Der Pöbel wird kreativ! Wenn es den großen Musical-Produzenten des Landes nicht mehr gelingt, neue Stücke zu entwickeln und stattdessen immer das Gleiche von Nord nach Süd und West nach Ost rotiert wird (Gähn!), sehen wir es als unseren journalistischen Auftrag, neue Impulse für das Land zu setzen. Und ganz ehrlich: Wenn ein Boxer anfängt zu singen, Fußballer tanzen und sogar ein Udo Lindenberg-Musical erfolgreich sein kann, dann ist doch wirklich alles möglich. Hier unsere (nicht ganz so ernst gemeinten) Vorschläge für mehr Musical-Vielfalt in Deutschland.

Vol. 3: „Calluna vulgaris – Das geheime Leben der Heideblümchen“

Da „Der König der Löwen“ in Deutschland eines der wenigen erfolgreich laufenden Musicals ist, 2016 sein 15-jähriges Jubiläum im Hamburger Hafen hatte und dieses Jahr seine 20-jährige Uraufführung am Broadway feiert, wäre es für Musical-Produzenten ratsam, an diesen Erfolg anzuknüpfen.

Da bietet sich doch ein Musical über die Lüneburger Heideblümchen an!

Jährlich pilgern mehr als vier Millionen Besucher in die Lüneburger Heide, um dort einen Wellness-, Kultur-, oder Aktiv-Urlaub mit der ganzen Familie zu verbringen. Und so könnte aufgrund der räumlichen Nähe zu der Musicalmetropole Hamburg, neben dem einzigartigen Tierepos ein großartiges Pflanzenepos im Theater an der Elbe gezeigt werden.

Worum geht es?

Wie schon der Titel des Musicals sagt, geht es um die gemeine Besenheide (Calluna vulgaris), deren Blüte für wenige Wochen im Sommer im Naturpark Lüneburger Heide zu bestaunen ist. Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine Heideblümchen-Population, die durch einen tragischen Unfall viel Leid erfährt. Ein vorbeifahrender Traktor, mit Gülle beladen, verliert wegen einer schadhaften Stelle im Tank unkontrolliert seine Fracht. Deswegen werden große Teile der Blümchen-Population ausgelöscht und die übrig gebliebenen kämpfen einen harten Überlebenskampf. Durch Kommunikation, Kooperation und Zusammenhalt schaffen sie es, den Sommer zu überleben. Der achtlose Umgang des Menschen mit der Umwelt setzt den Blumen schon lange zu. Das Ökosystem im Naturpark ist fragil und gerät leicht aus dem Gleichgewicht. Die Heideblumen leiden in diesem Sommer besonders unter der Katastrophe. Doch aus der Zerstörung entsteht auch neues Leben: Im nächsten Sommer ist diese Unglückszone aufgrund der unfreiwilligen Düngung das am schönsten blühende Gebiet in der gesamten Heide!

© Felix Mooneeram

Die Philosophie der Blumen

Hinter der simplen Geschichte verstecken sich große philosophische Themen: Es geht um den Sinn des Lebens, Entstehen und Verderben, Untergang und Auferstehung, Feindschaft und Freundschaft, Liebe und Hass, Zerstörung und Aufbau, Verzweiflung und Hoffnung, alles große Themen unseres Seins. Was für den Holländer die Tulpe, für den Japaner die Kirschblüte, ist für den Deutschen die gemeine Besenheide. All diese Blumen zeichnen sich durch ihren massenhaften Auftritt, ihre kurzwährende Schönheit und den Ausdruck der Vergänglichkeit, der ihnen innewohnt, aus. Auch die Heide gestaltet nur für eine kurze Zeit eine ganze Landschaft. In der deutschen Lyrik, bei Theodor Storm „Über die Heide“ (1875) nachzulesen, transportiert die Heide das Motiv der Endlichkeit, womit sich Analogien zum menschlichen Dasein finden.

Ein Musical-Erlebnis für die ganze Familie

Da die Heideblümchen im Familienverbund leben und ihre Gefühle vermenschlicht werden, ist „Calluna vulgaris“, wie „Der König der Löwen“, ein Musical für alle Generationen. Die Kinder werden sich an den bunten, herumhüpfenden Blümchen und die Erwachsenen an der Verarbeitung der großen Themen des Lebens erfreuen. Außerdem bekommen die Zuschauer nebenbei eine Lektion zum Thema Umweltschutz. Die Botschaft wird von einer breiten Masse der Bevölkerung verstanden und nicht nur von denen, die schon einmal im Naturpark Lüneburger Heide Urlaub gemacht haben.

Rundum qualifiziertes Autorenteam

Da die Themen sehr philosophisch sind, wird für die Musik ein deutscher Künstler benötigt, dem poetische Texte und melancholische Klänge nicht fremd sind. So könnte Herbert Grönemeyer als Komponist engagiert werden, dessen Lieder in dem Musical von anderen Sängern endlich verständlich vorgetragen werden. Los geht es mit dem Song „Wo die Heideblümchen schön wohnen“, gefolgt von „Ich hab geträumt von Sonnenschein“ und „I feel flowery“ was die Hauptprotagonisten zum besten geben. Der Zuschauer hat außerdem das Recht auf ein angemessenes „Flower-Rap-Battle“ voller Flower Power, in der sich zwei Heideblümchen mal ganz schön die Blüten ausreißen. Zum Umgang mit Umweltverschmutzung gibt es die Lieder „Wie wird man seine Pestizide los?“, „Singin’ in the mud“ und „So viele Menschen im Land“. Das Liebesduett „Totale Sonnenfinsternis“ darf genauso wenig fehlen wie bunte Ensemble Tanznummern, beispielsweise der „Heideland Chant“ in Anlehnung an „König der Löwen“ oder eine Balletteinlage inspiriert vom „Blumenwalzer“ aus dem Nussknacker. Es ist also für jeden Geschmack etwas dabei.

Peter Wohlleb und Wolf-Dieter Storl bilden das Autorenteam für den Text. Beide sind erfahrene Pflanzenkenner, die schon beachtenswerte Werke vorgelegt haben und durch exzellentes Fachwissen zu Pflanzen und ihren Emotionen glänzen.

Was kann da noch schiefgehen?!

Blumen, die in wunderschönen Kostümen zu heiteren und elegischen Klängen ihre Empfindungen heraus singen, wunderbare Musik von Herbert Grönemeyer, ein Autorenteam, das vom Fach ist, eine dramatische Geschichte mit vielen Metaphern und Untertönen, denen Kinder wie auch Erwachsenen etwas abgewinnen können. Der Deutschen Musical Theater Preis ist so gut wie sicher und selbst der Broadway wird sich um dieses auch international verwertbare Stück reißen.

Nun ade, du mein lieb Hamilton! Hier kommt das Heideblümchen!

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„Mallotze – das Musical“

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Beitragsbild: © Kulturpoebel.de

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Agnes Wiener
"The musicals that leave us kind of staggering on our feet are the ones that really reach for a lot." - (Lin-Manuel Miranda)

Lieblings-Musical(s): „Hamilton”, „Finding Neverland“, „Schikaneder“, „Tanz der Vampire“ und meine guilty pleasure „Der Schuh des Manitu"
Lieblings-Komponist: Lin-Manuel Miranda, Stephen Schwartz
Lieblings-Texter: Lin-Manuel Miranda
Musical-Fan seit: „Der König der Löwen” (Hamburg)
An Musicals fasziniert mich: Die unendlichen Möglichkeiten in diesem Genre - ob unterschiedliche Musikstile oder interessante Erzählweisen. Der Phantasie, verschiedenste Stoffe mit den Mitteln Tanz, Gesang und Schauspiel auf die Bühne zu bringen, sind keine Grenzen gesetzt.