Die Wochen vor den Tony Awards sind für viele Musicalfans jedes Jahr aufs Neue eine aufregende Zeit voller Spekulationen. Welche Show wird sich bei der Performance auf der großen Bühne mit welchem Lied präsentieren und wer geht letztendlich mit welchen Preisen nach Hause?

Sonst konnte ich mich immer bis zum nächsten Morgen gedulden, um mir die Liste der Sieger anzuschauen und auf Youtube alle Höhepunkte der Show nachträglich zu sehen. Da die zurückliegende Broadway-Saison 2016/17 jedoch unheimlich spannend und vielfältig war und der Ausgang der Preisverleihung wahrscheinlich so unvorhersehbar wie schon lange nicht mehr, beschloss ich, die Tonys dieses Jahr zum ersten Mal in meinem Leben live mitzuverfolgen.

Es war eine lange Nacht, die neben einigen glanzvollen Momenten leider auch die ein oder andere Enttäuschung bereit hielt. Mit insgesamt sechs Tonys war „Dear Evan Hansen“ dieses Jahr das Musical mit den meisten Auszeichnungen, gefolgt von dem „Hello, Dolly!“-Revival mit insgesamt vier Preisen. Unsere News-Meldung mit einer Liste aller diesjähriger Sieger findet ihr hier.

© Theo Wargo

Das Haus wird immer größer

Bevor ich auf Sonntagnacht eingehe, möchte ich erst einmal zwei Jahre in die Vergangenheit schauen, da 2015 für mich einen kleinen Wendepunkt in der Tony-Geschichte darstellte. Es war das Jahr, in dem „Fun Home“ – dieses kleine Musical, dem niemand neben dem leichter zugänglichen und Tour-fähigeren „American in Paris“ reelle Siegeschancen zugerechnet hatte – mit fünf Trophäen ausgezeichnet wurde, darunter für das beste Musical, die beste Regie, das beste Buch und den besten Score.

Nach Jahren der Frustration, in denen Shows wie „Next to Normal“ – das vielleicht stärkste Musical des 21. Jahrhunderts – bei den Tonys in den Kategorien Musical, Buch und Regie leer ausgegangen waren, erhielt eine mutige und zeitgemäße Show endlich die verdiente Wertschätzung. Lisa Kron, aus deren Feder das Buch und die Gesangstexte zu „Fun Home“ stammen, hielt damals eine inspirierende Dankesrede, die ich als Einstieg in meinen 2017-Recap zitieren möchte:

Für viele Jahre hatte ich einen wiederkehrenden Traum – und ich meine keinen metaphorischen Traum und keinen Martin-Luther-King-Traum, ich meine einen tatsächlichen „Während ich schlafe“-Traum – in dem ich plötzlich entdecke, dass das Apartment, in dem ich lebe, viele Zimmer hat, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie gibt. Und ich dachte: „Wie konnte ich nicht von diesen ganzen Zimmern wissen?“ Und als ich über diese großartige Broadway-Saison nachdachte, kam mir mein Traum wieder in den Sinn. Denn wir leben alle in diesem großen Haus und die ganze Zeit saßen wir nur in denselben ein oder zwei Zimmern und dachten, das wäre schon das gesamte Haus.

Und diese Saison gingen in ein paar anderen Zimmern die Lichter an. Und plötzlich denken wir alle: „Oh mein Gott, das Haus ist ja so viel größer, als ich dachte! Ich hatte ja keine Ahnung, dass wir einen Garten haben oder einen verdammten Ballsaal oder eine Vorratskammer!“

Die Sache ist, diese Zimmer waren schon immer da. Und in ihnen waren schon immer interessante Leute, die dort aufregende Dinge taten. Und wäre es nicht toll, wenn wir nach dieser Saison nicht einfach alle wieder zurück ins Wohnzimmer gehen? Diese Saison war so stark, weil wir die verschiedenen Zimmer erkundeten in dem Haus, in dem wir alle gemeinsam leben.

Leute, unser Haus ist so groß. Bitte lasst uns nicht einfach wieder zurück ins Wohnzimmer gehen.

Ich habe Lisa Krons Zitat an dieser Stelle aus einem ganz bestimmten Grund eingebaut. Ich habe nämlich das Gefühl, dass ihr leidenschaftlicher Appell tatsächlich erhört wurde und die Broadway-Community die Wohnzimmerwand in den letzten zwei Jahren regelrecht niedergerissen hat. Auf „Fun Home“ folgte „Hamilton“ – und das elektrisierende Gefühl von Revolution, welches dieses Ausnahme-Musical mit sich trug, sprang letztes Jahr auf die gesamte Tony-Verleihung über und schlug weit über die Musicalszene hinaus Wellen.

Glücklicherweise bestätigte die darauffolgende Broadway-Saison, dass dies erst der Anfang einer längst herbeigesehnten Musical-Revolution war. Mit „Come From Away“, „Dear Evan Hansen“, „Natasha, Pierre & The Great Comet of 1812“ und „Groundhog Day“ waren dieses Jahr vier extrem originelle und innovative Werke im Rennen um den Tony für das beste Musical. Aus dieser Liste ist „Groundhog Day“ (eine Bühnenadaption von „Und täglich grüßt das Murmeltier“) wahrscheinlich der einzige Kandidat, der sich – um bei Lisa Krons Metapher zu bleiben – als Wohnzimmer-Musical bezeichnen lässt, und das sagt eine Menge über die Vielfalt, Qualität und Kreativität der gesamten Saison aus.

Make the Tonys Great Again

Als Moderator hatte Kevin Spacey dieses Jahr große Fußstapfen zu füllen – schließlich hat James Corden letztes Jahr in derselben Position eine absolute Glanzleistung abgeliefert und ist dafür von Zuschauern und Kritikern gleichermaßen gefeiert worden. Wie hoch die Messlatte im Jahr nach Corden liegt, erkennt Spacey selbst in der wunderbar abgedrehten und selbstironischen 11-minütigen Eröffnungsnummer an.

Nacheinander schlüpft er hierbei in die Hauptpartien aller vier nominierter Best Musicals, die in umgetexteter Form präsentiert werden und den Abend mit viel Humor und guter Stimmung einleiten. Unterstützt wird Spacey dabei unter anderem von den hervorragend tanzenden Radio City Rockettes. Bevor die Nummer in das unverzichtbare Big-Band-Spektakel-Finale mündet, verwandelt er sich kurz in Norma Desmond – eine Anspielung auf das Broadway-Gastspiel von „Sunset Boulevard“ mit Glenn Close, welche an dem Abend leider nicht performte.

Natürlich durften auch die erwarteten Seitenhiebe gegen Trump nicht fehlen – hier machte vor allem „Late Show“-Moderator Stephen Colbert seinen Standpunkt deutlich – aber insgesamt hielten sich die politischen Anspielungen überraschend zurück. Zu den vielen Prominenten, die an dem Abend die Preise überreichten, gehörten unter anderem Scarlett Johansson, Orlando Bloom, John Legend, Sara Bareilles, Tina Fey, Whoopi Goldberg, Sarah Paulson, Anna Kendrick und Lin-Manuel Miranda.

Cynthia Erivo und Leslie Odom Jr., die letztes Jahr beide für die „Best Performance in a Leading Role in a Musical“ ausgezeichnet wurden, hatten dieses Jahr einen kurzen Auftritt und unterstützten die Rockettes bei ihrer Tanzperformance mit einer gesanglichen Hommage an „New York, New York“. Gerne hätte diese Performance noch etwas länger sein können.

© Theo Wargo

Sieger und Verlierer

Es gibt Tony-Saisons, die so stark von einem Stück dominiert werden, dass es ganz unvermeidbar zu einem sweep kommt – das bedeutet, dass eine Show alle großen Trophäen abräumt und aus dem Abend als großer Gewinner hervorgeht. Letztes Jahr ist ein gutes Beispiel dafür: „Hamilton“ hatte zum Zeitpunkt der Preisverleihung ein so starkes Momentum aufgebaut, dass keine andere Show dagegen überhaupt eine realistische Chance hatte und mit elf gewonnenen Preisen hätte Lin-Manuel Mirandas Hip-Hop-Musical um ein Haar den Tony-Rekord (zwölf Awards) gebrochen.

Und dann gibt es Saisons, die nicht diesen einen unbesiegbaren Favoriten haben, der alle anderen Stücke in den Schatten stellt. Bis zum letzten Moment war ich eigentlich überzeugt davon, dass die Preise sich dieses Jahr mehr oder weniger gleichmäßig auf die verschiedenen Nominierten verteilen würden, da jedes Stück in anderen Aspekten seine ganz besonderen Stärken hatte. Sicherlich zeichnete sich schon vor Monaten eine Tendenz in Richtung „Dear Evan Hansen“ ab, aber dass es letztendlich so stark in allen Bereichen von den Tony-Votern favorisiert wurde, überraschte mich doch.

„Dear Evan Hansen“ bietet Raum für starke Schauspielleistungen und Ben Platt verdiente seinen Tony als bester Hauptdarsteller ebenso wie Rachel Bay Jones, die im Musical seine Mutter spielt, den Preise für die beste Darbietung in einer Nebenrolle. Darüber, ob „Dear Evan Hansen“ nun auch die Preise für das beste Musical und das beste Buch verdiente, lässt sich streiten. Ich persönlich hätte in den beiden Kategorien „Come From Away“ ein wenig lieber gesehen, kann das Ergebnis aber dennoch nachvollziehen.

© Theo Wargo

Benj Pasek und Justin Paul haben dieses Jahr für ihre Liedtexte zu „La La Land“ bereits einen Oscar und einen Golden Globe gewonnen. Für den Score von „Dear Evan Hansen“ bekam das Komponisten-Duo nun seinen ersten Tony und ich freute mich sehr für die beiden, da ich ihre Karriere schon seit einigen Jahren mitverfolge und sie unheimlich talentiert und sympathisch finde. Für „Dear Evan Hansen“ haben Pasek & Paul nun einen eingängigen Pop-Score geschrieben, der in einer anderen Saison sehr wahrscheinlich mein Favorit hätte sein können. Dieses Jahr wäre für mich in dieser Kategorie aber „The Great Comet“ der absolut verdiente Sieger gewesen.

Dass „Dear Evan Hansen“ dann auch noch mit dem Tony für die beste Orchestrierung ausgezeichnet werden musste, stieß bei mir auf vollkommenes Unverständnis. Die insgesamte Bevorzugung des Stückes traf „The Great Comet“ wahrscheinlich am ungerechtesten. Dave Malloy hat in der Adaption eines Auszuges aus Tolstois „Krieg und Frieden“ seinen eigenen Score orchestriert und hätte dafür, da sind sich auch viele leidenschaftliche „Dear Evan Hansen“-Verfechter einig, definitiv den Tony verdient. Wie er in diesem Werk, das er selbst als Electropop-Opera beschreibt, traditionellen russischen Folk und klassische Musik mit Indie-Rock und EDM (Electronic Dance Music) gepaart und gleichzeitig für die Bühnen-Musiker arrangiert hat, ist eine absolute Meisterleistung und klingt anders als alles, das man bisher am Broadway gehört hat.

So ging „The Great Comet“ leider als großer Verlierer des Abends hervor. Mit zwölf Nominierungen hatte das Stück Anfang Mai noch die Liste der nominierten Shows angeführt, konnte letztendlich jedoch nur zwei Preise gewinnen – nämlich für das Bühnen- und Lichtdesign. So wird das Stück auf ein visuelles Spektakel reduziert, dabei ist es eines der subversivsten Stücke der letzten Jahre. Immerhin hat „The Great Comet“ meiner Meinung nach die stärkste Performance des Abends hingelegt – erstaunlich, wie die einzigartige Sitzplatzanordnung des Imperial Theatre auf der Bühne der Radio City Music Hall (zumindest in abgespeckter Form) nachempfunden wurde.

© Theo Wargo

Eine Chance, ins Broadway-Geschichtsbuch einzugehen

Das Highlight der alljährlichen Tony Awards bilden natürlich immer die Performances aus den Musicals der zurückliegenden Broadway-Saison. Von diesen Auftritten hängt viel ab – zum einen sind sie selbstverständlich Werbung für das eigene Stück, die hoffentlich Interesse bei den Fernsehzuschauern weckt und die Ticketverkäufe ankurbelt. Gleichzeitig hat das Konzept einer Tony-Performance aber auch etwas höchst Feierliches. Produktionen, die anders schnell wieder in Vergessenheit geraten würden, können sich hiermit unsterblich machen und sich selbst ein Denkmal für kommende Generationen von Theaterliebhabern setzen.

Die Schwierigkeit besteht dabei immer darin, die eigene Show möglichst authentisch auf einer großen Fernsehbühne zu repräsentieren, Interesse beim Millionenpublikum vor den heimischen Fernsehbildschirmen zu wecken und bestenfalls noch allen nominierten Darstellern der Produktion ihren Moment im Rampenlicht zu geben. „Dear Evan Hansen“ ging am Sonntagabend auf Nummer sicher und performte „Waving Through a Window“. Es ist auf jeden Fall ein schönes Lied und wurde von Ben Platt gewohnt stark dargeboten, allerdings wurde es in letzter Zeit bei fast jedem Promoauftritt der Show gesungen und man hätte sich für die Tonys vielleicht etwas Kreativeres gewünscht. So oder so eine tolle Performance.

„Come From Away“ präsentierte sich selbst mit dem Show-Opener „Welcome to the Rock“ wunderbar – einer der vielen Höhepunkte des Abends. Der Auftritt von „Falsettos“ (die Produktion hatte eine begrenzte Spielzeit und schloss schon im Januar, war aber als bestes Revival nominiert) weckte bereits Vorfreude auf die komplette Aufzeichnung der Inszenierung, die bald in ausgewählten US-Kinos ausgestrahlt wird und anschließend hoffentlich auch als Online-Stream oder DVD/Blu-ray zugänglich gemacht wird.

© Theo Wargo

Der große Überraschungsauftritt war für mich die fetzige Tanzperformance von „Bandstand“ (mit Laura Osnes und Corey Cott), das zurecht den Tony für die beste Choreografie bekam und mit dem Auftritt definitiv gute Werbung für das eigene Stück gemacht hat. Da Glenn Close und Bette Midler beide nicht performten, kam der große Diva-Auftritt des Abends von Patti LuPone und Christine Ebersole, die ein Duett aus „War Paint“ sangen.

Die Performance von „Miss Saigon“ war für mich mal wieder ein Beweis dafür, dass Medleys auf der Tony-Bühne meist nicht so gut funktionieren wie ein ganzes, zusammenhängendes Lied. Der Auftritt fing damit an, dass Kim Thuy erschießt, ohne den dramaturgischen Build-up, der dieser Szene vorangeht. Nach einigen Zeilen aus „This is the Hour“ sang Eva Noblezada (vollkommen verdient mit einer Nominierung bedacht) die zweite Hälfte von „I’d Give My Life For You“, was ohne die allmähliche Steigerung im Lied leider auch nicht seine volle Wirkkraft entfalten konnte.

Etwas enttäuschend war auch der Auftritt von „Groundhog Day“. Der Score hat einige coole und clevere Songs zu bieten, für die Tonys wäre sicher das eingängige „If I Had My Time Again“ eine gute Wahl gewesen. Stattdessen wurde die weitaus weniger spannende Finalnummer „Seeing You“ gesungen, die das Musical von Tim Minchin leider überhaupt nicht aussagekräftig repräsentierte und inmitten der anderen Tony-Performances ein wenig unterging.

© Theo Wargo

Fuck you, Dolly!

Der größte Witz des Abends, da scheint das Internet sich ausnahmsweise mal einig zu sein, war wohl die Tony-Performance von „Hello, Dolly!“. Scott Rudlin, der Produzent des unverschämt teuren Revivals (Premium-Karten für 748 US-Dollar) konnte sich mit den Produzenten der Tony Awards nicht über den Auftritt einig werden. Schon vor Wochen berichtete die Presse darüber, dass Bette Midler – der große Star hinter dem Revival, deren Name genauso groß auf dem Plakat steht wie der Titel der Show – bei den Tonys nicht auftreten würde.

Statt in der Tony-Performance wenigstens Kate Baldwin (nominiert als beste Nebendarstellerin) und Gavin Creel (gewonnen: bester Nebendarsteller) auftreten zu lassen, entschied Scott Rudlin sich dazu, als provokante „Fuck you!“-Geste den Tony-Produzenten gegenüber absichtlich die aus dem Kontext gegriffen belangloseste Nummer der Show („Penny in My Pocket“) vor einem roten Vorhang zu performen.

© Theo Wargo

Ärgerlich ist das vor allem deshalb, weil ein Auftritt bei den Tonys für eine Show extrem teuer ist und „Hello, Dolly!“ sein Privileg, genug Geld für eine Performance zu haben, mit kindischem Trotz ausgenutzt hat. Einige Shows der vergangenen Broadway-Saison, die nur eine begrenze Spielzeit hatten, nicht viele (oder gar keine) Nominierungen erhielten oder bei den Kritikern nicht allzu gut wegkamen, hatten am Sonntag leider gar keine Tony-Performance – darunter „Anastasia“, „Amélie“, „Charlie and the Chocolate Factory“, „Sunday in the Park with George“ mit Jake Gyllenhaal und „Sunset Boulevard“. Was hätten manche dieser Shows vielleicht für die vier Minuten Sendezeit, die „Hello, Dolly!“ verschwendet hat, gegeben …

Dieses elitäre Selbstverständnis verlieh der Tatsache, dass das Revival von „Hello, Dolly!“ insgesamt vier Tonys gewann, zumindest für mich einen etwas unschönen Beigeschmack. Dass Bette Midler ohne Rücksicht darauf, dass die geplante Sendezeit sowieso schon überschritten war, ihre Rede ewig lang überzog, hätte meiner Meinung nach auch nicht sein müssen. Seit dem Moment, als ihre Teilnahme an dem Revival angekündigt wurde, stand sowieso schon fest, dass sie diesen Preis gewinnen würde. Im nächsten Jahr haben wir in der Kategorie hoffentlich wieder etwas mehr Spannung.

Hat sich die schlaflose Nacht gelohnt?

Die Broadway-Saison 2016/17 war eine der kreativsten und abwechslungsreichsten der jüngeren Vergangenheit. Wie Musical Theatre Mash das letzte Woche auf Youtube so schön gesagt hat: „War Paint“ stach als Sonderling aus allen neuen Stücken der Saison heraus, weil die Musik so „normal und traditionell“ ist. Dass so eine Show mal in der Minderheit ist, ist eigentlich ein schöner Indikator für die Vielfalt, die der Broadway im vergangenen Theaterjahr erlebt hat.

Leider wurde diese Vielfalt nicht ganz in den Ergebnissen der diesjährigen Tony-Verleihung reflektiert und die Preise wurden insgesamt sehr einseitig verteilt. Schade finde ich es außerdem schon seit Jahren, dass die Kreativpreise (wie Buch, Kostüme, Lichtdesign, Bühnendesign und Orchestrierung) während den Werbepausen verliehen werden und so vollkommen untergehen. Trotz einiger Enttäuschungen war es ein Erlebnis, bei den Awards einmal live mitzufiebern und die Tonys sind für mich nach wie vor die feierlichste Award-Show überhaupt. Je nachdem, wie die neue Broadway-Saison sich so entwickeln wird, bin ich im nächsten Jahr vielleicht wieder dabei!

© Joseph Marzullo

Folge Niklas auf seinem Musical-Blog www.theaterdistrikt.net

Beitragsbild: © Michael Zorn/Invision/AP

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Niklas Wagner

“Nothing takes you inside the soul of a human being like a musical does.” – Lisa Kron

Lieblings-Musical(s): „Fun Home“, „Parade“, „Next to Normal“ und „Titanic“
Lieblings-Komponist: Jeanine Tesori & Jason Robert Brown
Lieblings-Texter: Stephen Sondheim
Musical-Fan seit: „Elisabeth” in Stuttgart 2006
An Musicals fasziniert mich: … dass kein Stoff für die Musicalbühne zu ungeeignet ist. Ein Musical über Attentate auf US-Präsidenten? Na klar! Ein Musical über eine manisch-depressive Frau und ihre fast normale Familie? Unbedingt! Ein Musical über eine lesbische Comiczeichnerin und den Selbstmord ihres schwulen Vaters? COUNT ME IN!

  • Franny Lagemann

    Ich bin froh, dass auch hier jemand meine Meinung zu ‚Great Comet‘ teilt. Ich hätte ihnen auch Best Musical verliehen, kann in der Kategorie aber mehr akzeptieren dass es vielleicht mehr nach Inhalt und Momentum vergeben wird. Bester Score und beste Orchestrierung hätten aber absolut an Great Comet gehen sollen, was eigentlich vom Soundtrack allein hätte klar sein sollen. Wahrscheinlich haben sich die Tony Wähler zu sehr von dem weitreichenden Erfolg von Evan Hansen mitreißen lassen und wollten ihm unbedingt mehr Tonys auf den Weg geben …