Die Karrieren von Musicalstars können von kurzer Dauer sein. Das mag zum Einen an der körperlichen Leistung liegen. Doch bei der Takarazuka Revue in Japan hatte dies in der Vergangenheit ganz andere Gründe.

Nämlich: Die Graduation stand früh an und danach sollten die ehemaligen Topstars mit kurzen wie mit langen Haaren dann auch bitte schnell heiraten und Kinder kriegen! Davon haben sich die Schauspielerinnen der beliebten, traditionsreichen Theatergruppe jedoch inzwischen emanzipiert – der „Taidan“, also der Abschied, steht dann trotzdem früher oder später an.

Die Dauer der Karrieren ist im Übrigen unterschiedlich – Seina Sagiri und ihre Vorgängerin Kei Otozuki waren für ähnliche Zeiträume im Amt (drei und zwei Jahre), dafür gehören die sechs Jahre von Youka Wao als Topstar der Cosmos Troupe zu den längsten Zeitspannen, ihre Musumeyaku Mari Hanafusa schaffte das doppelte.

Ausgerechnet am japanischen „Tag des Liebespaares“ gab das berühmte Pärchen der Snow Troupe, Seina Sagiri und Miyu Sakihi, bei separaten Pressekonferenzen (Otokoyaku „Chigi“ in Tokio, Miyu in Osaka) bekannt, dass sie am 23. Juli 2017 zum letzten Mal im Namen der Revue auftreten werden. Gemeinsam zu gehen, war ihre Entscheidung, denn mit anderen Partnerinnen hätten sie auch nicht spielen wollen. Derzeit treten sie in „Caleb Hunt, Private Eyes“ in Tokio auf.

Wie gesagt, der fallende Vorhang ist schon länger nicht mehr der Startschuss, sich ins Privatleben zurückzuziehen – Yuuga Yamato, ehemaliger Topstar von Cosmos, veröffentlichte beispielsweise am 7. Dezember ihr Debütalbum „Eloise“, Kei Otozuki spielt bis 29. Januar 2017 im Musical „Frankenstein“ (Nissay Theater, Tokio) und postet dabei fleißig Bilder von den Proben. TV-Serien und andere Shows warten auf die Damen. Doch speziell wenn ein so gut eingespieltes Team die Bühne verlässt, ist der Schmerz groß.

Wie geht man also damit um?

1. Ablenkung ist alles! Maya Ahayane, die nach ihrer Arbeit als Otokoyaku nun inzwischen als Pop-Idol (also Popsängerin) auftritt, hat kürzlich einige schöne Make-Up-Tutorials zum Nachschminken (für weibliche Rollen und männliche Rollen) veröffentlicht.

2. Sich den Nachwuchs zu Gemüte führen! Der Versandhandel CDJapan bietet nicht nur CDs, sondern auch persönliche Kalender fürs Jahr 2017 sowie Jahrgangsbücher der neuen Gesichter an, sodass man sich schon mal an den Nachwuchs gewöhnen kann.

3. Volle Konzentration auf die Nachfolger! Unter Takarasiennes sagt man, die Zeit, einen Topstar-Status der Männerrollen zu erlangen, beträgt zehn Jahre. Dies läuft unter den Begriff „Juunen“ (Juu = 10). Zudem gibt es die inoffiziellen Bezeichnungen Nibante (ni = 2), Sanbante (san = 3) und Yonbante (yon = 4). Diese Titel bekommt man nicht verliehen, aber es kristallisiert sich anhand der Showplakate schon heraus, wer Nibante, also vermutlich die unmittelbare Nachfolgerin des Topstars, ist. Darüber hinaus bekommen sie ihre eigenen Postkarten und andere Merchandise-Artikel. Eine interessante Entwicklung wird die Nachfolge von Rion Misaki (deren Elisabeth KULTURPOEBEL rezensierte) – denn es wird keine offizielle geben. Je nach Show, wird die Musumeyaku-Hauptrolle anders vergeben werden.

4. Immer noch nicht abgelenkt, alle DVDs geguckt, alle Fotobücher durchgeblättert? Wie wäre es mit einem neuen Projekt? Nämlich: sich ein Bühnenoutfit selbst schneidern! Die Augen entsprechend schminken können wir ja jetzt schon – die Cosplays (Mischung aus „costume“ und „play“, natürlich aus Japan, wobei man Wert darauf legt, detailgetreue Outfits aus der Popkultur nachzuschneidern) sind speziell bei den Stücken „Die Rosen von Versailles“ und natürlich „Elisabeth“ sehr beliebt. Da heißt es nun – ganz viel Tüll drapieren und über den Trennungsschmerz hinwegkommen…

Beitragsbild: © KULTURPOEBEL/Lennart Schaffert

TEILEN
Vorheriger ArtikelNews: Landestheater Linz zeigt deutschsprachige Erstaufführung von „Ghost“
Nächster ArtikelNews: „Girls Club“-Musical kommt im Herbst 2017
Simone Bauer

„She wanted Mary Poppins and I took her to King Lear“ – (The Wombats)

Lieblings-Musical(s): „Hairspray“, „Grease“, „Elisabeth“ (in der Takarazuka-Revue-Variante)
Lieblings-Komponist: Benny Andersson und Björn Ulvaeus
Lieblings-Texter: Nao Takagi (für ihre Rede in „Last Dracul Jokyoku“)
Musical-Fan seit: „Cats“ (Hamburg)
An Musicals fasziniert mich: Wenn unzählige begabte TänzerInnen völlig synchron in atemberaubenden Kostümen eine beeindruckende Choreographie tanzen – da schlägt mein Joachim-Llambi-Herz höher!

  • Regina

    Wenn schon Mari Hanafusas Name fällt in Bezug auf ihre lange Takarazuka-Karriere, finde ich es auch erwähnenswert, dass sie nach wie vor auf der Bühne steht. Letztes Jahr hat sie erneut Kaiserin Elisabeth verkörpert (wurde sogar auf DVD rausgebracht – 2 Versionen mit 2 unterschiedlichen Tod-Darstellern) und dieses Jahr spielt sie Lady Bess im gleichnamigen Stück.

    Und zum Thema „Trennungsschmerz“ (was meiner Meinung nach nicht so ganz passt, da ja viele Siennes weiterhin aktiv auf der Bühne sind): Ich freue mich schon darauf Chigi (Sagiri Seina) in ihrem letzten Stück nochmal live auf der Bühne zu sehen. Als Kenshin hatte sie mir ja schon gefallen (und auch vor ihrer Zeit als Top Star), nun bin ich auf das neue Stück gespannt!

    • heartaches

      Da hast du natürlich Recht, liebe Regina. Trennungsgeschmerzt bin ich allerdings trotzdem immer noch 😉 dennoch bin ich auch froh, dass doch die meisten weiterhin auf der Bühne stehen, schauspielern/synchronisieren oder CDs veröffentlichen 🙂