Richard Woodford wurde an den Bodywork Company Dance Studios in Cambridge ausgebildet. Nach seiner Ausbildung folgten Engagements u.a. in den englischen Produktionen von „Joseph And The Amazing Technicolor Dreamcoat“, „Cats“ und „Saturday Night Fever“. Später spielte er in der Londoner Produktion von „Starlight Express“, bevor er 2002 erstmalig zum Bochumer „Starlight Express“ wechselte, wo er als Erstbesetzung der E-Lok Electra, alternierend als Rusty und außerdem als Cover Papa, Greaseball und Caboose zu sehen war. Danach zog es ihn wieder nach London, wo er als Grantaire und Vormann sowie Zweitbesetzung Javert in „Les Misérables“ zu sehen war. Danach stand er als Understudy Galileo und Khashoggi  in der Londoner Version von „We will rock you“ auf der Bühne. Bevor er wieder zu „Starlight Express“ nach Bochum zurückkehrte, tourte er mit dem „Phantom of the Opera“ durch Großbritannien und mit „Cats“ durch Asien. 

KULTURPOEBEL: Wie sind Sie zum Musical gekommen?

Richard Woodford: Ich habe als Kind viele Stücke in London gesehen, aber ich habe nicht daran gedacht, dass ich das auch mal machen werde. Ich habe immer geglaubt, das müssen ganz besondere Leute sein. Mir kam der Gedanke, Musicaldarsteller zu werden, erst als ich 16 Jahre alt war und eine Prüfung in „Performing Arts“ an der Schule abzulegen hatte. Da wusste ich: Das will ich auch machen.

KULTURPOEBEL: Sie haben in sehr verschiedenen Stücken gespielt – „We will rock you“, „Les Misérables“, „Starlight Express“ – gibt es Kriterien für Sie, um sich für eine Show zu bewerben?

© Franklin & Bailey

Richard Woodford: Ich würde sagen: Ja und Nein. Bei einer Show läuft der Vertrag immer ungefähr ein Jahr. Gegen Ablauf dieses Jahres werden einem dann vom Agenten Auditions für neue Stücke vorgeschlagen. Grundsätzlich versuche ich mich auf jedes Stück einzulassen, aber ich möchte nicht immer dieselbe Art von Stücken spielen. Ich habe sehr viel Glück gehabt, in ganz verschiedenen Stücken mitzuspielen – wie Sie schon sagten, „We will rock you“ und „Les Misérables“ sind sehr unterschiedlich. Das ist das Spannende an meinem Beruf.

KULTURPOEBEL: Haben Sie eine bestimmte Herangehensweise, sich auf eine Rolle vorzubereiten? Wie haben Sie sich konkret auf Electra vorbereitet?

Richard Woodford: Sobald man eine Rolle bekommen hat, hat man eine Idee, wie der Charakter sein könnte. Aber diese Idee ist nicht gefestigt, bis man mit anderen zusammen probt und der Regisseur einem sagt, dass man vielleicht dieses oder jenes versuchen sollte. Also, ich versuche mich bis zu einem gewissen Punkt selbstständig vorzubereiten, aber bis zu den Proben ist noch nichts fix.

Und jede Show ist auch anders, besonders hier (bei „Starlight Express“, Anm. der Redaktion): Hier sind so viele Menschen gleichzeitig  auf der Bühne und es gibt so viele Understudies. Das heißt, man spielt ständig mit einer anderen Besetzung und so ändert sich die Show je nach Darstellerzusammensetzung. Zum Beispiel gibt es unterschiedliche Greaseball-Darsteller, welche die Figur sehr verschieden spielen. Also richte ich mich nach der Person, mit der ich spiele. Ich bin kein Darsteller, der jeden Abend dasselbe macht.

Nun zu Electra: Ich  hatte das Glück, schon in London Understudy Electra zu sein. Also wusste ich in etwa, was auf mich zukommt. Aber hier ist die Show durchaus anders als in London: In London war die Bühne viel kleiner, die Choreographie war anders und die Kostüme auch. Und manchmal gibt es auch Unterschiede im Text, also muss man sich daran anpassen. Und das ist es, was ich spannend finde.

KULTURPOEBEL: Was fasziniert Sie so an „Starlight Express“, dass Sie schon so lange Teil dieses Stückes sind?

Richard Woodford: Naja, hervorzuheben sind natürlich erst einmal die Rollschuhe. Kein anderes Musical gibt einem das Gefühl von „Starlight Express“. Wir haben das alle noch nie gemacht und lernen es hier. Also fängt jeder bei Null an. Bei jeder anderen Show weiß man nach den ersten 5-6 Mal, wie es funktioniert. Hier steht man auf diesen Rollschuhen. Ich denke, es ist faszinierend, weil es so schnell ist, noch dazu gibt es diese bewundernswerten Lichteffekte und die Kostüme. Und wir haben eine riesige Bühne, von der ich denke, dass es die beste ist, die „Starlight Express“ je gehabt hat. Es gibt einem so viel Platz und Bewegungsfreiheit und  das bedeutet, es gibt auch viel zu sehen.

Und diese Produktion ist wie eine große Familie. Besonders, weil sehr viele Leute hier nicht aus Deutschland sind also werden wir eine große Familie und das ist es, was „Starlight Express“ ausmacht.

KULTURPOEBEL: Welche Rollen möchten Sie in Ihrer Laufbahn noch spielen? Haben Sie eine Traumrolle?

Richard Woodford: Mittlerweile bin ich zu alt für manche Shows. Ich wollte immer in „Miss Saigon“ spielen, aber dafür bin ich zu alt. Das wollte ich machen und „Fame“. Witzigerweise wurde mir Dance Captain/Swing/ Understudy Nick in „Fame“ gerade dann angeboten als ich das Angebot für Electra in Bochum bekommen habe. Da war es sehr schwierig , sich zu entscheiden. Ich bin froh, mich für das Richtige entschieden zu haben.

Weitere Informationen zu Richard Woodford findet ihr hier.
Zum Bochumer „Starlight Express“ geht es hier entlang.

Beitragsbild: © Starlight Express

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Anna Seifert
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber es unmöglich ist, zu schweigen.“ (Victor Hugo)

Lieblings-Musical(s): „We Will Rock You“, „Sweeney Todd“
Lieblings-Komponist: Stephen Sondheim
Lieblings-Texter: Stephen Sondheim, Tim Minchin
Musical-Fan seit: …ich mit 12 Jahren „Starlight Express” in Bochum sah.
An Musicals fasziniert mich: Die Vielfältigkeit der behandelten Themen sowie die Möglichkeit, eine Geschichte durch Tanz, Gesang und Schauspiel gleichzeitig erzählen zu können.