Tobias Goetz (rechts), geboren auf Rügen, spielt Klavier und Schlagzeug und entdeckte in der Schule seine Leidenschaft für Loriot-Sketche, die er dort regelmäßig aufführte. Neben diversen Auftritten als Gesangssolist, engagiert er sich außerdem bei den Bremer Gospelswingers sowie im Chor und im Orchester der Universität Bremen. Das letzte große Projekt, bei dem er in diesem Rahmen mitwirkte, war „Odysseus“ von Max Bruch. Tobias studiert aktuell Kommunikations- und Medienwissenschaften an der Universität Bremen und übernimmt in Jonathan Larsons tick…tick…BOOM!” im Bremer Schnürschuh Theater nun die Rolle des Michael.

KULTURPOEBEL: Tobias, „tick…tick…BOOM!” ist die erste Musicalproduktion, bei der du mitwirkst. Wie würdest du deine Erfahrungen bisher beschreiben?

Tobias: Für mich ist das alles total spannend! Ich habe mir vor „tick…tick…BOOM!“ oft gewünscht, einmal die Möglichkeit zu haben, in einem Musical mitzuspielen. Dementsprechend groß war die Freude, als es mit der Rolle des Michael geklappt hat. Als ich dann das erste Mal auf die anderen Mitwirkenden des Stückes traf, war ich anfangs etwas eingeschüchtert von deren Bühnenerfahrung. Aber mit Beginn der ersten Proben wich die Einschüchterung der Erkenntnis, dass ich die Erfahrung der Anderen für mich nutzen und eine Menge dazulernen kann. Nach den ersten szenischen Proben musste ich mir aber auch eingestehen, dass ich – was die Schauspielerei anging – noch einiges dazulernen muss. Denn auf der Bühne dauerhaft in eine bestimmte Rolle zu schlüpfen und diese mit all ihren Facetten durchzuziehen, ist nicht so einfach, wie ich mir das vorgestellt hatte. Ich glaube unsere Regisseurin ist mittlerweile aber ganz zufrieden mit mir.

KULTURPOEBEL: Deine Rolle Michael, Jons bester Freund, steht mit beiden Beinen fest im Berufsleben und hütet ein tragisches Geheimnis. Wie hast du dich darauf vorbereitet, diesen Charakter zu spielen?

Tobias spielt die Rolle des Michael ((c) KULTURPOEBEL/Lennart Schaffert)
Tobias spielt die Rolle des Michael ((c) KULTURPOEBEL/Lennart Schaffert)

Tobias: Michael ist mir in manchen Punkten gar nicht so unähnlich. Ich habe ihn von Anfang an gut verstanden und hatte daher auch schnell ein konkretes Bild von ihm. Aber es gibt auch Emotionen in ihm, die ich bei mir nicht finde – die versteckte Angst vor dem Tod zum Beispiel. Ich bin ein sehr angstfreier Mensch und konnte mich daher zu Beginn nur schlecht in die Emotion versetzen. Ich habe versucht, traurige Musik zu hören und melodramatische Filme zu gucken, aber es half nichts – ich selbst bin im Moment wohl einfach zu glücklich mit meinem Leben. Im Laufe der Proben gelang es mir aber nach und nach immer mehr, Michael zu werden und seine Ängste in mir zuzulassen. Ein weiterer Punkt, an dem ich noch arbeite, ist, Michael mehr als „Rampensau“ darzustellen. Vor meinen Freunden kann ich privat sehr gut aus mir rauskommen, vor einem fremden Publikum ist das jedoch etwas völlig anderes. Ich denke aber bis zur Premiere schaffen wir es, meine schüchterne Seite von der Bühne vertrieben zu haben.

 

KULTURPOEBEL: Wie würdest du die Beziehung zwischen Jon und Michael beschreiben?

Tobias: Jon und Michael kennen sich seit ihrer Kindheit und sind beste Freunde. Die Freundschaft hatte ihre Höhen und Tiefen, aber die beiden haben immer wieder zueinander gefunden. Während Michael schon länger einen gut bezahlten Job hat und aus der gemeinsamen WG auszieht, wartet Jon immer noch auf seinen großen Durchbruch als Bühnenautor. Michael macht sich sorgen, dass Jon irgendwann den Absprung verpasst und versucht daher immer wieder, ihn zu einem Job in seiner Firma zu überreden. Als Michaels Leben sich im Stück allerdings auf den Kopf stellt, ist Jon für ihn eine wichtige Konstante. Die beiden können einfach nicht ohne einander.

KULTURPOEBEL: Ist das Schauspielern und Singen eher ein Hobby für dich oder könntest du dir eine berufliche Zukunft im Musical- oder Theaterbereich vorstellen?

Tobias: Vorstellen kann man sich ja immer viel und natürlich klingt es großartig, dafür bezahlt zu werden auf einer Bühne zu stehen und zu singen. Ich bin da aber eher wie Michael und brauche Sicherheit und Kontinuität in meinem Leben. Mir immer wieder Engagements in neuen Städten zu suchen und von einem Casting zum anderen zu hetzen, stelle ich mir extrem stressig vor. Daher wird es für mich wohl eher ein Hobby bleiben.

KULTURPOEBEL: Bist du ein Musical-Fan? Wenn ja, welche sind deine Lieblings-Stücke? Welche Rolle würdest du gerne mal spielen?

Tobias: Ich glaube, der Ausdruck „Fan“ würde zu weit gehen, weil er für mich automatisch ein gewisses Vorwissen über die Musicallandschaft voraussetzt. Aber ich liebe die Kombination von Gesang und Schauspiel – egal ob auf der Bühne oder im Film. Und auch das Genre spielt bei mir keine Rolle. Im Moment gucke ich viele Opern, aber ich fiebere auch meinem ersten Besuch bei „Aladdin“ in Hamburg entgegen. Ich habe den Disney-Film als Kind schon geliebt und konnte alle Lieder auswendig mitsingen – das wäre also ein Kandidat für meine Traumrolle. Für mich ist es schwer, ein Lieblingsstück auszumachen, da mich oft auch nur einzelne Szenen eines Stückes total umhauen. Ich merke das dann immer daran, dass mir eine Gänsehaut nach der anderen über die Arme läuft. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir auf jeden Fall „Wicked“. Ich kannte immer nur einzelne Lieder des Musicals und musste tatsächlich Jahre abwarten, bis sich mir endlich die Gelegenheit bot, das Stück in London live zu sehen. Es war wundervoll – definitiv eines meiner Lieblingsmusicals!

Das Musical „tick…tick…BOOM!“ läuft ab dem 7. Oktober 2016 im Bremer Schnürschuh Theater. Weitere Informationen und Tickets gibt es unter www.ticktick-boom.de.

Die Produktion wird mit freundlicher Unterstützung von WG-gesucht.de, RNO Bremen, Papa Türk und der Deutschen Hochschulwerbung durchgeführt.

Beitragsbild: © KULTURPOEBEL/Marina Pundt

TEILEN
Vorheriger ArtikelVerhaltensregeln im Musical-Theater: Wenn Gäste sich daneben benehmen…
Nächster ArtikelNews: Londoner Cast von „School of Rock“ bekannt gegeben
Marina Pundt

„After silence, that which comes nearest to expressing the inexpressible is music.“ – (Aldous Huxley)

Lieblings-Musical(s): „Hedwig and the Angry Inch“, „Next to Normal“, „American Idiot“, “Once”
Lieblings-Komponist: Jeder, der es schafft, mich mit seiner Musik zum Tanzen oder zum Weinen zu bringen. Oder beides gleichzeitig.
Lieblings-Texter: Stephen Trask
Musical-Fan seit: … ich entdeckt habe, dass es Musicals mit Tiefgang und Rock-Musik gibt.
An Musicals fasziniert mich: … wie Energie und Emotionen durch Musik, Schauspiel und Tanz von der Bühne in den Publikumsraum übertragen werden.