Ist es nun die finale Ausgabe der neu aufgelegten „Sailor Moon“-Musicals oder nur der Abschluss der fünf Akten, die die klassische Geschichte rund um die Kriegerinnen für Liebe und Gerechtigkeit umfasst? Zumindest wär ein völlig neues Sera Myu ein Traum – zunächst schauen wir uns aber den finalen Kampf um das Universum genauer an.

Eigentlich will Usagi Tsukino (Hotaru Nomoto) nur ihren Mamoru (Yuuga Yamato) nach Amerika verabschieden. Doch nach seinem Hochzeitsantrag wird Mamoru Chiba von Galaxia (Coco Isuzu) aus unserer Welt entrissen. Daran kann sich Usagi zwar nicht erinnern, doch das ist nicht das einzige Mysteriöse an diesem Tag: Als Haruka Tenoh (Shuu Shiotsuki) beim Abklatsch auf einer Festivalbühne Seiya Kou (Meiku Harukawa) die Hand reicht, spürt sie eine seltsame Macht.

Bald tauchen eine Reihe neuer Sailorkriegerinnen auf und sie führen nichts Gutes im Schilde – und schon verschwinden Ami Mizuno (Yume Takeuchi) und Makoto Kino (Kaede) dramatisch aus unserer Welt, ein wenig inszeniert, als Han Solo einst in „Star Wars“ in Carbon einfror wurde …

Noch eine Referenz für Sci-Fi-Fans

„Le Mouvement Final“ besticht mit allerlei technischen Spielereien. So werden die magischen Attacken der mit Hilfe der Backscreens wiedergegeben, wo auch ein eigens gedrehtes Filmchen für Sailor Cosmos (Satomi Okubo) läuft. Die Attacken werden von entsprechenden Sounds unterstützt. Leider muss man sagen, dass sowohl bei den Auftritten in Tokio und Osaka (in Nagoya war KULTURPOEBEL.de nicht vor Ort) viel zu hoch gepegelt waren. Im Vorfeld wurde das karge Bühnenbild jedes Jahr stark kritisiert, „Le Mouvement Final“ machte aber definitiv das Beste daraus. Stark choreographiert ist der Kampf der Outer Senshi – wobei der Orkan der Gegenseite an eine Tumultszene aus dem „Raumschiff Enterprise“ erinnert.

Auch, wenn sich „Le Mouvement Final“ sich stark an den Manga hält, wurden einige beliebte Szenen aus dem Anime übernommen, darunter, dass Usagi nach Rei Hino (Karen Kobayashi) pfeift, damit diese angerast kommt – was bei der finalen Show kein Rasen, sondern müdes Klettern mehr war. Die gemeinsame Todesszene von Haruka und Michiru Kaioh (Sayaka Fujioka) wurde ebenfalls adaptiert. Aufgrund der vielfältigen Elemente fehlt allerdings ein wenig der Raum, damit die einzelnen Szenen und Details wirken können. Und auch, wenn der Revueteil erstmals nach dem Stück statt einem Curtain Call stattfand, um noch einmal allen Songs gerecht zu werden, so frisst dieser doch eben einen Zeitraum auf, den man mit Storyentwicklung hätte füllen können. Sei‘s drum – das japanische Publikum war so oder so schon in Tränen. Besonders emotional dabei: Rei und Minako Aino (Rimo Hasegawa) kümmern sich um Usagi, als diese vor Trauer um ihre Freundinnen zusammenbricht.

Humorvolle Augenblicke kommen auch nicht zu kurz: etwa, wenn Haruka und Michiru wieder flirten und es den Inner Senshi plötzlich viiiiel zu warm ist.

 

Die Kleinsten ganz groß

Aus dem Cast sticht vor allem eine der Jüngsten heraus – Airi Kanda, dabei seit 2014, tanzt souverän als Chibiusa einige ihrer Kolleginnen an die Wand. Aber auch die Three Lights / Starlights überzeugten: Yaten Kou (Saki Matsuda) ist schnippisch as schnippisch gets, Riona Tatemichi kehrt völlig zurecht bereits ein drittes Mal zum Sera Myu zurück, dieses Mal als Taiki Kou. Die ehemalige Takarazuka-Revue-Darstellerin Iriya Yuuto (Sailor Lead Crow) beeindruckt gesanglich ebenso wie Opernsängerin Asami Okamura als Prinzessin Kakyuu und Galaxia bei ihrem für sie üblichem Rocksong. Coco Isuzu blieb zudem stets in ihrer Rolle und wünschte bei der finalen Show jedem im Publikum den Tod. In der Doppelrolle der Chibi Chibi, Hinari Yamaguchi und Chise Niitsu, die wir glücklicherweise beide erleben durften, gefiel jedes Mal der eigene Song von neuem.

Wer kein Problem mit einer sich etwas ziehenden zweiten Hälfte hat, dem sei zur DVD-Vorbestellung geraten. Diese erscheint am 14. März 2018. Für 2018 wurde übrigens letzte Woche bekannt gegeben, dass eine Sera-Myu-„Performance Show“ nach Frankreich kommen soll, zur Feier der japanisch-französischen Freundschaft. Wir sind gespannt auf weitere Infos!

 

„Le Mouvement Final“

Uraufführung: 08.09.2017 (AiiA 2.5 Theater, Tokio)

Besuchte Vorstellungen: 18.09.2017 (AiiA 2.5 Theater, Tokio), 01.10.2017 (Umeda Arts Theater, Osaka)

Buch & Produktion: Takuya Hiramitsu

Musikalische Leitung: Toshihiko Sahashi

Besetzung: Hotaru Nomoto („Usagi Tsukino“), Yume Takeuchi („Ami Mizuno“), Karen Kobayashi („Rei Hino“), Kaede („Makoto Kino“), Rimo Hasegawa („Minako Aino“)