Wie schafft man den Sprung aus Lappland auf die großen Musicalbühnen Deutschlands? – Mathias Edenborn zeigt, wie es geht! Der Schwede ist schon lange auf den deutschen Bühnen zuhause und nahm einen Umweg auf sich, um an sein Ziel zu kommen. Dicht an dicht reihen sich seine Hauptrollen über die Jahre hinweg aneinander, unter ihnen die zwei wahrscheinlich begehrtesten Musicalrollen im deutschsprachigem Raum, das Phantom und der Graf von Krolock. Der ehrgeizige Schwede arbeitet beharrlich an seiner Karriere, die inzwischen ihresgleichen sucht. 

Von Lappland nach Transsilvanien

Mathias Edenborn wurde am 24. April 1975 in Kiruna in Lappland geboren. Die 17.000 Einwohner- Stadt ist die nördlichste Stadt Schwedens, wo die Temperaturen im Sommer zwischen 8 und 16 Grad liegen. Als Sohn einer Psychologin und eines Geologen wuchs er in Stockholm auf. Er spielte dort in der Fußball-Jugendmannschaft und war mit 16 Jahren bereits Profi.

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Später absolvierte er seine Ausbildung an der Kulturama School of Arts und an der Royal Musica Academy in Stockholm. „Irgendwann jedoch war es einfach so weit: Ich fühlte, dass es Zeit war, meine Fußballkarriere zu beenden, nahm Gesangsunterricht – und spielte ein halbes Jahr später die ‚West Side Story’.“ Schon während seines Studiums spielte er Tony in „West Side Story“. Er war in Gotland und Stockholm in „Celine“, „Carmen – The Musical“, „Miss Saigon“ und „Dani -The Musical“ zu sehen. Sein Deutschlanddebüt gab er 2002 im Apollo Theater Stuttgart. Dort sang er in der deutschen Erstaufführung von „Tanz der Vampire“ das Nightmare Solo und war Cover-Graf. Diese Rolle verkörperte er auch von 2006 bis 2008 in Berlin.

Von Ägypten über Verona nach Oz und Rom

2003 trat „Aida“ die Nachfolge der Produktion „Elisabeth“, die zwei Jahre erfolgreich im Colosseum Theater Essen zu sehen war, an. Mathias Edenborn kreierte die Rolle des Radames in der deutschen Erstaufführung von „Aida“ und spielte diese auch im Sommer 2008 in Amstetten. Das Musical feierte 2000 Premiere am Broadway und erhielt vier Tony Awards und einen Grammy.

Mathias Edenborn stand hiernach ab 2005 in „Romeo & Julia“ im Raimundtheater in Wien auf der Bühne. In der Presse schnitt das Musical nicht gut ab (was aber in Wien auch nicht weiter verwundert). Jedoch wurde die großartige Ensemble-Leistung gewürdigt und Edenborns Performance als Montargue Benvolio sehr gelobt. Mathias Edenborn über seine Rolle: „Was er (Anm.: Regisseur Redha Benteifour) mir dabei mitgegeben hat, ist, dass Benvolio viele Facetten haben muss. Er ist aggressiv und kämpferisch, lustig und leicht, aber auch ängstlich und verschlossen. Ich hatte viel Freiheit, ihn neu zu kreieren, und es waren meine Impulse, die ihn geprägt haben.“

Es folgte der Inspektor Javert in „Les Misérables“ in der Produktion von 2007 in St. Gallen. 2008 übernahm er die Rolle des Fiyero in „Wicked – Die Hexen von Oz“, die er erst in Stuttgart und dann bis Ende Juli 2010 auch in Oberhausen verkörperte.

Danach stand Fulda auf seinem Plan. Er gestaltete die Rolle des Markgrafen Gerold in der Uraufführung des Musicals „Die Päpstin“. Diese Rolle spielte er im Sommer 2011, in den Wiederaufnahme 2012 und 2013 im Schlosstheater Fulda. Außerdem im Theater Hameln von August bis September 2012 und im September 2013, sowie Ende September 2013 im Prinzregententheater in München.

Vom österreichischen Kaiserhof bis in die Pariser Oper

Von Oktober 2011 bis März 2012 spielte er auf der „Elisabeth“-Tourneeproduktion die Erstbesetzung des Kaiser Franz Josephs. 2012 übernahm er in Zürich die Erstbesetzung des Axel Staudachs in „Ich war noch niemals in New York“, bis er Ende 2013 wieder nach Deutschland zurückkehrte, um die Titelrolle im „Phantom der Oper“ zu spielen. Von Dezember 2013 bis September 2015 verkörperte er diese im Theater Neue Flora in Hamburg. Direkt im Anschluss konnte man ihn bis September 2016 auch in Andrew Lloyd Webbers Fortsetzung „Liebe stirbt nie“ im Operettenhaus Hamburg auch als Phantom und Raoul erleben.

„Ich will ein Engel oder ein Teufel sein…“

Mathias Edenborns überzeugt in seinen Rollen sowohl durch sein ausnahmslos intensives und facettenreiches Schauspiel als auch durch seine charakteristische Stimme, die einen extrem hohen Wiedererkennungswert besitzt. Seine stattliche Erscheinung ist seiner Bühnenpräsenz hierbei durchaus zuträglich. Durch sein leidenschaftliches Spiel verleiht er seinen Figuren viel Pathos und Authentizität und in jedem Moment ist er auf glaubwürdige Art und Weise eins mit seiner Rolle.

Er spielt verzweifelte Liebhaber genauso vielseitig wie zerrissene Kreaturen. Wie sein Schauspiel ist auch sein Tenor gleichermaßen wandelbar. Durch seine bewegliche Stimme potenziert er nochmal die Intensität seiner Darstellung und fängt sowohl dramatische Höhepunkte sowie moderate Passagen mit Leichtigkeit ein.

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Als er 2013 als Phantom für die Hamburger Wiederaufnahme gecastet wurde, ließen Kritiker und auch vereinzelte Fans nicht viel Gutes an seiner Darstellung, denn er entsprach mit seiner Stimme nicht unbedingt den Erwartungen mancher, welche durch Rollenvorgänger aus dem Opernbereich – wie allen voran wohl Peter Hofmann – vorgeprägt waren. Doch genau das war von den Lizenzgebern und den Casting-Entscheidern eben gewünscht: man wollte ein zeitgemäßeres und modernes Phantom. Und dieses verkörperte Edenborn schauspielerisch so mitreißend und brilliant wie zumindest ich es noch nie erlebt habe. Es ist schade, dass viele gerade in ihm am Ende den Schwachpunkt der Inszenierung ausgemacht haben, denn für diese untypische, doch meiner Ansicht nach absolut nachvollziehbare Besetzung, konnte er mit dem, was er nunmal als Darsteller mitbringt, am wenigsten etwas und er war eben die Idealbesetzung für den Casting-Ansatz, der gewählt wurde. Schade, dass gerade dieses Engagement in vielen Kommentaren im Zuge seiner „Grafenkrönung“ angeführt und komplett vergessen wurde, welche phantastischen Interpretationen er in all den Jahren zuvor und auch danach abgeliefert hat.

Seit Februar 2017 spielt er nun also wieder den Grafen im „Tanz der Vampire“ in Stuttgart und kehrt somit an den Ort zurück, an dem vor 15 Jahre seine Karriere im deutschsprachigen Raum begann. (Unseren Bericht zu „Tanz der Vampire“ in Stuttgart 2017 und Mathias Edenborns Performance als Graf von Krolock ist hier zu lesen.) Wir hoffen, diesen Künstler auch weiterhin in verschiedensten Rollen erleben zu dürfen und dass er uns noch lange auf den deutschen Musicalbühnen erhalten bleibt. Denn jemanden, der das Gesamtpaket des Musicaldarstellers in solch einer Qualität verkörpert, gibt es hierzulande äußerst selten.

Beitragsbild: © www.krautbauer.net