„Du bist eine der Entdeckungen dieser Fernsehshow.“, sagt Michael Hildebrandt, damaliger Marketing Director der Stage Entertainment, kurz bevor er Franziska Schuster mitteilt, dass sie leider nicht in die nächste Runde weiterkommt. Auch wenn diese Nachricht kurz vor dem Ziel enttäuschend war, kann Franziska Schuster trotzdem auf einen bereits in jungen Jahren beachtlichen Erfolg zurückblicken. Sie konnte sich in der Casting-Show „Ich Tarzan, du Jane“, die 2008 auf dem Sender Sat. 1 ausgestrahlt wurde, als damals noch absoluter Laie gegen viele professionell ausgebildete Musicaldarsteller durchsetzten, schaffte es bis ins Finale und wurde Dritte im Rennen um die begehrte Rolle der Jane im Musical „Tarzan“. Durch die Teilnahme an „Ich Tarzan, du Jane“ öffnete sich für Franziska Schuster, die damals noch Zahnmedizin studierte, eine Tür in die Musicalbranche, die sie auf die großen Musicalbühnen führen sollte.

Franziska Schuster wuchs in Kyritz im Nordwesten von Brandenburg auf. Schon mit sechs Jahren sang sie im Schulchor und hatte Klavierunterricht. Sie besuchte Tanzkurse in Rock’n’Roll, Standard und Jazz und schauspielerte in Kindertheatergruppen. Später war sie Sängerin einer Band in ihrer Heimatstadt. Nach ihrem Abitur 2005 begann sie in Greifswald Zahnmedizin zu studieren.
Nach ihrer erfolgreichen Teilnahme bei „Ich Tarzan, du Jane“ bekam sie die Möglichkeit eine dreimonatige Ausbildung an der Joop van den Ende Akademie zu absolvieren. Sie entschied sich ihr Zahnmedizinstudium abzubrechen und begann die Ausbildung an der Akademie in Hamburg. Nach den drei Monaten wurde sie in das reguläre Ausbildungsprogramm aufgenommen, wo sie 2010 ihren Abschluss machte.

© Deen van Meer

„Ist das Ziel auch fern, greif ich nach den Sternen.“

Bereits während ihrer Ausbildung sang sie auf verschiedenen Gala-Abenden, war Solistin in den Produktionen „Musical Fieber“ „Musical Rocks!“ und „Pia Douwes präsentiert Musical Stars“. Ihre erste Rolle spielte sie in der österreichischen Produktion „Tut Ankh Amon – The Musical“, die 2010 in englischer Sprache in Kairo und Alexandria gezeigt wurde. Dort war sie als Schwester und Gemahlin Tutanchamuns, Anchesenamun, zu sehen. Danach spielte sie von 2011 bis 2012 im Wiener Ronacher in „Sister Act“. Neben ihrem Wirken im Ensemble war sie auch erstes Cover von Schwester Mary Robert. Mit dem Studio Landgraf ging sie 2013 als Belle in „A Christmas Carol“ auf Tournee. 2013 war sie das erste Mal bei den Domfestspielen Bad Gandersheim in der Rolle der Sally in „Cabaret“ engagiert. Weitere Rollen spielte sie dort 2014 in „Maria ihm schmeckt nicht!“ (Junge Ursula), „Gefährliche Liebschaften“ (Emilie, Sophie) und die Titelpartie in „Evita“.

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Für ihr Engagement bei den Domfestspielen Bad Gandersheim erhielt sie den Roswitha-Ring – ein Publikumspreis, der nach jeder Festspielsaison an eine Schauspielerin, die sich durch herausragende darstellerische Leistungen auszeichnet, verliehen wird. Intendant der Domfestspiele, Christian Doll, lobte Franziska Schuster für ihre Darstellung der Evita:

„Ich finde deine Interpretation in „Evita“ unglaublich energiereich. Man hat das Gefühl, dass diese ehrgeizige und kluge Frau, die du verkörperst, immer wach ist, immer suchend und innerlich getrieben. Sie versinkt nie im Selbstmitleid oder Sentimentalität, sondern bleibt Handelnde.“

Von 2014 bis 2015 spielte sie im Raimund Theater Wien im Ensemble von „Mamma Mia“ und war Cover Sophie. Von 2015 bis 2016 spielte sie ebenfalls im Raimund Theater Constanze Weber, die Frau Mozarts, in „Mozart!“. Dieses Theater scheint sie auch erstmal nicht loszulassen: Seit September 2016 spielt übernimmt sie in „Schikaneder“ die Rolle der Barbara Gerl, sowie Cover Eleonore Schikaneder. (Unsere Reviews zu „Mozart!“ und „Schikaneder“ könnt ihr hier und hier nachlesen.)

Constanze, Barbara und Eleonore

Franziska Schusters Spiel basiert auf einer erfrischenden Natürlichkeit. Zu jedem Zeitpunkt hat der Zuschauer eine klare Vorstellung zur Gefühlswelt ihrer Charaktere. Ihr Erscheinen auf der Bühne räumt jedes Missverständnis aus und macht den Zuschauer neugierig auf die Geschichte, die diese Figur erzählen möchte. Neben ihren darstellerischen Fähigkeiten kann sie auch gesanglich überzeugen. Ihr Sopran hat eine angenehme Färbung und ihre Gesangnummern werden von einer hohen Emotionalität getragen.

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In „Mozart!“ verkörpert Franziska Schuster jede Facette von Constanzes Leben mit eindringlicher Deutlichkeit: Die Veränderung vom unbeschwerten Mädchen, das seine große Liebe findet, zur von Alltagssorgen geplagten Ehefrau bis hin zur gleichgültigen Witwe. Für einen besonderen Moment in „Mozart!“ sorgt sie mit ihrem Solo „Irgendwo wird immer getanzt“, wenn Constanze alleine auf der Bühne über ihre Lebenswirklichkeit reflektiert, was Schuster nuancenreich zum Ausdruck bringt.
Auch in „Schikaneder“ gelingen ihr großartige Augenblicke. Ob in der Rolle als Barbara Gerl oder Eleonore Schikaneder reißt Franziska Schuster das Publikum mit. Auch den klassischen Einschlag, der „Schikaneder“ auszeichnet, meistert sie bravurös. Ihre Gesang kommt so leicht daher, dass sie als Barbara Gerl immer die Lacher der Zuschauer auf ihrer Seite hat. Als Eleonore Schikaneder schafft sie es mit ihrer Stimme und Darstellung den Emotionspegel in konfliktreichen als auch in lustigen Szenen oben zu halten.

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„Träum groß“

Wie groß muss Franziska Schusters Liebe zur Bühne sein, die sichere Berufsperspektive als Zahnmedizinerin aufzugeben. Dies zeugt von einer großen Leidenschaft für den Bühnenberuf. Obwohl Casting-Shows immer belächelt werden, sind wir doch froh, dass dadurch Franziska Schusters Talent nicht verloren ging und uns diese wunderbare Musicaldarstellerin bestimmt noch lange in verschiedensten Produktionen begeistern wird.

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Beitragsbild: © HNA/Jelinek

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Agnes Wiener
"The musicals that leave us kind of staggering on our feet are the ones that really reach for a lot." - (Lin-Manuel Miranda)

Lieblings-Musical(s): „Hamilton”, „Finding Neverland“, „Schikaneder“, „Tanz der Vampire“ und meine guilty pleasure „Der Schuh des Manitu"
Lieblings-Komponist: Lin-Manuel Miranda, Stephen Schwartz
Lieblings-Texter: Lin-Manuel Miranda
Musical-Fan seit: „Der König der Löwen” (Hamburg)
An Musicals fasziniert mich: Die unendlichen Möglichkeiten in diesem Genre - ob unterschiedliche Musikstile oder interessante Erzählweisen. Der Phantasie, verschiedenste Stoffe mit den Mitteln Tanz, Gesang und Schauspiel auf die Bühne zu bringen, sind keine Grenzen gesetzt.