Von unseren Autor*innen Anna, Nadine und Hardy.

Während Stage Entertainment gerade zum gefühlt 500. Mal die Vampire ihr Unwesen treiben lässt, haben wir unseren Wunschzettel für das Musicaljahr 2019 zusammengestellt. Natürlich wissen wir, dass nicht jeder Wunsch in Erfüllung gehen kann – aber wir werden ja noch träumen dürfen, oder nicht?

Wunsch 1: „Finding Neverland“ kommt nach London

© Carol Rosegg

Wenn es nach uns ginge, würden wir schon 2019 „Finding Neverland“ in London erleben können. Dieses wunderschöne Musical mit eingängigen Melodien ist an wahre Begebenheiten angelehnt und erzählt die Geschichte des Schriftstellers J.M. Barrie und die Entstehung seines berühmtesten Werkes „Peter Pan, or the Boy Who Wouldn’t Grow Up“. Ein Theaterstück von 1998 und nicht zuletzt der Kinofilm aus dem Jahre 2004 – in Deutschland unter dem etwas sperrigen Titel „Wenn Träume fliegen lernen“ bekannt – dienten als Vorlage für das Musical .

Geht unser Wunsch in Erfüllung?

Angekündigt ist es jedenfalls, wenn auch etwas später. Tatsächlich soll „Finding Neverland“ ab 2020 in London spielen. In welchem Theater das Stück aufgeführt wird, ist noch unklar. Etwas ungeduldig sind wir allerdings, denn eigentlich war das Musical dort schon für 2017 angekündigt. Unklar ist auch, wer „Finding Neverland“ produzieren wird. Der bisherige Produzent Harvey Weinstein übernimmt diese Aufgabe wohl nicht.


Wunsch 2: „Newsies“ kommt nach London, Wien oder Deutschland

© Deen van Meer

Auch „Newsies“ ist ein Musical basierend auf einem Film – in diesem Fall einem Disneyfilm aus dem Jahre 1992, der den Streik der Zeitungsjungen von 1899 thematisiert. Dass der Film nicht den Bekanntheitsgrad manch anderer Disney-Filme erreicht hat, sagt in diesem Fall nichts über die Qualität des Musicals aus. Denn mit der Musik von Alan Menken, einem Buch von Harvey Fierstein und den mitreißenden Choreographien Christopher Gattellis ist aus „Newsies“ ein sehenswertes Tanzmusical geworden, welches wir uns auch gut in London, Wien oder Deutschland vorstellen können.

Geht unser Wunsch in Erfüllung?

Offenbar schon. In London nimmt sich die hier eher unbekannte Original Kids Theatre London Company dem Musical an. Aufführungen sind vom 9. bis 13. Januar 2019 geplant. (Mehr Infos dazu findet ihr hier.) Gerüchte um eine große West-End-Produktion kursieren immer mal wieder, bisher gibt es aber noch keine konkreten Ankündigungen. Für Wien oder Deutschland schätzen wir unsere Chancen allerdings eher schlecht ein, denn in Deutschland scheint der große Disneymusical-Hype langsam beendet und bei den VBW sind seit geraumer Zeit vor allem Jukebox- und Andrew Lloyd Webber-Stücke zu sehen.


Wunsch 3: „Mame“ kommt ins Londoner West End

© Hope Mill Theatre

Dieses Broadway-Musical von 1966 mit Musik und Text von Jerry Hermann wird ab 2019 in Manchester gespielt. Gerne würden wir die dortige Inszenierung mit Tracie Bennett in der Titelrolle auch am Londoner West End bewundern. Erzählt wird die Geschichte von Mame Dennis, die sich nach der Großen Depression von 1929 über Wasser halten und ihren Neffen aufziehen muss.

Geht unser Wunsch in Erfüllung?

Leider wohl nicht. Tatsächlich wurde „Mame“ bereits in London aufgeführt – im Jahr 1969! Unserer Meinung nach sollte 50 Jahre nach der letzten Inszenierung in England allerdings genug Zeit verstrichen sein, um über eine Wiederaufnahme nachzudenken. Über eine solche gibt es aber im Moment keinerlei Informationen.


Wunsch 4: London bleibt trotz Brexit ein erreichbares Ziel für Musicalfans

© Splitshire

London ist bekanntlich immer eine Reise wert, aber so viele Premieren und neue Musicalproduktionen, wie sie für 2019 in Planung sind, hat es schon lange nicht mehr gegeben. Somit sind „Waitress“, „Come From Away“ und „Dear Evan Hansen“ nur ein paar der vielen Gründe, warum wir den Brexit absolut nicht wollen und uns wünschen, dass er nicht ganz so hart ausfällt.

Geht unser Wunsch in Erfüllung?

Wie der Brexit sich auf zukünftige Musicalbesuche in London auswirken wird, darüber lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nur spekulieren.


Wunsch 5: Lin-Manuel Miranda übernimmt die Rolle des „Hamilton“ in London

© Theo Wargo

Natürlich kreiert jeder Darsteller des Alexander Hamilton seine ganz eigene Interpretation der Rolle, dennoch würden wir Einiges dafür geben, den „Hamilton“-Schöpfer Lin-Manuel Miranda einmal in der Titelrolle am West End erleben zu können – und sei es nur für eine Sondershow.

Geht unser Wunsch in Erfüllung?

Wir geben die Hoffnung nicht auf. Dass Miranda in nächster Zeit in dieser Rolle in Puerto Rico zu sehen sein wird (mehr Infos hier), zeigt zumindest die Realisierbarkeit unseres Wunsches. Infos über einen Auftritt am Londoner West End gibt es aber bisher nicht.


Wunsch 6: „Wicked – Der Film“

Ebenso wie „Finding Neverland“, welches in London schon seit langer Zeit angekündigt wird, aber bisher noch nicht realisiert wurde, ist auch der „Wicked“-Film oft Gegenstand von Diskussionen und Spekulationen gewesen. 2019 wird zwar erst einmal die Verfilmung von „Cats“ über die Kinoleinwände flimmern, aber vielleicht konkretisieren sich die Pläne zur Verfilmung von „Wicked“ nächstes Jahr endlich zu einem ernst zu nehmenden Projekt.

Geht unser Wunsch in Erfüllung?

Alles deutet darauf hin. Auch, wenn „Cats“ zunächst der Vorzug gegeben wurde und sich das Erscheinungsdatum des „Wicked“-Filmes (wieder einmal) verschoben hat, steht mittlerweile sogar der Regisseur fest. Stephen Daldry, bekannt u. a. als Regisseur des erfolgreichen „Billy Elliot“, wird wohl diese Verantwortung übernehmen. Der Film selbst ist nun für 2020 geplant. (Mehr Infos hier.)


Wunsch 7: Das WERK7 Theater bringt die professionelle deutschsprachige Erstaufführung von …

© Stage Entertainment

„Heathers“, „Bring It On“, „Mean Girls“ … So viele Stücke, die sich perfekt dazu eignen würden, die Sportmatten und Springböcke von „Fack ju Göhte“ im WERK7 Theater in München zu beerben. Für Februar 2019 ist zwar schon „Amélie“ angekündigt, aber wir sind so begeistert vom neuen Theater in München, dass wir gar nicht aufhören können, uns das ein oder andere Lieblingsstück auf Deutsch dort zu wünschen.

Geht unser Wunsch in Erfüllung?

Erst einmal wohl nicht, aber wir sehen auch „Amélie“ mit Spannung entgegen!


Wunsch 8: „Groundhog Day“ kommt nach Deutschland

© Joan Marcus

Der Film mit Bill Murray in der Hauptrolle – in Deutschland unter dem Titel „Und täglich grüßt das Murmeltier“ bekannt –  genießt immer noch Kultstatus. 2016 und 2017 wurde die Geschichte zunächst in London, später auch am Broadway als Musical gezeigt. Dieses begeistert mit pointierten Dialogen, klugen Texten und gefühlvoller, wenn auch nicht allzu eingängiger Musik (Buch: Danny Rubin; Musik und Texte: Tim Minchin). Liebevoll gestaltete Charaktere und ein gut durchdachtes Bühnenbild runden das äußerst sehenswerte Stück ab.

Geht unser Wunsch in Erfüllung?

Bisher gibt es dazu noch keine Informationen. Wir könnten uns aber vorstellen, dass dieses Musical auch für viele Zuschauer in den nicht ganz so stark von Musicals frequentierten Theatern wie dem Musical Dome in Köln oder dem Theater am Marientor (Duisburg) sorgen könnte.


Wunsch 9: „The Lord of the Rings“ kommt nach Wien

© Graeme Robertson

Das Musical, welches auf dem weltberühmten Roman von J.R.R. Tolkien basiert, war nach Spielzeiten in Toronto und London auch kurzzeitig für Köln in Planung. Gut vorstellen können wir uns das Stück, dass sich nicht nur durch aufwendige Kostüme, beeindruckende Lichteffekte und ungewöhnliche, aber nicht unpassende Musik (Musik: A. R. Rahman; Christopher Nightingale; Värttinä) stark von anderen Musicals abhebt, aber am besten im Wiener Ronacher. Dort spielt schließlich das exzellente Musicalorchester der Vereinigten Bühnen Wien; außerdem haben die VBW spätestens mit der letzten „Tanz der Vampire“- Inszenierung bewiesen, dass sie großen Wert auf qualitätvolle Ausstattungen der dort gespielten Musicals legen.

Geht unser Wunsch in Erfüllung?

In nächster Zeit wohl leider eher nicht. Derzeit wird im Wiener Ronacher „Bodyguard“ gespielt, ab September steht „Cats“ auf dem Spielplan. Auch ins Raimund Theater wird „The Lord of the Rings“ es erst einmal nicht schaffen können, denn das Theater wird ab 2019 wegen Renovierungsarbeiten geschlossen sein.


Wunsch 10: „The Book of Mormon“ wird in einer deutschen Übersetzung aufgeführt

© Joan Marcus

Wir geben es zu: Dieser Wunsch ist durch pure Neugier motiviert. „The Book of Mormon“ auf Deutsch?! Kann das funktionieren und wenn ja, wie? Eine deutsche Inszenierung dieses Musicals wäre nicht nur aufgrund einiger schwer zu übersetzender Wortspiele risikoreich, denn schließlich ist auch der oft derbe Humor der South Park-Macher Trey Parker und Matt Stone, die Musik und Buch in Zusammenarbeit mit Robert Lopez verfassten, nicht jedermanns Sache. Hinzu kommt, dass die Religion der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in Deutschland nicht so bekannt ist wie in England oder gar den USA. Wegen all dieser Gründe sind wir gespannt, ob „The Book of Mormon“ in Deutschland genauso gut funktionieren kann wie etwa in London oder am Broadway.

Geht unser Wunsch in Erfüllung?

In nächster Zeit wohl nicht, jedenfalls ist bisher keine Inszenierung in deutscher Übersetzung geplant.


Titelbild: © Carol Rosegg

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Anna Seifert
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber es unmöglich ist, zu schweigen.“ (Victor Hugo)

Lieblings-Musical(s): „We Will Rock You“, „Sweeney Todd“
Lieblings-Komponist: Stephen Sondheim
Lieblings-Texter: Stephen Sondheim, Tim Minchin
Musical-Fan seit: …ich mit 12 Jahren „Starlight Express” in Bochum sah.
An Musicals fasziniert mich: Die Vielfältigkeit der behandelten Themen sowie die Möglichkeit, eine Geschichte durch Tanz, Gesang und Schauspiel gleichzeitig erzählen zu können.