Momentan erobert „Spamalot“ die Bühnen Deutschlands. Nun ist das herrlich-komische Musical von Monthy Python auch im Bremer FRITZ zu sehen und beweist sich in dieser kleinen Inszenierung als absolute Herausforderung für die Lachmuskeln.

In New York und London ein Hit, von Publikum und Presse gleichermaßen gefeiert, in Köln aber ein katastrophaler Flop. Einst sah es so aus, dass Monty Pythons „Spamalot“ in Deutschland keinen Fuß auf den Boden bekommen würde: Zu britisch der Humor, unmöglich zu übersetzen und einfach kein Stück für den durchschnittlichen deutschen Musical-Besucher. Was ensuite nicht funktionierte, entdecken nun immer mehr kleine Theater für sich – und das Publikum dankt es ihnen.

Die Ritter von Ni (Leoni Kristin Oeffinger, Dominik Müller, Sarah Fleige), König Artus (Martin Rönnebeck), Patsy (Pascal Jounais) © Thomas Holz
Die Ritter von Ni (Leoni Kristin Oeffinger, Dominik Müller, Sarah Fleige), König Artus (Martin Rönnebeck), Patsy (Pascal Jounais) © Thomas Holz

Denn was bei all dem Klamauk-Image häufig vergessen wird: „Spamalot“ ist ein wirklich fantastisches Musical-Juwel, das mit dem Tony Award in der Kategorie „Best Musical“ ausgezeichnet wurde und in insgesamt 14 Kategorien dieses weltweit wichtigsten Musical-Preises nominiert war. Dies ist eine beachtliche Ausbeute angesichts der großen Broadway-Konkurrenz und spricht dafür, dass dem Team rund um Eric Idle, John Du Prez und Neil Innes ganz große Musical-Unterhaltung gelungen ist.

Skurriler Humor, eingängige Melodien

Um dies gleich vorwegzunehmen: Wer mit Monty Python nichts anfangen und über keinen „Schwanzus Longus“- oder „Judäische Volksfront“-Witz lachen kann, sollte dieses Stück unbedingt meiden. Der Humor von Monty Python ist sehr speziell, aber für jene, die er erreicht, ist er einfach nur grandios. Monty Python spielt mit Klischees und geht humoristisch auch mal einen Schritt weiter, als es die Schmerzgrenze manchmal erlaubt, aber letztlich entfaltet sich so ein surreales und herrlich-verrücktes Treiben, das „Spamalot“ zu einem einzigartigen Musical macht. Ein Stück, das sich selbst nicht so ernst nimmt, das erste Musical wohl, bei dem es in einem Lied um das Lied selbst („The Song That Goes Like This“) geht oder sich die Hauptdarstellerin in ihrem großen Solo darüber beschwert, dass sie viel zu selten auf der Bühne ist. Die Handlung rund um König Artus und seine gralssuchende Tafelrunde ist absurd und und nimmt sich pausenlos selbst auf die Schippe.

von links: Sir Robin (Patrick Stauf), Tänzerin (Leoni Kristin Oeffinger), Patsy (Pascal Jounais), König Artus (Martin Rönnebeck), Die Fee aus dem See (Lena Wischhusen), Sir Galahad (Tim Reichwein), Tänzerin (Sarah Fleige) © Thomas Holz
von links: Sir Robin (Patrick Stauf), Tänzerin (Leoni Kristin Oeffinger), Patsy (Pascal Jounais), König Artus (Martin Rönnebeck), Die Fee aus dem See (Lena Wischhusen), Sir Galahad (Tim Reichwein), Tänzerin (Sarah Fleige) © Thomas Holz

Das Erfolgsrezept von „Spamalot“ liegt neben all dem Humor und den grotesken Einfällen (Killer-Karnickel und fliegende Kühe) wohl auch darin, dass der Score von Idle, Du Prez und Innes viele Ohrwürmer und ergreifende Melodien bereit hält. Neben dem großen Hit „Always Look On The Bright Side Of Life“ gibt es Showstopper wie „Find Your Grail“ oder „The Diva`s Lament“, eindrucksvolle Ensemblenummern wie „Knights of the Round Table“ oder stimmungsvolle Balladen („I`M All Alone“). Somit ist „Spamalot“ eben nicht nur ein verrücktes, sondern auch ein musikalisch gutes Musical.

Die Bühne des Fritz-Theater ist verglichen mit anderen Inszenierungen des Stückes eher klein, der Raum wird aber sehr funktional ausgenutzt. Zu erwähnen sind hier vor allem die großen LED-Wände, die mit ihren Projektionen eine stets passende Szenerie kreieren und nur um wenige Requisiten ergänzt werden. Mehr braucht es bei „Spamalot“ auch nicht, denn das Stück steht und fällt letztlich mit dem humoristischen und gesanglichen Talent seiner Darsteller. Und hier hat das FRITZ bei allen Rollen eine gute Wahl getroffen.

König Artus und seine Tafelrunde

Martin Christoph Rönnebeck gibt einen selbstsicheren Artus und kann mit seinem komödiantischen Timing und sicherer Stimmführung zu jedem Zeitpunkt überzeugen. Eine absolute Idealbesetzung!

Lena Wischhusen singt die Fee aus dem See mit kraftvoller Stimme und ist auch von ihrer Attitüde her eine überzeugende Leading-Lady.

Aus dem restlichen Ensemble sind noch Benedikt Ivo als herrlich-schwuler Herbert, Tim Reichwein als selbstverliebter Sir Gallahad, Patrick Stauf, der den Sir Robin mit sehr trockenem Humor gibt, Dominik Müller als Sir Lancelot und Pascal Jounais als Patsy zu nennen, die allesamt ihre große Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellen. Abgerundet wird die überzeugende Cast von Sarah Fleige und Leoni Kristin Oeffinger.

Tänzerin (Sarah Fleige), Sir Galahad (Tim Reichwein), Sir Lancelot (Dominik Müller), Prinz Herbert (Benedikt Ivo), Patsy (Pascal Jounais), Die Fee aus dem See (Lena Wischhusen), König Artus (Martin Rönnebeck), Sir Robin (Patrick Stauf), Tänzerin (Leoni Kristin Oeffinger) © Thomas Holz
Tänzerin (Sarah Fleige), Sir Galahad (Tim Reichwein), Sir Lancelot (Dominik Müller), Prinz Herbert (Benedikt Ivo), Patsy (Pascal Jounais), Die Fee aus dem See (Lena Wischhusen), König Artus (Martin Rönnebeck), Sir Robin (Patrick Stauf), Tänzerin (Leoni Kristin Oeffinger) © Thomas Holz

Die einzig nennenswerten Kritikpunkte an dieser Inszenierung sind die vor allem in den großen Ensemblenummern zu lauten Stimmen, die hätten etwas leiser abgemischt werden können und die fehlende Live-Band. Zwar wurden die Arrangements unter der Leitung von Martin Doepke schön eingespielt, aber dargeboten von einer Live-Band hätten die Kompositionen noch mehr Wirkung entfalten können.

Mit dieser Inszenierung von „Spamalot“ beweist das FRITZ, dass auf seiner Bühne auch großes Broadway-Theater möglich ist. Die Bühne wird zweckdienlich bespielt und die Darsteller interpretieren das Stück in bester Monty Python-Manier. Wer einfach einen lustig-skurrilen Abend angereichert mit großen Melodien verleben möchte, ist bei dieser soliden Inszenierung goldrichtig.

Vorstellungen im FRITZ Bremen: 30.09.2016 bis 28.01.2017
Für mehr Informationen und Tickets hier klicken.

Uraufführung: 09.01.2005 (Shubert Theatre, Chicago, heute Bank of America Theatre)
Broadway-Premiere: 17.03.2005 (Shubert Theatre, New York)
Besuchte Vorstellung: 01.10.2016 (FRITZ Bremen)
Musik: Eric Idle, John Du Prez, Neil Innes
Lyrics: Eric Idle
Übersetzung: Daniel Große Boymann
Buch: Eric Idle
Regie: Tim Reichwein
Choreographie: Sarah Fleige
Musikalische Leitung: Oliver Ahlbrecht, Lena Wischhusen
Digitale Musik: Martin Doepke
Bühnenbild, Kostüme, LED-Visuals: Christopher Kotoucek
Besetzung: Martin Christoph Rönnebeck (König Artus), Lena Wischhusen (Fee aus dem See), Pascal Jounais (Patsy) Tim Reichwein (Sir Dennis Gallahad), Patrick Stauf (Sir Robin), Dominik Müller (Sir Lancelot), Benedikt Ivo (Prinz Herbert u.a.), Sarah Fleige (Tänzerin), Leoni Kristin Oeffinger (Tänzerin)

Beitragsbild: © Thomas Holz

TEILEN
Vorheriger ArtikelReview: „Tanz der Vampire“ in München – This music was my first love…
Nächster ArtikelReview: „The Last Five Years“ in Frankfurt – Auch DAS ist Musical!
Stephan Huber
„Das Musical sollte alles sein, was es sein möchte. Wer es nicht mag, soll zu Hause bleiben.“ (Oscar Hammerstein II.)

Lieblings-Musical(s): „Once“, „Memphis“, „Hamilton” und der All-Time-Favorite: „Elisabeth“
Lieblings-Komponist: Lin-Manuel Miranda
Lieblings-Texter: Brian Yorkey
Musical-Fan seit: „Elisabeth” (Essen)
An Musicals fasziniert mich: Die Einheit von Story, Musik und Tanz. Musicals transportieren das, was Worte nicht mehr ausdrücken können. Ich brauche kein ausladendes Bühnenbild oder riesige Show-Effekte – eine leere Bühne, eine starke Stimme und ein ergreifender Song – DAS ist für mich das pure Musical-Theater.