Eigentlich ist es ja ein typisches Frauenproblem: Die Klamottenfrage. Wenn es um den Musical-Besuch geht, tun sich jedoch Frauen wie Männer bei der Kleiderwahl oft gleichermaßen schwer. Genau deshalb haben wir euch DEN ultimativen Dresscode für euren perfekten Abend im Musicaltheater zusammengestellt!

Ganz ehrlich, Mädels: Das Klischee, dass Frauen morgens vor dem Kleiderschrank stehen und nicht wissen, was sie anziehen sollen, stimmt. Auch, wenn wir es gegenüber den Männern manchmal nicht gern zugeben wollen. Doch wir können beruhigt sein, denn das ein oder andere männliche Wesen steht ab und zu genauso ratlos vor seinen Klamottenbergen und fragt sich, ob das hellblaue Hemd zur sandfarbenen Hose passt oder nicht. Wirklich, ich habe es mit eigenen Augen gesehen! Ganz schlimm wird es bei beiden Geschlechtern, wenn es nicht nur um die Arbeit oder den DVD-Abend mit Freunden geht, sondern um einen Musical-Besuch. Schließlich geht man ja nicht jeden Tag ins Theater.

Es gibt nichts, was es nicht gibt

Das gute an der Musical-Kultur in Deutschland ist: Alles ist erlaubt. Ich habe noch kein Theater gesehen, bei dem am Eingang ein muskulöser Türsteher platziert wurde, dessen Job es ist, darauf zu achten, dass niemand mit dreckigen Turnschuhen reingelassen wird. Daher gilt prinzipiell das Motto: Trage das, worin du dich wohl fühlst. Gerade Frauen haben oft das Problem, dass sie sich over- oder underdressed fühlen. Was ist also der perfekte Mittelweg?

Um diesen herauszufinden, bedarf es etwas Vorwissen: Ich finde, der „König der Löwen“  ist (leider) ein gutes Beispiel für einen typischen Musical-Besuch. Als ich dort für eine Weile im Vorderhaus arbeitete, habe ich verschiedene Kleidungstypen identifiziert, die anscheinend in jedem Theater anzutreffen sind:

1. Der Aufgetakelte: Dieser Typ ist meistens weiblich, hat die Tickets für das Musical vom Partner zu Weihnachten geschenkt bekommen, weil sie ca. 12.355 Mal beiläufig erwähnte, dass sie „schon immer mal den „König der Löwen“ sehen wollte“ und freut sich dementsprechend schon einige Monate auf dieses Ereignis. Da der ganz besondere Abend nun endlich gekommen ist, muss sich passend zum Anlass natürlich auch ganz besonders gekleidet werden: Ob goldenes Pailetten-Minikleid, Cinderella-Dress oder das Abiball-Kleid, das schon seit ein paar Jahren im Schrank einstaubt – dem Glamour sind keine Grenzen gesetzt. Der Mann kommt natürlich mindestens im Anzug, wenn nicht gar im Smoking daher. Wer darauf steht, im Theatersaal mehr Aufmerksamkeit als die Darsteller zu bekommen: Viel Spaß!

2. Der Tourist: Gerade in Städten wie Hamburg, London oder New York gibt es viele Musical-Besucher, die ihren City-Trip mit einem Theaterbesuch verbinden. Touris haben in ihren Koffern oder Rucksäcken meist nicht unbedingt Platz, um ein Ballkleid darin zu verstauen und kommen daher oft eher leger gekleidet ins Musical: Jeans und Pulli, vielleicht noch eine Mütze – fertig ist das Outfit. Daran ist absolut nichts auszusetzen und sie würden sich vom 3. Kleidungstyp, dem entspannten Besucher, nicht sonderlich unterscheiden, wäre da nicht dieses auffällige Accessoire, das einen Touri unter den Theaterbesuchern auf den ersten Blick identifiziert: Der Backpacker-Rucksack. Sicher, der ist super praktisch und auch viel besser für den Rücken als eine große Umhängetasche oder sowas. Leider kommen die Backpacker-Touristen oft auch auf die glorreiche Idee, diesen mit in den Theatersaal zu nehmen, was aus brandschutztechnischen Gründen äußerst bedenklich ist. Tipp: An der Garderobe abgeben kostet zwar Geld, rettet im Falle des Falles aber auch Leben und schont die Nerven des Personals, das kurz vor der Vorstellung den Gast nochmal darauf hinweisen muss, den Rucksack bitte doch an der Garderobe abzugeben, da sonst die Hyänen während des Stückes darüber stolpern.

3. Der Entspannte: Dieser Kleidungstyp geht entweder öfter ins Musical, sodass der Ausflug keinen besonderen Anlass mehr darstellt, oder ist schlicht und einfach nicht der Typ, der sich gerne aufbrezelt. Wie schon in der Kategorie „Tourist“ beschrieben, zeichnet er sich durch Alltagsklamotten wie Jeans und T-Shirt oder Pullover aus, dazu noch ein paar coole Sneaker – passt. Wer absolut nicht gerne auffällt, sollte diesen Kleidungsstil wählen. Allerdings könnte man sich im Gegensatz zu den anderen Musicalbesuchern etwas underdressed vorkommen.

4. Der Fan: Der Musical-Fan als solcher gibt sich gerne zu erkennen. Nicht umsonst gibt es an so ziemlich jedem Merchandise-Stand auch T-Shirts oder Pullover des Musicals zu kaufen. Wer bereits ein solches Kleidungsstück besitzt, muss sich nicht scheuen, es auch zum Musical-Besuch zu tragen. Es ist zwar fraglich, ob die Darsteller von der Bühne den Fan und sein Shirt sehen und sich dann darüber freuen, doch zumindest wissen die anderen Theatergäste wen sie fragen müssen, wenn dies ihr erster Besuch in dem Musical ist und ihnen nach etwas Fach- oder Hintergrundwissen zum Stück zumute ist. Für die, die das Musical noch nicht gesehen haben, aber prinzipiell schon Fans sind: Fußballtrikots beim „Wunder von Bern“ und „Rocky“-Shirts mit Sylvester Stallone beim gleichnamigen Musical gehen auch noch durch. Eine Besonderheit stellen Mitmach- oder Kultmusicals wie die „Rocky Horror Show“ oder „Tanz der Vampire“ dar. Wer bei ersterem nicht in Strapse und bei letzterem ohne spitze Eckzähne kommt, kann sich da ganz schnell in der Unterzahl befinden. Zumindest bei den Premieren.

5. Der Elegante – der Mittelweg: Nun endlich kommen wir zur perfekten Lösung für diejenigen, die weder gerne over- oder underdressed sind, noch zu den Hardcore-Fans gehören: Der Elegante. Für Frauen, die diesen Mittelweg für ihren Musicalbesuch wählen, gibt es viele Möglichkeiten bei der Kleiderwahl: Rock, Bluse und Stiefelletten sind nie verkehrt, das kleine Schwarze geht sowieso IMMER und eine dunkle Jeans mit feinem Top und Blazer hat jede Frau im Schrank. Dazu noch eine kleine Handtasche oder eine Clutch für die Tickets, Handy, Geldbeutel – Voilá! Als Mann hat man es auch nicht schwer: Eine schicke Jeans mit Hemd und Jackett oder Chinohosen mit T-Shirt und Cardigan – fertig ist das perfekte Musical-Outfit. Die Jahreszeit spielt dabei auch keine Rolle: Ob Winter, Sommer, Herbst oder Frühling: Warme Jacken, Schals, Mützen und Regenschirme (in Hamburg und London besonders empfehlenswert) können an der Garderobe abgegeben werden und im Sommer ist das Theater in der Regel klimatisiert.

Was ziehe ich in welches Musical an?

Aber funktioniert der Mittelweg auch in jedem Musical? Gibt es einen Unterschied zwischen dem „Phantom der Oper“ und „Tarzan“? Kann ich zu „Rocky“ in sportlichen Klamotten kommen, da es ja irgendwie auch zum Thema passt?

Hier kommen wir wieder zum Beginn des Textes zurück: Es gibt keinen festgelegten Dresscode! Mit einer eleganten Kleiderwahl macht ihr nie etwas verkehrt. Wenn euch danach ist, das kurze Kleid mit Leopardenmuster passend zum Dschungel-Musical „Tarzan“ anzuziehen oder in einem Rocky Balboa-Gedächtnis-Jogginganzug ins Theater zu spazieren: Niemand wird euch daran hindern. Um es mit den Worten meiner Lieblings-YouTube-Yoga-Lehrerin zu sagen: „Find what feels good.“

 

Was ist mit dem Musical-Besuch in London oder New York?

Erfahrungsgemäß gilt im West End und am Broadway das gleiche Prinzip wie im deutschsprachigen Raum. Da diese beiden Musical-Metropolen sogar noch mehr Touristen anziehen als Hamburg, Stuttgart, Berlin, Oberhausen oder München, findet man hier sogar hauptsächlich den entspannten Typen oder eben unsere Backpacker-Kandidaten.

Wenn ihr also spontan in „Kinky Boots“ oder eine der anderen großartigen Produktionen in London oder New York gehen wollt und kein Kleid oder Jackett dabei habt, macht euch keine Gedanken. Vor allem am West End, wo es dank der günstigen Day Seats, die es nur für Vorstellungen am gleichen Tag zu unschlagbaren Preisen zu kaufen gibt, schon mal zu einem SEHR spontanen Musicalbesuch kommen kann, ist die Kleiderfrage absolut kein Thema. Ich meine, dort gibt es Bier in Plastikbechern und Popcorn im Theater zu kaufen – mehr muss ich wohl dazu nicht sagen.

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Marina Pundt
"After silence, that which comes nearest to expressing the inexpressible is music." - (Aldous Huxley)

Lieblings-Musical(s): "Hedwig and the Angry Inch", "Next to Normal", "American Idiot", “Once”
Lieblings-Komponist: Jeder, der es schafft, mich mit seiner Musik zum Tanzen oder zum Weinen zu bringen. Oder beides gleichzeitig.
Lieblings-Texter: Stephen Trask
Musical-Fan seit: … ich entdeckt habe, dass es Musicals mit Tiefgang und Rock-Musik gibt.
An Musicals fasziniert mich: … wie Energie und Emotionen durch Musik, Schauspiel und Tanz von der Bühne in den Publikumsraum übertragen werden.