und Pia Douwes die Hauptrollen in Salzburg übernehmen würden, habe ich mich natürlich nicht zweimal bitten lassen.

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© Anna-Maria Löffelberger

Uwe Kröger war hierbei wohl eher die kleinere Überraschung, da er inzwischen fast schon zum festen Ensemble des Landestheater Salzburg gehört. Ich habe ihn mir vorher schon gut in der Rolle des König Artus vorstellen können und er hat meine Erwartungen fast noch übertroffen. Die Rolle des überdramatischen Königs, der sich selbst jedoch nicht allzu ernst nimmt, habe ich ihm voll und ganz abgekauft. Spätestens nach der großen Party, die er für seine Ritter zuhause in Camelot schmeißt und er mit Cocktail samt Schirmchen verkündet, dass alles, was in Camelot passiert, auch in Camelot bleibt, hatte er wohl auch den letzten Zuschauer im Saal auf seiner Seite.

Dass man wohl früher oder später auch Pia Douwes nach Salzburg holen kann, wenn man doch schon ihren guten Freund Uwe Kröger immer wieder beschäftigt, war zwar nur eine Frage der Zeit und doch ist es eine kleine Sensation, die fast zu wenig gewürdigt wird. Wien hat bei „Der Besuch der alten Dame“ immerhin fast sein ganzes Marketing-Konzept auf das Dream-Team Kröger/Douwes ausgerichtet. Als Fee aus dem See ist sie eine absolute Wohltat für Ohren und Augen. Gesanglich lässt sie wie immer keine Wünsche offen und auch ihr komödiantisches Talent kann sie hier voll ausleben.

The bright side of life

Auch das restliche Ensemble spielt mit einer solchen Freude und Begeisterung, dass man sich zeitweise fragt, wann hier das Schauspiel aufhört und der echte Spaß vor, auf und hinter der Bühne anfängt. Auch viele kleine und aberwitzige Einfälle wie die Emojis auf den Rüstungen oder die Tafelrunde, die eigentlich ein großes Trampolin ist, auf dem sich Uwe Kröger und Pia Douwes zeitweise wie kleine Kinder austoben, vermittelt eher den Eindruck als wäre ihnen das alles irgendwann mal während den Proben spontan eingefallen, ohne einen tieferen Sinn vermitteln zu wollen. Der Humor von „Spamalot“ will auch gar nicht irgendeinen tieferen Sinn in der Handlung vermitteln und braucht dies auch gar nicht, da auch so jede Pointe sitzt.

Anna-Maria Löffelberger
© Anna-Maria Löffelberger

Das Bühnenbild von Court Watson ist eher einfach gehalten, was allerdings perfekt zum Stück passt, und besteht nur aus einer Burgkulisse, hinter der die Big Band sitzt. Durch Nutzung der Drehbühne wird die Big Band auch des Öfteren in die Handlung integriert. Der dadurch folglich leere Orchestergraben wird mit Hilfe einer Hebebühne voll ausgenutzt und das Bühnenbild dank der schillernden Kostüme und der einfallsreichen Requisiten noch zusätzlich aufgewertet.

Ich kann diese Produktion von „Spamalot“ wirklich nur wärmstens weiterempfehlen und jedem raten, noch schnell nach Salzburg zu galoppieren, selbst wenn ihr glaubt, schon genug „Schwanzus Longus“-Witze gehört zu haben. Und nein, so seltsam es klingt, man kann nie genug „Schwanzus-Longus“-Witze hören!

Monty Python's Spamalot

Price: EUR 12,99

4.3 von 5 Sternen (10 customer reviews)

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Uraufführung: 09.01.2005 (Shubert Theatre, Chicago, heute Bank of America Theatre)
Broadway-Premiere: 17.03.2005 (Shubert Theatre, New York)
Besuchte Vorstellung: 18.09.2016 (Landestheater Salzburg)
Musik: Eric Idle, John Du Prez, Neil Innes
Lyrics: Eric Idle
Übersetzung: Daniel Große Boymann
Buch: Eric Idle
Regie: Andreas Gergen
Choreographie: Kim Duddy
Musikalische Leitung: Peter Ewaldt
Bühnenbild: Court Watson
Besetzung: Uwe Kröger (König Artus), Pia Douwes (Fee aus dem See), Elliott Carlton Hines (Patsy) Julian Looman (Sir Dennis Galahad), Marc Seitz (Sir Robin), Sascha Oskar Weis (Sir Lancelot), Axel Meinhardt (Sir Bedevere), Marco Dott (Historiker)

Tickets und weitere Infos findet ihr hier.

Beitragsbild: © Anna-Maria Löffelberger

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Nadine Jobst
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An Musicals fasziniert mich: Like a handprint on my heart... Dass mir Musik ein unbeschreibliches Gefühl, mir Texte eine wilde Idee und mir eine schlichte Inszenierung einen Gedanken geben können, welche mich aus dem Theater hinaus in den Alltag begleiten.