Die Diskussionen in den Online-Foren ist schlichtweg endlos, wenn es darum geht, welche Stücke man demnächst bei Stage Entertainment oder Mehr-BB Entertainment sehen möchte, sodass viel zu oft die Spielpläne der Stadttheater außer Acht gelassen werden. Und dabei besuchen wir vermutlich sehr viel öfter das ein oder andere Stadttheater, als uns eine En-Suite-Produktion zu gönnen.

Noch dazu gibt es so viele tolle Musicals, die mit wenig Aufwand und ein wenig Kreativität auch hervorragend auf deutschen Stadttheater-Bühnen funktionieren können. In meinen Augen ist die Stückauswahl in den letzten Jahren sehr viel interessanter und mutiger geworden und besteht inzwischen aus mehr als nur „My Fair Lady“. Oder hätte sich jemand vor ein paar Jahren noch „Hedwig and the Angry Inch“, „Next to Normal“, „Hairspray“ oder „The Producers“ abseits eines SE-Theaters vorstellen können?

Und doch habe ich immer noch Stücke, egal ob Klassiker oder brandneu vom Broadway, die ich mir für Deutschland wünsche und – noch wichtiger – von denen ich auch denke, dass sie umsetzbar wären. Hier also ein kleiner Ausschnitt aus meinem Wunsch-Spielplan!

The Prom

Als ich „The Prom“ in New York gesehen habe, habe ich mich sofort in dieses Feel-Good-Musical und dessen Handlung rund um zwei Broadway-Stars, die den Abschlussball eines lesbischen Pärchens retten wollen und mit geballter Broadway-Star-Power eine ganze Kleinstadt auf den Kopf stellen, verliebt. Auch meine Traumbesetzung bestehend aus Pia Douwes und Uwe Kröger als Dee Dee Allen und Barry Glickmann geht mir nicht mehr aus dem Kopf!

The Band’s Visit

Ein relativ simples Musical mit bedeutungsschwerer Message. Und wenn Tony Shalhoub ohne auch nur einen Ton zu singen, den Tony-Award als Bester Hauptdarsteller in einem Musical einheimsen kann, dann können wir in Deutschland so etwas doch sicherlich auch umsetzen.

Little Miss Sunshine

Ein Musical, welches ich nicht als den größten Wurf bezeichnen würde und schon gar nicht als eines meiner Lieblingsmusicals, aber ich hatte so unglaublich viel Spaß, als ich das Stück gesehen habe, dass es doch einen sehr bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Warum es in dieser Liste auftaucht? Es ist endlich ein Stück, in dem auch deutsche Kinderdarsteller glänzen können.

A Very Potter Musical

„Harry Potter und das verwunschene Kind“ startet nächstes Jahr in Hamburg und man merkt, dass der Hype rund um Harry Potter immer noch enorm ist. Der Irrglaube, dass es sich um ein Musical handelt, hält sich allerdings immer noch hartnäckig. Dabei gibt es – in meinen Augen – nur ein wahres Potter-Musical und das ist „A Very Potter Musical“. Darren Criss (bekannt aus „Glee“) war an diesem Musical maßgeblich beteiligt, als er auf der Uni war, und wurde damit berühmt. Vor allem für Amateurproduktionen oder Musical-Abschlussjahrgänge könnte ich mir dieses Stück perfekt vorstellen!

Pippin

Wer mich kennt, weiß, dass „Pippin“ einen ganz großen Platz in meinem Herzen hat. Das Stück von Stephen Schwartz hat nun auch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel und ist trotzdem zeitlos mit seiner Handlung und Botschaft. Und nachdem wir das Stück auch schon in einem kleineren Rahmen gesehen haben, wissen wir, dass man nicht gleich den halben Cirque du Soleil auf die Bühne stellen muss – wie beim Broadway-Revival 2013 – damit dieses Stück funktioniert.

Company

Das Musical von Stephen Sondheim erlebt nach seiner grandiosen Neuinszenierung von Marianne Elliott momentan ein Revival und wurde soeben für den Broadway angekündigt. Auch in Deutschland läuft es dieses Jahr in Hildesheim am Theater für Niedersachsen, allerdings in der ursprünglichen Version, in der Bobby noch der männliche Bobby ist und nicht die weibliche Bobbie. Da ich ein großer Fan von Gender-Swap bin, sei es nun der Leading Player in „Pippin“ oder ganz aktuell Judi Dench in der Verfilmung von „Cats“, wo sie die Rolle des eigentlich männlichen Old Deuteronomy einnimmt, würde ich mich hier so freuen, wenn man auch in Deutschland viel öfter überlegt, welche Rollen vielleicht auch vom anderen Geschlecht gespielt werden könnten.

Once on This Island

Ebenfalls ein Klassiker, der am Broadway vor Kurzem wiederentdeckt wurde und mit viel kreativen Einfällen bei mir punkten konnte. Vor allem, dass dieses Musical auf einfachste Art und Weise eine Geschichte von einem Mädchen und der Liebe erzählt, eröffnet viele Möglichkeiten, dieses Musical zu inszenieren.

The Color Purple

Hier habe ich länger überlegt, ob „The Color Purple“ wirklich in dieser Liste aufgeführt werden kann. Schließlich wollte ich möglichst realistisch an die Sache herangehen und vor allem die Besetzung, die ausschließlich aus Afroamerikanern besteht, ist doch sehr spezifisch und für ein deutsches Stadttheater mit bestehendem Ensemble nicht ganz so leicht zu stemmen. Da die Hoffnung jedoch bekanntlich zuletzt stirbt, habe ich beschlossen, das Musical nach dem gleichnamigen Roman von Alice Walker und dem Film mit Whoopi Goldberg mit aufzuführen.

Pompeji

Nach so vielen internationalen Hits wollte ich auch ein deutschsprachiges Musical auf die Liste aufnehmen, welches seit Jahren auf seine Uraufführung wartet. Die stark besetzte CD-Aufnahme von „Pompeji“ hat nun doch tatsächlich schon über 10 Jahre auf dem Buckel und bringt musikalisch einiges mit, was im deutschsprachigen Raum sehr erfolgreich laufen könnte. Umso trauriger, dass eine Bühnenversion mit den Jahren immer unwahrscheinlicher wird.

Come From Away

Wohl momentan der Renner, sowohl in New York als auch in London. Das Musical rund um Flugzeuggäste, die am 11. September 2001 aufgrund der Terroranschläge in Neufundland stranden, bewegt momentan wohl jeden. Dabei ist das Musical so simpel und die Handlung so international, dass es alles mitbringt, um auch auf deutschen Bühnen ein Erfolg zu werden.

Girl from the North Country

Nachdem „Lazarus“ von David Bowie die Stadttheater regelrecht überschwemmt hat, halte ich auch „Girl from the North Country“ mit der Musik von Bob Dylan für ein kleines Juwel für deutsche Stadttheater. Zwar handelt es sich hier offiziell um ein Theaterstück mit Musik und nicht um ein Musical, aber das sehen wir mal nicht so eng.

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Nadine Jobst
"What if life were more like theatre? Wouldn't that be grand?" - (Neil Patrick Harris)

Lieblings-Musical(s): „Wicked“, „Pippin“, „Hamilton“
Lieblings-Komponist: Stephen Schwartz
Lieblings-Texter: Lin-Manuel Miranda
Musical-Fan seit:„Wicked“ (Stuttgart)
An Musicals fasziniert mich: Like a handprint on my heart... Dass mir Musik ein unbeschreibliches Gefühl, mir Texte eine wilde Idee und mir eine schlichte Inszenierung einen Gedanken geben können, welche mich aus dem Theater hinaus in den Alltag begleiten.