Philipp Büttner studierte als Stipendiat des Deutschen Bühnenvereins Musical an der Bayerischen Theaterakademie August Everding. Seine erste Rolle in einer professionellen Musicalproduktion erhielt er bereits während seines Studiums 2012 an der Felsenbühne Staatz als Frederick Barrett in der österreichischen Erstaufführung von „Titanic“.

Es folgten Engagements als Simon in „Jesus Christ Superstar“ am Gärtnerplatztheater München, Clyde in der deutschsprachigen Erstaufführung von Frank Wildhorns „Bonnie und Clyde“ am Theater Bielefeld, Che in „Evita“ am Staatstheater Oldenburg, Tybald/Envolio in „Romeo und Julia“ bei den Thunerseespielen, Bruno Lubanski in „Das Wunder von Bern“, Tony in „West Side Story“ in Magdeburg und Goehte in der Try Out-Produktion von „Goethe – Auf Liebe und Tod“ in Essen. Neben der Rolle als Johnny in „American Idiot“ ist er derzeit als Erstbesetzung des Aladdin in dem gleichnamigen Musical im Theater Neue Flora in Hamburg zu sehen.

KULTURPOEBEL: Philipp, wann und wie bist du zum ersten Mal mit dem Musical AMERICAN IDIOT in Berührung gekommen? Was war dein erster Gedanke, als du von der Musical-Adaption gehört hast?

Philipp: Ich habe AMERICAN IDIOT zum ersten Mal wahrgenommen, als ich den Tony Awards-Auftritt der Broadway-Produktion auf YouTube gesehen hab. Ich habe als Jugendlicher viel Green Day gehört, hatte aber schon länger nicht mehr an die Band gedacht. Ich war also erstmal überrascht, weil ich mir nicht vorstellen konnte, wie man aus den Songs von Green Day eine Story baut und dann ein Musical daraus macht. Aber ich wurde schnell eines besseren belehrt und habe gesehen, wie gut das funktionieren kann.

© Agnes Wiener/Niklas Wagner

KULTURPOEBEL: Green Day haben das Album AMERICAN IDIOT im Kontext der George W. Bush-Ära und der Post 9/11-Zeit geschrieben und das Zeitgefühl der damaligen Geschehnisse auch in das Musical einfließen lassen, welches immerhin schon vor fast 10 Jahren Premiere am Broadway feierte. Was macht AMERICAN IDIOT für dich auch heute noch aktuell?

Ich glaube in Zeiten von Trump, Instagram/Facebook/Twitter und militärischen Konflikten auf der ganzen Welt ist das Musical genau so aktuell wie damals, wenn nicht sogar noch aktueller. Die Suche nach der eigenen Identität ist der zentrale Punkt des Stücks. „Wer bin ich?“ und „Was will ich?“ sind die entscheidenden Fragen, die die Protagonisten in AMERICAN IDIOT versuchen zu beantworten und die stellen wir uns natürlich auch oft.
Viele junge Menschen verlieren durch die sozialen Medien immer leichter den Bezug zur Realität. Viele Likes zu bekommen ist wichtiger als echte menschliche Beziehungen. Man protzt auf Instagram und Co. um die Wette, auch wenn das nicht der Realität entspricht.
Durch die Fülle an unterschiedlichsten Nachrichten ist es außerdem immer schwerer sich eine eigene Meinung zu bilden, da man teilweise gar nicht mehr zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden kann, vor allem in Zeiten von sogenannten „Fake News“. So fühlen sich viele Menschen verloren in der heutigen Gesellschaft und diese Probleme greift das Musical auf.
Um einen Ausweg aus seiner verzweifelten Situation zu finden, stürzt sich Johnny in Drogen – ein weiteres Thema, das heute sehr aktuell ist. Anfang 2018 wurde in den USA sogar der Notstand ausgerufen, weil illegale Drogen ein immer größeres Problem in Amerika darstellen.

KULTURPOEBEL: Was macht die Rolle des „Johnny“ für dich aus? Kannst du dich mit ihm identifizieren?

Anfangs dachte ich, dass Johnny und ich nicht viele Gemeinsamkeiten haben, aber als ich mich mehr mit der Rolle beschäftigt habe, änderte sich das sehr schnell.
Johnny ist auf der Suche nach seiner eigenen Identität und nach einem Sinn für sein Leben. Am Anfang der Geschichte beschließt er die Kleinstadt, in der er aufgewachsen ist, zu verlassen und der konservativen Gesellschaft zu entfliehen. In der Großstadt angekommen erfährt er, dass das Leben dort nicht einfacher ist und er stürzt sich in Drogen und Alkohol.

Was ich mit Johnny gemeinsam habe, ist der Wunsch der Antriebslosigkeit zu entfliehen und einen Sinn im Leben zu finden. Auch wenn wir glücklicherweise unterschiedliche Wege dafür gewählt haben.

KULTURPOEBEL: Neben deinem Engagement bei AMERICAN IDIOT stehst du gleichzeitig fast jeden Abend als Erstbesetzung des ALADDIN in Hamburg auf der Bühne. Wie schwer ist es für dich, zwischen den sehr unterschiedlichen Rollen zu wechseln?

Natürlich könnten beide Rollen/Stücke nicht unterschiedlicher sein. Aber genau darin liegt für mich der Reiz, beides parallel spielen zu dürfen. Ich merke sogar, wie sich die Stücke gegenseitig bereichern. Am meisten freue ich mich darüber, dass die Musik so unterschiedlich ist und ich an einem Tag Punk-Rock singen darf und am nächsten Disney-Pop auf dem fliegenden Teppich.
So viele verschiedene Texte, Songs und Choreografien gespeichert zu haben, ist zum Glück kein großes Problem. Spätestens wenn der erste Orchester/Band-Ton erklingt, weiß der Körper genau, was er machen muss.

© Stage Entertainment

KULTURPOEBEL: Hast du eine Lieblings-Szene/einen Lieblings-Song in AMERICAN IDIOT? Was macht sie für dich persönlich so besonders?

Es gibt eine Szene, in der Johnny Whatsername zu ihrem ersten Heroin-Konsum verführt. Dort liege ich im Rausch auf der Bühne und kann dem unglaublich schönen Song „Last Night on Earth“ („Letzte Nacht der Welt“) lauschen. In dem Lied singt das ganze Ensemble einen unglaublich schönen mehrstimmigen Satz und ich genieße es in jeder Vorstellung unglaublich einfach auf dem Boden zu liegen und den Kollegen zuhören zu dürfen.
Ein weiterer Höhepunkt für mich ist der Song „Wake me up when September ends“ („Weckt mich auf, wenn der Herbst beginnt“, in dem Johnny endlich erkennt, dass er sein Leben ändern muss.

KULTURPOEBEL: Wie geht es nach der Derniere von AMERICAN IDIOT am 10.05.2018 für dich weiter?

Ich bleibe erst mal bei ALADDIN und gebe parallel immer mehr Konzerte, was mir sehr viel Spaß macht. Außerdem habe ich das große Glück Ende des Jahres als Tony in „West Side Story“ in Dortmund dabei zu sein.

Philipp Büttner ist noch bis zum 10.05.2018 als Johnny in AMERICAN IDIOT zu sehen. Mehr Infos und Tickets findet ihr hier.

Beitragsbild: © Agnes Wiener/Niklas Wagner

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Agnes Wiener
"The musicals that leave us kind of staggering on our feet are the ones that really reach for a lot." - (Lin-Manuel Miranda)

Lieblings-Musical(s): „Hamilton”, „Finding Neverland“, „Schikaneder“, „Tanz der Vampire“ und meine guilty pleasure „Der Schuh des Manitu"
Lieblings-Komponist: Lin-Manuel Miranda, Stephen Schwartz
Lieblings-Texter: Lin-Manuel Miranda
Musical-Fan seit: „Der König der Löwen” (Hamburg)
An Musicals fasziniert mich: Die unendlichen Möglichkeiten in diesem Genre - ob unterschiedliche Musikstile oder interessante Erzählweisen. Der Phantasie, verschiedenste Stoffe mit den Mitteln Tanz, Gesang und Schauspiel auf die Bühne zu bringen, sind keine Grenzen gesetzt.