Wietske van Tongeren studierte am Konservatorium Tilburg Schauspiel, Tanz und Gesang, bevor sie ihr erstes Engagement nach Wien führte, wo sie als Zweitbesetzung der Titelrolle im Musical „Elisabeth“ spielte. In Stuttgart war sie schließlich die Erstbesetzung der Elisabeth. Danach spielte sie unter anderem die Ich in „Rebecca“ im Raimung Theater in Wien, das Aschenputtel in „Into the Woods“ bei den Vereinigten Bühnen Bozen, die Stephanie in der deutschsprachigen Erstaufführung von Frank Wildhorns Musical „Rudolf Affaire Mayerling“ und die Baronin Maria von Trapp in „The Sound of Music“. Bei der Welturaufführung von „Rocky“ in Hamburg verkörperte sie die Adrian und spielt nach einer kurzen Auszeit diese Rolle aktuell auch in Stuttgart. Momentan ist sie darüber hinaus in „Sunset Boulevard“ im Theater Dortmund als Betty Schaefer zu sehen.

KULTURPOEBEL: Frau van Tongeren, Sie haben Ihre Ausbildung am Konservatorium Tilburg in den Niederlanden absolviert. Danach führte Sie Ihr Weg nach Österreich und Deutschland. Wann war der Punkt in Ihrem Leben, als Sie sich sicher waren, dass Sie Musicaldarstellerin werden möchten?

Wietske van Tongeren: Ich habe immer schon gerne gesungen, seit meiner Kindheit. Als ich dann mit ca. 17 Jahren das Musical „Miss Saigon“ gesehen habe, war ich so fasziniert, dass ich mehr über das Metier Musical wissen wollte. Lange Zeit dachte ich nicht, dass ich damit meinen Lebensunterhalt verdienen kann, erst nach Bestehen der Aufnahmeprüfung am Konservatorium öffnete sich dieser Weg für mich.

KULTURPOEBEL: Sie haben zum Beispiel bei den Uraufführungen von „Rebecca“ und „Rocky“ mitgewirkt. Was ist das Besondere für Sie, eine Rolle bei einer Weltpremiere zu kreieren?

Wietske van Tongeren und Nikolas Heiber in "Rocky" © Stage Entertainment
Wietske van Tongeren und Nikolas Heiber in „Rocky“ © Stage Entertainment

Wietske van Tongeren: Das schöne und spannende an einer Uraufführung liegt darin, dass es keine Vorlage gibt und wir gesanglich und schauspielerisch frei suchen können, wie die Rolle zu gestalten ist. Bei Weltpremieren ist die Probenzeit auch meistens länger und intensiver. Die Musik wird adaptiert auf die Stimme und so wird es natürlich zu etwas ganz Eigenem.

 

KULTURPOEBEL: Neben Hauptrollen in Longruns findet man Sie auch auf den Besetzungslisten in Stadttheater-Produktionen. Wie erleben Sie die Arbeit an staatlich subventionierten Theatern im Vergleich zu den privatwirtschaftlichen En-suite-Produktionen?

Wietske van Tongeren: Ich bin froh und dankbar in beiden Systemen meinen Platz gefunden zu haben, der mir die Möglichkeit gibt, auf den unterschiedlichsten Theaterbühnen verschiedene wunderbare Rollen zu spielen.

KULTURPOEBEL: Bis Januar spielen Sie am Theater Dortmund die Betty Schaefer in „Sunset Boulevard“ – sowohl Stück als auch Rolle sind Ihnen ja durchaus vertraut. Was hat Sie zu der Rollen-Rückkehr bewegt?

Wietske van Tongeren: Die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Gil Mehmert und seine Inszenierung fand ich damals in Bad Hersfeld schon sehr schön, schon deshalb habe ich nicht gezögert „ja“ zu sagen. Als ich dann noch hörte, dass ich mit Pia Douwes und Oliver Arno gemeinsam auf der Bühne stehen würde, war es für mich klar, dass es eine sehr gute Entscheidung war.

KULTURPOEBEL: Gibt es auch andere Rollen, die Sie bereits gespielt haben und gern einmal wieder übernehmen würden?

Wietske van Tongeren: Jede meiner bisherigen Rollen hat einen Platz in meinem Herzen. Wenn die Möglichkeit besteht, eine davon nochmal spielen zu können, würde ich mich freuen diesen Charakter nochmal neu und frisch zu entdecken.

Mehr Infos zu „Sunset Boulevard“ in Dortmund gibt es unter https://www.theaterdo.de/detail/event/sunset-boulevard/

Beitragsbild: © Thomas M. Jauk / Stage Picture

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Agnes Wiener
"The musicals, that leave us kind of staggering on our feet, are the ones, that really reach for a lot." - (Lin-Manuel Miranda)

Lieblings-Musical(s): „Hamilton”, „Finding Neverland“, „Schikaneder“, „Tanz der Vampire“ und meine guilty pleasure „Der Schuh des Manitu"
Lieblings-Komponist: Lin-Manuel Miranda, Stephen Schwartz
Lieblings-Texter: Lin-Manuel Miranda
Musical-Fan seit: „Der König der Löwen” (Hamburg)
An Musicals fasziniert mich: Die unendlichen Möglichkeiten in diesem Genre - ob unterschiedliche Musikstile oder interessante Erzählweisen. Der Phantasie, verschiedenste Stoffe mit den Mitteln Tanz, Gesang und Schauspiel auf die Bühne zu bringen, sind keine Grenzen gesetzt.