Der gebürtige Fuldaer wird schon seit 2009 in klassischem Gesang unterrichtet, zunächst von Brigitte Groß-Feldmann in Fulda und anschließend im Rahmen des Bachelor und Master of Education Musik und Geschichte bei Hans-Christoph Begemann an der Hochschule für Musik Mainz. Seine Kenntnisse im Breich des Jazz und Popgesangs erweitert er seit diesem Jahr bei Alexander Gelhausen. Durch sein Engagement bei der Musical Inc. in Mainz konnte Lukas umfassende Bühnenerfahrung sammeln. Dort war er als Moritz Stiefel in „Frühlings Erwachen“ (2012), Buddy Foster in „Side Show – Die Show ihres Lebens“, Aaron Fox in „Curtains – Vorhang auf für Mord“ (2014), Frederick Frankenstein in „Frankenstein Junior“ (2015) und Benny in „In the Heights“ (2016) zu sehen. Bei den Produktionen von „Frankenstein Junior“ und „Curtains“ fungierte er außerdem als musikalischer Leiter und übernahm bei „In the Heights“ das Vocal Coaching. Gerade hat er gemeinsam mit Laura Heinz seine erste CD namens „Moments“ veröffentlicht. In der Bremer Produktion von „tick…tick…BOOM!“ übernimmt er nun die Rolle des Jon.

KULTURPOEBEL: Du spielst Jon, die Hauptrolle in dem Musical „tick…tick…BOOM!“. Wie würdest du seinen Charakter beschreiben? Inwiefern identifizierst du dich mit ihm bzw. der Situation, in der er sich befindet?

Lukas Witzel: Jon ist ein Künstler, der einerseits in der Kunst aufgeht, aber gleichzeitig hier und da an ihr verzweifelt. Er versucht – trotz mancher Unwegsamkeiten in seinem Leben – an seinen Träumen festzuhalten. Genau das finde ich so bewunderns- und nachahmenswert an ihm. Im Leben eines aufstrebenden Künstlers ist nicht immer jeder Schritt ein Selbstläufer und man braucht einiges an Durchhaltevermögen, wenn es mal nicht so glatt läuft. Da ich erst 24 bin, noch etwas Zeit bis zu meinem 30. Geburtstag habe und bis dahin auch noch den ein oder anderen Traum in Angriff nehmen möchte, bin ich noch nicht so deprimiert wie Jon es in schlechten Momenten ist. Dennoch steht auch für mich die Frage nach verschiedenen Zukunftsperspektiven öfter mal auf dem Programm, was mir hilft, sein Handeln in diversen Momenten nachzufühlen.

KULTURPOEBEL: Dein Engagement bei „tick…tick…BOOM!“ ist sehr spontan zustande gekommen. Was hat dich an dem Projekt so gereizt, dass du relativ kurz vor der Premiere noch eingesprungen bist?

Lukas Witzel: Nachdem ich nun einige Jahre in Mainz Musicalerfahrung bei der Musical Inc. sammeln durfte, reizt mich der Gedanke, in einer anderen Stadt und mit anderen musicalbegeisterten Menschen ein Projekt zu verwirklichen. Davon abgesehen ist die Rolle und das gesamte Stück jede Anstrengung wert. Die Musik und die Story haben mich sofort überzeugt. Obendrein finde ich es überaus spannend, ein Stück mit nur 3 Darstellern zu verwirklichen, nachdem ich bisher stets mit 40 weiteren Darstellern performt habe. Bis zur Premiere ist jetzt noch einiges zu tun, aber ich denke, dass ich es mit Hilfe des gesamten Teams schaffen werde, die Rolle bis zur Premiere zu verinnerlichen.

KULTURPOEBEL: Du hast eine bemerkenswerte Gesangsausbildung genossen und bereits in vielen Musicals mitgewirkt. Was fasziniert dich besonders an dem Genre Musical?

Lukas Witzel © KULTURPOEBEL.de / Lennart Schaffert
Lukas Witzel © KULTURPOEBEL.de / Lennart Schaffert

Lukas Witzel: Musical ist ein Genre für nahezu jedermanns Geschmack, ohne einfach gestrickt daher zu kommen. Die Kombination aus interessanten Geschichten und mitreißender, teils höchst komplexer musikalischer Komposition, gepaart mit ausdrucksstarken Choreographien fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Ganz besonders Musicals, die in Deutschland nicht so oft auf dem Spielplan stehen, reizen mich sehr, da ich glaube, dass das deutsche Publikum hier noch viel kennenlernen sollte. Ich bin froh, dass sowohl die Musical Inc. als auch KULTURPOEBEL.de hier eine ähnliche Meinung vertreten und sich an Musicals heranwagen, die den meisten Menschen in Deutschland kein Begriff sind. Das schönste Erlebnis ist immer, wenn jemand nach einer Show zu mir kommt und sagt: „Ich mag ja eigentlich Musicals gar nicht und habe mir auch noch nicht so viele angesehen. Aber das war echt sehr cool und ein tolles Erlebnis!“

 

KULTURPOEBEL: Welche Musical-Rolle würdest du gerne mal übernehmen?

Lukas Witzel: Das ist eine schwierige Frage! Mein Lieblingsmusical ist „Billy Elliot“. Für die Rolle des Billy bin ich allerdings viel zu alt und mir fehlen 20 Jahre Ballett-Ausbildung. Falls es eines Tages eine deutsche Version von „The Book of Mormon“ geben sollte, wäre die Rolle des Elder Price eine, die ich liebend gerne übernehmen würde.

KULTURPOEBEL: Du hast in diesem Monat zusammen mit Laura Heinz deine erste CD veröffentlicht. Wie kam diese zustande und werden wir dich in Zukunft auch öfter als Solo-Künstler außerhalb von Musical-Produktionen erleben?

Lukas Witzel: Die Tochter unserer Produzentin kennt uns bereits aus verschiedenen Opern- und Musical-Produktionen und hat uns ihrer Mutter empfohlen. Daraufhin wurden wir angefragt und haben diese Chance kurzerhand ergriffen. Die Arbeit mit Laura hat mir außerordentlich viel Spaß gemacht und auch die Zeit im Studio war eine tolle Erfahrung. Wenn sich in Zukunft wieder eine Gelegenheit bietet, ob Duett oder Solo, werde ich diese sehr gerne ergreifen. Als Solosänger war ich bereits seit meiner Jugend in meiner Heimat Fulda aktiv. Im Chor „Inspiration“ und im örtlichen Musikverein durfte ich schon früh Erfahrungen als Solosänger verschiedener Genres sammeln. Das hat mir immer viel Spaß bereitet und das werde ich auch in Zukunft nicht missen wollen, wenngleich meine Leidenschaft die Performance auf der Musicalbühne ist.

Das Musical „tick…tick…BOOM!“ läuft ab dem 7. Oktober 2016 im Bremer Schnürschuh Theater. Weitere Informationen und Tickets gibt es unter www.ticktick-boom.de.

Die Produktion wird mit freundlicher Unterstützung von WG-gesucht.de, RNO Bremen, Papa Türk und der Deutschen Hochschulwerbung durchgeführt.

Beitragsbild: © KULTURPOEBEL/Lennart Schaffert

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Marina Pundt

„After silence, that which comes nearest to expressing the inexpressible is music.“ – (Aldous Huxley)

Lieblings-Musical(s): „Hedwig and the Angry Inch“, „Next to Normal“, „American Idiot“, “Once”
Lieblings-Komponist: Jeder, der es schafft, mich mit seiner Musik zum Tanzen oder zum Weinen zu bringen. Oder beides gleichzeitig.
Lieblings-Texter: Stephen Trask
Musical-Fan seit: … ich entdeckt habe, dass es Musicals mit Tiefgang und Rock-Musik gibt.
An Musicals fasziniert mich: … wie Energie und Emotionen durch Musik, Schauspiel und Tanz von der Bühne in den Publikumsraum übertragen werden.