Maya Hakvoort kennt die bedeutendsten Musicalbühnen im deutschsprachigen Raum wie ihre eigene Westentasche: Seit den 1990er Jahren spielt die sympathische Niederländerin die größten Musical-Rollen, welche die Branche zu bieten hat: Elisabeth am Theater an der Wien (sowie auf der Japan-Tournee), Fantine in „Les Misérables“ (Duisburg), Rose Vibert in „Aspects of Love“ (Bern), Mrs. Danvers in „Rebecca“ am Theater St. Gallen, Evita am Theater Baden bei Wien oder auch Norma Desmond in „Sunset Boulevard“ und Grizabella in „Cats“ auf der Freilichtbühne Tecklenburg. Darüber hinaus tritt sie regelmäßig mit ihren eigenen Solo-Programmen auf. Momentan spielt sie die Rolle der Diana Goodman im Musical „Next to Normal“ im Opernhaus Dortmund. Wir haben ihr zu ihrem aktuellen Engagement ein paar Fragen gestellt:

Kulturpoebel.de: Frau Hakvoort, Sie spielen momentan am Theater Dortmund in „Next to normal“. Wann sind Sie zum ersten Mal mit diesem Stück in Berührung gekommen?

Maya Hakvoort: Als mein Musical-Kollege Andreas Bieber mich auf das Vorsingen aufmerksam gemacht hat. Ich bin sofort auf YouTube gegangen, habe mir einige Songs angehört und war hin und weg. Ich dachte nur noch: Das will ich machen!

Kulturpoebel.de: Was hat Sie an der Rolle der Diana Goodman und dem Musical an sich gereizt?

Maya Hakvoort: Definitiv das komplexe Thema! Außerdem die wunderbare Musik mit dem modernen Klang und der Phrasierung. Darüber hinaus habe ich mich gefreut, wieder mit dem Regisseur Stefan Huber, mit dem ich vor 17 Jahren in Bern schon „Aspects of Love“ gemacht habe, zusammenarbeiten zu dürfen.

Maya Hakvoort als Diana Goodman © Björn Hickmann / Stage Picture
Maya Hakvoort als Diana Goodman © Björn Hickmann / Stage Picture

Kulturpoebel.de: Diana ist eine manisch-depressive Ehefrau und Mutter. Im Vorfeld der Premiere haben Sie Gespräche mit bipolaren Patienten geführt. Inwiefern hat dieser Austausch Ihre Darstellung beeinflusst?

Maya Hakvoort: Der Austausch hat mich sehr beeinflusst. Wenn man mit den Patienten redet, möchte man am liebsten alle heilen. Es ist so eine traurige Krankheit, die viel mehr Vorgeschichte hat, als man glaubt. Vieles hat seinen Ursprung in traumatischen Erfahrungen, dem Verlust eines Familienmitglieds, Mobbing oder einfach nur fehlendem Selbstwertgefühl! Die Gespräche mit den Ärzten und Patienten hat uns viel Einsicht in die Krankheit gegeben.

 

Kulturpoebel.de: Sie vollführen einen absolut beeindruckenden schauspielerischen Kraftakt. Wie leicht oder schwer ist es für Sie, diese Rolle nach einer Vorstellung abzustreifen und wieder Maya Hakvoort zu sein?

Maya Hakvoort: Da Diana sich am Ende löst und einen Weg findet, mit dieser Situation umzugehen und sie zu verarbeiten, geht es mir dann am Schluss der Vorstellung sehr gut und ich bin erleichtert. Ein gutes Gespräch in der Kantine mit meinen Kollegen bringt mich dann wieder in meine eigene Welt und hilft mir dabei, mich jeden Tag darüber zu freuen, dass ich gesund bin und eine heile Familie habe.

Kulturpoebel.de: Man hatte den Eindruck, dass die Dortmunder „Next to normal“-Cast sich auch persönlich untereinander super versteht. Inwiefern ist das bei einem so intimen Stück wichtig?

Maya Hakvoort: Es ist immer wichtig, aber bei „Next to Normal“ ganz besonders. Wenn man über Selbstwert redet, dann sind Respekt und Anerkennung das erste was man den Kollegen entgegen bringen sollte. Rob Fowler hatte die wunderbare Idee, gemeinsam mit Eve Rades (spielt Nathalie, die Tochter von Diana Goodman; Anm. d. Redaktion) und mir eine gemeinsame Unterkunft zu suchen. Dort haben wir sechs Wochen wie eine kleine Familie gelebt. Wir probten, aßen zusammen, redeten über Gott und die Welt und bereiteten unsere Szenen vor. Das war großartig.

© Björn Hickmann / Stage Picture
© Björn Hickmann / Stage Picture

Kulturpoebel.de: Sie haben in Ihrer Karriere so viele unterschiedliche Charaktere gespielt. Wie erarbeiten Sie die Rollen?

Maya Hakvoort: Meistens gibt es viel zu lesen oder zu sehen über die Persönlichkeiten, die ich gespielt habe: Romane, Biographien oder auch Filme. Dann bekommt man das Skript mit der Musik, welches viele Informationen beinhaltet. Man sucht die Parallelen zu der Rolle bei sich selbst und vergrößert sie. Wenn man bestimmte Eigenschaften nicht kennt, sucht man sie bei anderen Schauspielern, Idolen oder anderen Menschen aus seinem Leben und integriert sie in seine Darstellung.

Kulturpoebel.de: Sie haben die Rolle der Elisabeth jahrelang in Wien gespielt, nicht nur in der Ur-Inszenierung, sondern auch der Wiederaufnahme von 2003. Was hat Sie an dieser Rolle so stark fasziniert?

Maya Hakvoort: Dass man alle Facetten des Lebens durchspielen darf: Von 14 bis fast 61 Jahren – Jugend, Idealismus, Verliebtheit, Enttäuschung, Kinderbekommen, gesundheitliche Probleme, dadurch fanatischer Fokus auf die Gesundheit und am Ende Verbitterung.

Kulturpoebel.de: Wietske van Tongeren und Annemieke van Dam haben einmal gesagt, die Rolle der Elisabeth macht auch etwas mit der Darstellerin, die sie verkörpert. Haben Sie das ebenfalls so wahrgenommen?

Maya Hakvoort: Ich musste die Rolle tatsächlich richtig „abspülen“ nach der Vorstellung – mit Yoga-Übungen und einer Dusche. Aber ich habe es zum Großteil einfach nur genossen Elisabeth zu spielen, weil ich sie so gut verstanden habe.

Kulturpoebel.de: Haben Sie so etwas wie eine Lieblings-Rolle oder einen Lieblings-Charakter aus Ihren vergangenen Engagements?

Maya Hakvoort: Die Diana Goodman aus „Next to Normal“, Elisabeth und Norma Desmond aus „Sunset Boulevard“ sind meine Lieblings-Rollen.

Wer Maya Hakvoort als Diana Goodman in “Next to Normal” im Opernhaus Dortmund sehen möchte, hat noch bis zum 11. Juni 2016 Gelegenheit dazu.

Beitragsbild: © Production Management

Interviewkoordination: Maira
Fragen: Rasmus