Nachdem wir letzten Monat schon Mark Seibert gebührend ehrten, haben wir für den Monat Juni erneut einen ehemaligen Wicked-Darsteller auserkoren und uns ein wenig Gedanken zu einer unserer „Lieblings-Hexen“, Roberta Valentini, gemacht.

© Thomas Langer
© Thomas Langer

Roberta wurde am 30. August 1981 in Nürnberg geboren und besitzt die deutsche und italienische Staatsbürgerschaft. Nach einer abgeschlossenen Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau, begann sie im Jahr 2002 ihre Ausbildung zur Musicaldarstellerin an der Bayerischen Theaterakademie August Everding in München, die sie dann im Jahr 2006 abschloss. Von Stadttheater-Engagements bis hin zur großen Hauptrolle in Ensuite-Produktionen ist in Roberta Valentinis Lebenslauf alles dabei. Wenn sie mal gerade nicht in eine Musicalrolle schlüpft, kann man sie bestimmt auf irgendeinem Konzert in der Republik bewundern, da sie bei ihren Musicalkollegen scheinbar der Liebling unter den Gaststars ist.

Von Königinnen und Hexen

Der Durchbruch gelang Roberta Valentini im Musical „Wicked – Die Hexen von Oz“ in Stuttgart, wo sie im Ensemble und als Cover Elphaba zu sehen war. Aufgefallen ist sie mir bereits bevor ich zum erstem Mal in der Show saß, als sie beim Auftritt bei „Wetten, dass…“ fast Thomas Gottschalk umgerannt hatte, um Nicolas Cage zu begrüßen. Die „Beförderung“ zur alternierenden Hauptdarstellerin neben Willemijn Verkaik erfolgte dann ziemlich schnell im November 2008. In Oberhausen wurde sie dann nach einem knappen Jahr Spielzeit die Erstbesetzung in der Rolle der grünen Hexe. Weiterhin verkörperte sie die Marie Antoinette im gleichnamigen Musical von Michael Kunze und Sylvester Levay bei der Europapremiere in Bremen und natürlich die Titelrolle in „Elisabeth“. Diesen Sommer ist sie bei den Freilichtspielen Tecklenburg in „Artus – Excalibur“ als Morgana zu sehen.

Jahr Musical Rolle Ort
Sommer 2003 West Side Story Ensemble Bregenzer Festspiele
Sommer 2004 West Side Story Francisca Bregenzer Festspiele
2005 Into the Woods Florinda Prinzregententheater, München
2006 Der Elefantenmensch Mrs Kendall Metropoltheater München
Sommer 2006 Elisabeth Gräfin Esterhazy/alt. Elisabeth Thuner Seespiele
2007 Anavtevka Chava Staatstheater Braunschweig
2007-2008 Wicked Ensemble, Elphaba Zweitbesetzung Palladium Theater Stuttgart
2008-2010 Wicked Elphaba alternierend Palladium Theater Stuttgart
2007-2008 Jekyll & Hyde Lucy Theater Bielefeld
2009 Marie Antoinette Marie Antoinette Musical Theater Bremen
2010-2011 Wicked Elphaba alternierend Metronom Theater Oberhausen
2011 Wicked Elphaba, Erstbesetzung Metronom Theater Oberhausen
2011-2012 Chess Florence Vassy Theater Bielefeld
211-2012 Company April Theater Bielefeld
2011-2012 Kein Pardon Ulla Capitol Theater, Düsseldorf
2012/2013 City of Angels Gabby/Bobby Theater Bielefeld
2013/2014 Die Hexen von Eastwick Sukie Rougemont Theater Bielefeld
2013/2014 Die letzten fünf Jahre Cathy Theater Bielefeld
2014/2015 Casanova Henriette Anhaltisches Theater Dessau
2015/2016 Elisabeth Elisabeth Shanghai & Deutschlandtour
2015/2016 Chess Florence Vassy Theater Chemnitz
Sommer 2016 Artus – Excalibur Morgana Tecklenburg

Bei einem meiner frühen „Wicked“-Besuche vollbrachte Roberta Valentini das seltene Wunder, mir als Ensemble-Darstellerin im Gedächtnis zu bleiben. Dies lag wohl mitunter daran, dass sie einfach zu gut und zu bühnenpräsent war, um „nur“ im Ensemble zu spielen. Auch ihre Interpretation der Elphaba stand der Performance von Willemijn Verkaik in nichts nach, was man als Darstellerin erst einmal schaffen muss! Jedenfalls hatte sie es letztlich mehr als verdient, die Erstbesetzung der grünen Hexe in Oberhausen von der sogar international selten übertroffenen Verkaik zu übernehmen. Diese Rolle zu ergattern und ihr gerecht zu werden, ist für mich auch heute noch der Ritterschlag für jede Darstellerin in der weltweiten Musicalszene.

Bye bye Elphi, Servus Eli

© Ingo Wagner
© Ingo Wagner

Für mich war sie auch eigentlich immer mit der Rolle der grünen Hexe verbandelt, vor allem da sie anschließend zwar viele andere Rollen gespielt, aber keine ähnlich anspruchsvollen Rollen wie die der Elphaba übernommen hat. Das war jedoch bevor sie überraschend die Elisabeth in der Deutschlandtournee 2015/2016 wurde und mein Weltbild einfach mal dezent über den Haufen warf.

Zum einen, weil ich dieses Stück nun schon so oft gesehen habe und ich nicht gedacht hätte, dass es jemanden gibt, der meine bisher gesehenen Elisabeths so in den Schatten stellt. Sie hat die Rolle nicht nur gesanglich, sondern auch schauspielerisch auf eine ganz neue Ebene gehoben und mir dadurch ein Stück, dass ich schon unzählige Male gesehen hatte, nochmal auf eine andere Weise näher gebracht. Von daher musste ich mich ziemlich bald von ihr als Hexe verabschieden und sie zu meiner Lieblings-Elisabeth erklären.

© Labelle Juliane Bischoff
© Labelle Juliane Bischoff

Zum anderen, weil sie keine Holländerin ist. Ja, diese Ansicht ist äußerst seltsam, allerdings nicht unberechtigt, weil bis dato hauptsächlich Holländerinnen die österreichische Kaiserin verkörpert hatten und sich diese Kuriosität nun fast schon als Regel zu etablieren schien. Und auf einmal entfliehen die Produzenten ihrem Trott und besetzen die Rolle nicht nur mit einer Deutsch-Italienerin, sondern auch noch mit einem nicht ganz unbekannten Gesicht in der Musicalszene? Für gewöhnlich (und etwas spitz formuliert) ist die Elisabeth doch für junge holländische Newcomer gedacht, die damit den Grundstein für ihre glänzende Musicalkarriere im deutschsprachigen Raum legen, um dann zwangsläufig ein Wiener Publikumsliebling zu werden. Zurückkehren kann man zu dem Stück natürlich auch immer wieder. Die Rolle der Elisabeth ist also auch ein wenig wie ein Beamtenstatus für den deutschsprachigen Raum. Bist du einmal drin, hast du erst einmal ausgesorgt, wenn du dich nicht allzu ungeschickt anstellst.

© Stage Entertainment
© Stage Entertainment

Soweit jedenfalls die bisherige Praxis. Roberta Valentini hingegen ist ja fast schon ein Routinier im Geschäft und dass so jemand die Hauptrolle in „Elisabeth“ übernimmt, war doch eher innovativ zu nennen. Nun hat sie dann ziemlich schnell gezeigt, warum man plötzlich eine neue Besetzungsstrategie gefahren ist und ich schätze auch, dass niemand sonderlich überrascht war bei der Erkenntnis: Sie ist einfach gut, in dem, was sie tut. Die Rolle hat sich, nun da die Tour vorbei ist, auch eher in ihren Lebenslauf zu den anderen Rollen dazugesellt und dominiert diesen nicht, wie bei vielen ihrer Vorgängerinnen. Es ist jedoch definitiv ein Rollen-Juwel und ich würde mich riesig freuen, wenn sie die Elisabeth noch öfter übernimmt. Wenn sie es nicht tut, wird ihre Karriere trotzdem weitergehen… mit oder ohne Kaiserin oder Hexe oder welche Rolle sie auch immer als nächstes überraschend aus dem Ärmel zaubert.

Beitragsbild: © Juliane Bischoff