Nach jahrelangem Warten soll es im Dezember 2019 endlich soweit sein – der heiß ersehnte „Wicked“-Film wird unter der Regie von Stephen Daldry ins Kino kommen. Eine Besetzung wurde bisher noch nicht offiziell bekanntgegeben, aber für Spekulationen und Wunschdenken ist es schließlich nie zu früh …

Andere Musical-Verfilmungen wie „Les Misérables“ sorgten in den letzten Jahren für Unmut darüber, dass Hollywood-Stars mit großem Namen ausgebildeten Musicaldarstellern vorgezogen wurden. Meiner Meinung nach gibt es in „Wicked“ schon ein paar Rollen, die nicht zwangsläufig perfekten Broadway-Gesang erfordern und gerne an bekannte Schauspieler gehen dürfen. Andere Parts, allen voran natürlich Elphaba, sollten jedoch unbedingt mit Musical-Profis besetzt werden, bei denen der Score von Stephen Schwartz in guten Händen ist.

Die ideale Mischung aus Hollywood und Broadway macht’s – mit diesem Gedanken im Hinterkopf habe ich hier die Liste meiner persönlichen Traumbesetzung für den „Wicked“-Film zusammengestellt.


Dr. Dillamond: Ian McKellen

© Luce Newman-Williams

Von Mittelerde nach Oz – dass er ideal für weise, väterliche Rollen geeignet ist, hat Sir Ian McKellen bereits als Gandalf in den „Herr der Ringe“-Filmen unter Beweis gestellt. Die Partie des Dr. Dillamond erfordert keinen makellosen Gesang (da laut Schwartz mindestens ein Bühnen-Song der Schere zum Opfer fallen soll, ist „Something Bad“ ohnehin ein wahrscheinlicher Kandidat für eine Streichung) und eignet sich perfekt für eine profilierte Schauspiellegende wie Ian McKellen.

 

Boq: Andy Mientus

© Andy Mientus

Als professioneller Musicaldarsteller spielt Andy Mientus zurzeit sogar den Boq auf der aktuellen US-Tournee von „Wicked“ und hat damit bereits bewiesen, dass er diese Rolle bestens ausfüllen kann. Durch Engagements in Serien wie „Smash“, „Chasing Life“ und „The Flash“ hat er sich in den letzten Jahren auch über die Musicalszene hinaus einen Namen gemacht und wäre damit meine erste Wahl für die Rolle. Neben ihm könnte ich mir auch durchaus Ben Platt oder (wenn er singen kann?) Josh Hutcherson als Boq vorstellen.

 

Nessarose: Anna Kendrick

© Fabrizio Maltese

Ich weiß, dass viele sie im „Wicked“-Film gerne als Elphaba sehen würden (und auch damit könnte ich bestens leben), aber für mich wäre Anna Kendrick einfach die ideale Nessarose. Sie ist eine ausgezeichnete Sängerin, die schon als Kind Broadway-Erfahrung in „High Society“ gesammelt hat und dafür als Zwölfjährige sogar für einen Tony nominiert wurde. Neben Franchise-Projekten wie „Twilight“ oder „Pitch Perfect“ war sie in den letzten Jahren auch in künstlerisch anspruchsvolleren Musicalverfilmungen wie „Into the Woods“ und „The Last Five Years“ zu sehen und ich kann mir jetzt schon vorstellen, mit was für einer Intensität sie sich mit „The Wicked Witch of the East“ Eindruck verschaffen würde.


Madame Morrible: Meryl Streep

© Ellis Parrinder

Madame Morrible ist die nächste Rolle, in der man gerne einen extrem bekannten Hollywood-Star casten darf. Und wer wäre dafür besser geeignet als Meryl Streep, die sowieso alles spielen kann – egal, wie „überbewertet“ ein gewisser US-Präsident sie auch finden mag? Als Charakterdarstellerin, die dazu noch ordentlich singen kann („Mamma Mia!“, „Into the Woods“), wäre sie die perfekte Madame Morrible. Andere Kandidatinnen für diese Rolle wären Glenn Close, die dank „Sunset Boulevard“ gerade wieder im Mittelpunkt steht, oder Helen Mirren.

 

Wizard: Jim Broadbent

© Jim Broadbent

Neben Madame Morrible und Dr. Dillamond bietet sich auch die Rolle des Zauberers perfekt für Hollywood-Casting an. Zuerst kam mir (mit „Chiago“ im Hinterkopf) Richard Gere in den Sinn und wo ich schon bei Kander & Ebb war, dachte ich auch an Alan Cumming. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass beide in der Rolle vielleicht sogar zu „charismatisch“ und offensichtlich zwielichtig wären? Jim Broadbent passt da besser als ganz gewöhnlicher Mann, der zufällig von einem Wirbelsturm aus Kansas nach Oz gefegt wurde und ein wenig kauzig wirkt. Gleichzeitig hat er als Professor Slughorn im sechsten „Harry Potter“-Film gezeigt, dass er auf subtilere Weise geheimnisvoll sein kann, womit er die perfekte Wahl für den Zauberer wäre.

Fiyero: Aaron Tveit

© Chad Griffith

Auch Aaron Tveit sammelte bereits „Wicked“-Erfahrung – 2008 spielte er den Fiyero am Broadway. Ein Jahr später hatte er seinen großen Durchbruch in „Next to Normal“, war 2012 als Enjolras im „Les Misérables“-Film zu sehen, hatte eine Hauptrolle in der TV-Serie „Graceland“ und spielte „Danny“ in der FOX-Fernsehübertragung von „Grease“. Damit dürfte sein Bekanntheitsgrad für eine Hauptrolle im „Wicked“-Film mittlerweile groß genug sein. Andere geeignete Musicaldarsteller, die in den letzten Jahren Serien-Karriere machten und sich damit ebenfalls für diese Rolle qualifizieren, wären Jeremy Jordan und Jonathan Groff.

Glinda: Kristen Bell

© Andrew Eccles

Abgesehen davon, dass sie typgemäß perfekt als Glina passen würde, wäre Kristen Bell der Rolle auch gesanglich gewachsen. In den letzten Jahren hat sie vor allem als Anna im „Frozen“-Film auf ihren schönen Gesang aufmerksam gemacht, aber schon 2005 spielte sie die Hauptrolle im schrägen Indie-Musicalfilm „Reefer Madness“. Als Veronica Mars in der gleichnamigen Serie erlangte sie große Bekanntheit und hat ein komödiantisches Talent, könnte aber gleichzeitig auch die emotionale Seite von Glinda bestens bedienen. Mit der perfekten Mischung aus Talent und Star-Status wäre sie einfach perfekt in dieser Rolle!

Elphaba: Caissie Levy

© Caissie Levy

Kurz vor ihrem großen Musical-Durchbruch in „Ghost“ stand Caissie Levy in Los Angeles bereits als Elphaba auf der Bühne. Sie ist eine starke Sängerin und mittlerweile im perfekten Alter, um die komplette Bandbreite der Rolle von der jungen Studentin bis hin zur bösen Hexe des Westens zu bedienen. Seit mich jemand vor ein paar Jahren darauf aufmerksam gemacht hat, fällt mir auch immer wieder auf, wie viel Ähnlichkeit Caissie Levys Elphaba in kleinen Gesten zu Margaret Hamilton, der grünen Hexe in der klassischen „Zauberer von Oz“-Verfilmung von 1939, aufweist. (Überhaupt fände ich es gut, wenn der „Wicked“-Film in seiner Symbolik viel auf Wiedererkennungswert zum MGM-Klassiker setzt.)

Ein weiterer Grund, warum Caissie Levy für mich die perfekte Film-Elphaba wäre: Gerade erst wurde bekanntgegeben, dass sie die Elsa in der kommenden „Frozen“-Produktion am Broadway spielen wird. Damit hätte sie zum Zeitpunkt des „Wicked“-Films sicher genug Medienrelevanz, um nicht nur „irgendeine Musicaldarstellerin“ zu sein, sondern „DIE ORIGINAL-ELSA VOM BROADWAY“.

Aber am Ende kommt bestimmt doch alles ganz anders, als man denkt. Gerüchten zufolge soll nun Nicole Scherzinger im Gespräch für die Hauptrolle sein, aber offiziell wurde noch nichts bestätigt. Wir bleiben gespannt, wer letztendlich für den Film gecastet wird – und sobald es irgendwelche Neuigkeiten gibt, werden wir darüber natürlich sofort berichten!

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Beitragsbild: © Joan Marcus

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Niklas Wagner
“Nothing takes you inside the soul of a human being like a musical does.” - Lisa Kron

Lieblings-Musical(s): „Fun Home“, „Parade“, „Next to Normal“ und „Titanic“
Lieblings-Komponist: Jeanine Tesori & Jason Robert Brown
Lieblings-Texter: Stephen Sondheim
Musical-Fan seit: „Elisabeth” in Stuttgart 2006
An Musicals fasziniert mich: ... dass kein Stoff für die Musicalbühne zu ungeeignet ist. Ein Musical über Attentate auf US-Präsidenten? Na klar! Ein Musical über eine manisch-depressive Frau und ihre fast normale Familie? Unbedingt! Ein Musical über eine lesbische Comiczeichnerin und den Selbstmord ihres schwulen Vaters? COUNT ME IN!