Das „vienna theatre project“ inszeniert „The Last Five Years“ als konzertante Fassung im Brick 5. Ein gelungener Abend.

Nachdem ich mehrmals die Gelegenheit hatte, „The Last Five Years“ zu sehen, zunächst im Kino, dann im Urlaub, und diese aus unterschiedlichen Gründen nicht wahrgenommen habe, packte ich diesmal die Gelegenheit beim Schopfe.

Der Weg zur Aufführung ist abenteuerlich: Nachdem sich beim Ticketkauf im Internet herausstellte, dass es nur möglich war, ein Ticket pro Einkauf zu bestellen, entschied sich meine Begleitung daraufhin, zu Hause zu bleiben. Also machte ich mich allein auf den Weg in den 15. Bezirk. Das Brick 5 ist an sich schon eine interessante Location, da man sie beinah verpasst. Zuerst läuft man durch die dunkelsten Gassen Wiens, biegt in einen noch dunkleren Innenhof ein und entdeckt dann auf der rechten Seite eine hell erleuchtete Tür. Der eigentliche Aufführungsort liegt dann nochmal über einem Café und ist durch eine Wendeltreppe zugänglich.

Es ist eine Art Galerie – ein gemütlicher, mit Holz ausgelegter Raum, ein paar Bilder an der Wand, Stühle im Halbkreis – keine Bühne oder Ähnliches. Hier lauschen das Publikum und ich dann die nächste Stunde und 45 Minuten einem  Stück, welches selbst so faszinierend und dabei gleichsam unaufgeregt ist wie der Aufführungsort selbst.

Ein junges Paar trennt sich

Abwechselnd erzählen sie von ihrer fünfjährigen Beziehung. Sie beginnt vom Zeitpunkt ihrer Trennung an, er vom Anfang der Beziehung. Nach und nach klärt sich für das Publikum, woran ihre Liebe scheiterte.

© Raimund Appel / viennatheatreproject
© Raimund Appel / viennatheatreproject

Obwohl es sich um eine konzertante Fassung handelt, lässt sich der Handlung, die zwar einfach, jedoch niemals seicht ist, prinzipiell problemlos folgen. Allerdings wird das Stück in Wien in englischer Sprache aufgeführt.Die Liedtexte vermitteln hierbei beinahe den gesamten Inhalt; es gibt kaum einen gesprochenen Text. Das macht zwar einerseits den Reiz des Stückes aus, ist jedoch gerade möglicherweise durch die englische Sprache eine Hürde, zumal es nicht die Möglichkeit von Untertiteln gibt. Auch ich, die von sich behaupten würde, fließend Englisch zu sprechen, verstand nicht jedes Wort. Das empfand ich gerade deswegen als schade, da ich das Gefühl hatte, mir würden Details einer sehr feinen Figurenzeichnung entgehen.

Dennoch bietet ein Musical, welches in Originalsprache aufgeführt wird für mich immer noch einen zusätzlichen Reiz. Auch das Publikum ließ sich von etwaigen Verständnisproblemen nichts anmerken und gab am Ende begeistert Standing Ovations.

Die Wiener Version

In Wien funktioniert das Stück insgesamt sehr gut mit wenig Kulisse und zwei sehr erfahrenen und guten Darstellern, da im Mittelpunkt weniger die Show als die Musik und die Charakterisierung der Figuren steht.

Drew Sarich (derzeit als Che in „Evita (Wien))  und Caroline Frank (u.a. bekannt aus „Mamma Mia!“) – eingesprungen für die kranke Ann Mandrella – spielen die beiden Protagonisten Cathy und Jamie.  Beide überzeugen in ihrem Gesang und der Charakterisierung ihrer Figuren. Hervorzuheben ist hier gerade die herausragende Leistung von Caroline Frank, besonders, da zu Beginn angesagt wurde, dass auch sie erkältet war.

© Raimund Appel / viennatheatreproject
© Raimund Appel / viennatheatreproject

Die Songs von Jason Robert Brown aus dem Jahr 2001 zeichnen die Aufs und Abs der Beziehung nach und werden auf beeindruckende Weise durch Livemusik von einem Klavier, einem Cello und einer Geige umgesetzt. Obwohl die Handlung ohne viele Wendungen erzählt wird, ist das Musical niemals langatmig, was auch der fesselnden, variationsreichen Musik zu verdanken ist.

Die Lyrics tun – trotz der oben bemerkten, möglichen  Sprachbarriere – ihr Übriges, um den Zuschauer mal zum Lachen und mal zum Weinen zu bringen, aber jederzeit mitfühlen zu lassen.

So hoffte ich trotz des sich deutlich abzeichnenden Endes, dass das Liebespaar sich irgendwann doch noch finden würde, aber der Charme des Stücks speist sich tatschlich aus seiner Realitätsnähe, die jeder Art von Kitsch eine Absage erteilt: „In a perfect world a miracle would happen“ – Nur in einer perfekten Welt gibt es Wunder.

So habe ich in Wien die grandiose Inszenierung eines (fast) perfekten Stückes sehen können, welches von einer nicht perfekten Liebe erzählt.

Premierendatum Uraufführung: Mai 2001 (Northlight Theater, Chicago)
Aufführungen vienna theatre project: 5.12.-9.12.2016
Besuchte Aufführung: 7.12. 2016
Musik/Buch/ Lyrics: Jason Robert Brown
Regie in Wien: Joana Godwin-Seidl
Besetzung: Caroline Frank (Cathy); Drew Sarich (Jamie)
Band: Birgit Zach (Music Director/Piano); Sarah Grubinger (Violine); Matthias Bartolomey (Cello)

Beitragsbild: © Raimund Appel / viennatheatreproject