Nach einer – keinesfalls überraschend – erfolgreichen Spielzeit im Berliner Theater des Westens gastiert die Tourversion von „Tanz der Vampire“ nun vom 5. Oktober 2016 bis 15. Januar 2017 im Deutschen Theater in München. Da München im Gegensatz zu den bekannten Vampir-Herbergen wie Berlin oder Stuttgart noch jungfräulich ist, was dieses Stück angeht, war die Premiere ein absolutes Highlight.

„Tanz der Vampire“ bezeichne ich immer gerne als meine erste große Liebe im Musiktheater. Unsere Trennung war zwar holprig, aber wir sind definitiv im Guten auseinandergegangen. Wenn ich von weiter Ferne höre, was mal wieder alles schief läuft, frage ich mich doch, wie ich mich überhaupt jemals so Hals über Kopf verlieben konnte. Vor allem, wenn ich sehe, was für andere großartige Musicals die Welt zu bieten hat. Doch dann treffen wir wieder zusammen und ich sitze im Theater und merke, wie sehr ich diese bombastische Musik von Jim Steinman liebe. Wie mir die Texte von Michael Kunze wieder genau ins Herz treffen. Und wie so viele Menschen um mich herum dieses Stück genauso vergöttern wie ich. Der Ausflug in die früheren, glücklicheren Zeiten hat mir gefallen und es hat gezeigt, dass zwischen uns immer mehr sein wird als eine schöne Erinnerung.

© Gert Krautbauer
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Das „Grusical“ über den Vampirforscher Professor Abronsius und seinen jungen Assistenten Alfred, die zusammen in Transsilvanien endlich auf das Ziel ihrer langen Reise stoßen und sich in einer turbulenten und witzigen Vampirjagd im Schloss des Grafen von Krolock wiederfinden, ist immer einen Besuch wert und hat seit seiner Uraufführung im Jahr 1997 im Wiener Raimund Theater einen wohlverdienten Kultstatus erreicht. Vor allem die Mischung aus Komödie, Drama und dem allzeit gegenwärtigen Gruselfaktor macht das Stück von Roman Polanski so einzigartig. Highlight der Show ist definitiv die Rock-Musik von Jim Steinman gepaart mit den intelligenten Songtexten von Michael Kunze, welche zwangsläufig dazu führen, dass man einen Suchtfaktor entwickelt.

Die gefürchtete Tour-Produktion

Wir haben bereits im Mai von der Tour-Produktion in Berlin berichtet (den Bericht von Rasmus findet ihr hier) und ich stimme in vielen, wenn nicht sogar in allen Punkten mit Rasmus überein. „Tanz der Vampire“ ist und bleibt ein wahres Juwel des deutschsprachigen Musicals und kein zweites Stück zieht die Massen mit solch einer Begeisterung in die Theater. Die Vampire sind seit ihrer Uraufführung vor 20 Jahren einfach nicht tot zu kriegen und in meinen Augen kann man sie nun auch getrost bis in alle Ewigkeiten spielen lassen, da selbst der letzte Todesstoß im Musical-Business dieses Stück nicht zerstören kann – gemeint ist die von mir gefürchtete Tour-Produktion.

© Eventpress
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Tour-Produktion bedeutet meistens: Gleiches Stück, kleineres Orchester, abgespecktes Bühnenbild – Und das alles zu gleichen Preise wie bei einer vollwertigen Produktion. Nun trifft das momentan zwar mehr oder minder auf „Tanz der Vampire“ zu, aber das Stück ist zum Glück stark genug, um diese Punkte auszugleichen. Und vorweg möchte ich gleich mal den größten Pluspunkt an München hervorheben: Die Ticketpreise. Ich kann mich wahrlich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal so niedrige Kartenpreise für ein Musical wie „Tanz der Vampire“ gesehen habe. Das Deutsche Theater in München wird im Gegensatz zu den Spielstätten von Stage Entertainment subventioniert und die Kartenpreise müssen daher zwangsläufig günstiger sein, jedoch hat es mich sehr überrascht, dass die Preisspanne zu den anderen Tour-Stationen so groß ist.

Zum Bühnenbild kann ich sagen, dass mir kaum ein Unterschied zu den bisherigen deutschen Produktionen seit Berlin 2006 aufgefallen ist. Die große Befürchtung der Fans, dass das Bühnenbild nur noch ein Schatten der eigentlichen Ausstattung ist, stellte sich schon im Theater des Westens als absolut unbegründet heraus. Hier ist vom Wirtshaus bis zum Schloss alles noch beim Alten geblieben. Beim Orchester kann ich allerdings wirklich nichts schön reden, da mit knapp 10 Musikern im Orchestergraben einfach sehr viel von der bombastischen Rock-Musik verloren geht und ich viel zu oft das Gefühl hatte, dass nicht das volle Potential ausgeschöpft werden konnte. Vor allem bei der Ausstattung und dem Orchester trauere ich dann doch wehmütig der Revival-Produktion in Wien (2009) hinterher, welche mit ein Hauptgrund ist, warum ich mit der etwas in die Jahre gekommenen, in Deutschland gespielten Ur-Produktion an sich nicht mehr viel anfangen kann.

Gräflein wechsle dich

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Bei der Besetzungswahl der Grafen mussten sich die Fans zum Glück noch nie Sorgen machen und dank der Abwechslung während der Tour sollte für jeden ein passender Graf dabei sein. Thomas Borchert übernimmt die Rolle des Krolocks für die erste Hälfte der Spielzeit in München. Er spielt die Rolle in einer Mischung aus Eleganz und Rockstar und nicht nur seine eingefleischten Fans haben ihn nach seiner gewohnt stimmgewaltigen Darbietung gefeiert. Mein einziges Problem mit Thomas Borchert ist, dass er es noch nie geschafft hat, mir das Herz zu brechen und bei „Die Unstillbare Gier“ will ich einfach, dass mir das Herz gebrochen wird. Allerdings ist das Jammern auf ganz hohem Niveau und hier kommen einfach die feinen Unterschiede im Spiel der verschiedenen Grafen zu Tage, weswegen wohl jeder Fan einen anderen Darsteller in der Rolle bevorzugt. Thomas Borchert ist bis zum 19. November 2016 im Amt und wird dann von Jan Ammann abgelöst, der die Rolle bereits in Berlin zur zweiten Hälfte von Mark Seibert übernommen hat.

Tom van der Ven als Alfred und Veronica Appeddu als Sarah blieben leider etwas hinter meinen Erwartungen zurück. Tom van der Ven gibt einen niedlichen Alfred, allerdings war es das auch schon. Vor allem bei Alfreds Solo „Für Sarah“ habe ich doch sehr die Leidenschaft vermisst, die spätestens bei diesem Lied zum Vorschein kommen sollte. Sein Deutsch ist inzwischen sehr gut zu verstehen und man hört kaum noch heraus, dass Deutsch nicht seine Muttersprache ist. Bei Veronica Appeddu hingegen hat der Akzent jedoch noch sehr gestört und vor allem schauspielerisch kam vieles eher auswendig gelernt und angestrengt rüber, während sie mich auch gesanglich nicht überzeugen konnte. Hier kommt einfach wieder die berechtigte Frage auf, ob es wirklich so schwer ist, diese Rollen mit deutschen Nachwuchsdarstellerinnen zu besetzen. Das Angebot ist mittlerweile doch eigentlich groß.

Das Musical TANZ DER VAMPIRE ist ab Ende April 2016 wieder im Berliner Stage Theater des Westens zu sehen,  vom 24. April 2016 bis 25. September 2016. Infos und Karten auf musicals.de Auf dem Foto: Miilan van Waardenburg als Herbert sund Tom van der Ven als Alfred (r.)
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Wie groß und vielversprechend das Angebot an männlichen Kollegen ist, sieht man an Victor Petersen in der Rolle des Professor Abronsius. Frisch aus der Bayerischen Theaterakademie August Everding in München entlassen, hat er das Premierenpublikum mehrmals zu Szenenapplaus hingerissen und man wäre niemals auf den Gedanken gekommen, dass es sich hier nicht um einen alternden Professor handelt, den jeder sofort als Opa adoptieren würde, sondern um einen jungen, talentierten Mann, der diese Rolle einfach nur bis in die letzte Pore mit Witz und Charme ausfüllt. Auch die restliche Cast, allen voran Milan van Waardenburg als schwuler Grafensohn Herbert, Merel Zeeman als Magda und Nicolas Tenerani als Chagal wissen zu überzeugen.

Wie man es also dreht und wendet, alle Kritikpunkte an der aktuellen Tour-Produktion von „Tanz der Vampire“ sind Jammern auf ganz hohem Niveau und jeder, der der Einladung zum Ball noch nicht gefolgt ist, sollte sich ganz schnell auf den Weg machen – Egal, ob ihr euch verlieben wollt, noch glücklich mit den Vampiren liiert seid oder ihr – wie ich – einfach nur in Nostalgie an eine unsterbliche Liebe schwelgen wollt.

Vorstellungen Deutsches Theater München: 05.10.2016 bis 15.01.2017.

Uraufführung: 04.10.1997 (Raimund Theater Wien)
Premiere München und besuchte Vorstellung: 06.10.2016 (Deutsches Theater München)
Buch/Lyrics: Michael Kunze
Musik: Jim Steinman
Regie: Roman Polanski
Choreographie: Dennis Callahan
Musikalische Leitung: Leif Klinkhardt
Bühnenbild: William Dudley
Besetzung: Thomas Borchert (Graf von Krolock), Victor Petersen (Professor Abronsius), Tom van der Ven (Alfred), Veronica Appeddu (Sarah), Merel Zeeman (Magda), Milan van Waardenburg (Herbert), Nicolas Tenerani (Chagal), Yvonne Köstler (Rebecca), Paolo Bianca (Koukol)

Tickets und weitere Infos findet ihr hier.

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