In dieser neuen Reihe erzählen unsere Autoren ihre ganz persönliche Geschichte, wie sie sie das Genre Musical kennen und lieben lernten. Uns alle verbindet die Leidenschaft für diese Kunstform, was uns an ihr aber am meisten fasziniert und welches Stück den Fan in uns weckte, ist von Person zu Person unterschiedlich. Den Anfang macht Pauline.  

Die Geschichte meiner Liebe zu Musicals ist eigentlich eine Weihnachtsgeschichte, welche vor knapp 20 Jahren begann.

Die Musicals der vergangenen Weihnacht

Es begab sich nämlich zu diesem Fest, dass ich unterm Weihnachtsbaum eine Eintrittskarte zu „Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat“ fand. Nicht unter meinem wohlgemerkt, sondern unter dem einer Freundin. Ich habe allerdings davon profitiert.

Wochenlang haben wir die CD gehört und mitgesungen. Irgendwann hat sie mich zu einer Schulaufführung ihrer Schule mitgenommen – erinnern kann ich mich daran allerdings kaum noch. Denn was mich damals an diesem Musical am meisten faszinierte, war die Tatsache, dass eine ganze Handlung auch über Lieder vermittelt werden kann. Auch Jahre später bin ich immer noch jenen Musicals besonders zugetan, bei denen die Musik nicht hauptsächlich zur Untermalung, sondern zur Charakterisierung der Figuren und Situationen beiträgt.

© STARLIGHT EXPRESS
© STARLIGHT EXPRESS

Im nächsten Jahr war das Ticket unterm Weihnachtsbaum für mich bestimmt. Das Stück hieß „Starlight Express“ und das Christkind hatte noch eine CD dazu gelegt. Ich hörte sie und legte sie enttäuscht zur Seite. Die Musik war nicht meins, das Thema schon gar nicht. Ich fragte sogar Freunde, ob sie nicht an meiner Stelle das Stück sehen wollten. Offenbar waren meine Bemühungen nicht erfolgreich gewesen, denn bald darauf saß ich in dem Stück – und war begeistert.

Obwohl ich heute eher dazu neige, „Starlight Express“ für seine Charaktere und die vermittelten Rollenbilder zu kritisieren, kann ich immer noch gut nachempfinden, was mich damals stark beeindruckte:

Zum einen die Tatsache, dass ich mich inmitten einer Geschichte befand, die sich ringsum mich entfaltete, aber dennoch lediglich Zuschauerin sein musste. Zum anderen waren es der technische Aufwand und die Lichteffekte. Das für „Starlight Express“ so charakteristische Rollschuhfahren hat mich rückblickend interessanter Weise eher wenig fasziniert.

Allerdings habe ich aufgrund dieses Stückes realisiert, dass Musical auf mehr Ebenen wirkt, als nur durch die Musik.

Die Musicals der gegenwärtigen Weihnacht

In den darauffolgenden Jahren habe ich mir die unterschiedlichsten Stücke angesehen, nicht alle haben mich gleichermaßen geprägt, aber beinahe jedes Stück hat mindestens eine Besonderheit, für das ich es sehr schätze.

© Alastair Muir
© Alastair Muir

Die Schwierigkeit, Musicalbegeisterung an bestimmten Kriterien festzumachen, ergibt sich meiner Meinung nach aus ihrer Vielfältigkeit. Es sind eben nicht nur die großen Showeffekte, ebenso wenig wie allein der Inhalt eines Stückes, die Lieder, die Choreographien, die Texte  und Bühnenbilder, an denen  sich meine Faszination festmachen lässt, sondern gerade die große Diversität an all diesem, was Musical für mich ausmacht. Ich finde es interessant, wie jedes Musical aus diesem großen Repertoire von Komponenten schöpft, diese aber immer in einer einzigartigen, nur auf dieses Stück passenden Mischung präsentiert.

Dieses Jahr in der Vorweihnachtszeit ist meine Mitbewohnerin meistens beim Backen in der Küche zu finden. Sie hört „Merry Christmas, Maggie Thatcher“ aus „Billy Elliot“, das coolste (Anti-)Weihnachtslied, wie sie sagt.

Bei ihrer Musicalbegeisterung spielt der gesellschaftliche Aspekt eine wichtige Rolle, meint sie. Nur zu wichtigen Anlässen habe ihre Familie früher Ausflüge ins Musical unternommen, erst in diesem Jahr ging sie auch spontan alleine oder mit Freunden dorthin. Sie mag „Schikaneder“ lieber als „Evita“, weil das Stück ihrem Musikgeschmack stärker entspricht und „Mozart!“ ist ihr Lieblingsstück, weil es das erste Musical war, das sie überhaupt live gesehen hat. Aber wie ich hat auch sie Schwierigkeiten damit, ihre Freude an Musicals an einem einzigen Kriterium festzumachen.

Die Musicals der zukünftigen Weihnacht

Da das Jahr fast vorbei ist, lasse ich die Musicals, die mich in diesem Jahr am meisten begleitet haben vor meinem geistigen Auge Revue passieren.

„Wicked“ ist dabei sowie „Into the woods“, „Next to normal“ und „Matilda“. Manche davon kenne ich schon einige Jahre lang, aber erst in diesem Jahr wurden sie besonders wichtig für mich. Nicht bei allen Stücken kann ich überhaupt begründen, warum sie für mich so stark an Bedeutung gewannen.

Was  also im nächsten Jahr um diese Zeit mein Lieblingsmusical sein wird und warum, kann ich noch nicht absehen. Dass es allerdings auch da Musicals geben wird, die mich begeistern werden, hingegen schon.

Weitere Artikel der Reihe

Hier lest ihr, wie unsere Autorin Nadine zum Musical-Fan wurde.

Beitragsbild: © KULTURPOEBEL.de