Es kommt nicht oft vor, dass ich Schwierigkeiten damit habe, meine Gefühlswelt in Worte zu fassen. Meist wird mir dadurch erst richtig klar, was ich eigentlich denke und sagen möchte. Bei Serkan Kaya, unserem Musicalstar des Monats Oktober, habe ich immer wieder Schwierigkeiten, anderen Menschen kurz und knapp zu erklären, was ich eigentlich über ihn sagen möchte. Es gibt viele Begriffe für ihn, die jedoch alle nur einen Bruchteil meiner Gedanken zu diesem Mann zum Ausdruck bringen können und einfach nie mein komplexes Gesamtbild erfassen. Ihn daher als meinen Lieblings-Bühnen-Menschen zu bezeichnen, trifft es noch am ehesten.

Stage Entertainment
© Stage Entertainment

Serkan Kaya wurde am 24. Juli 1977 in Leverkusen geboren. Er studierte an der Essener Folkwang Hochschule, welche er mit einem Diplom als Schauspieler und einem Diplom als Bühnendarsteller abschloss. Nach einigen Schauspiel-Engagements hatte er seine erste Musicalrolle als Emilio in „Miami Nights“ in Essen. Sein nächstes Engagement führte ihn 2003 nach Wien, wo er in der Wiederaufnahme von „Elisabeth“ zunächst als Cover für Luigi Lucheni geplant war, jedoch überraschend zur Erstbesetzung aufstieg, da Thomas Borchert sich zwei Wochen vor der Premiere die Hand brach. Eigentlich hatte er nie geplant, Musicaldarsteller zu werden, sah dies aber nun als Zeichen und konzentrierte sich fortan hauptsächlich auf Musicals. Ab 2004 folgte ein weiterer Meilenstein seiner Karriere, als er in der Deutschlandpremiere von „We will rock you“ in Köln die Hauptrolle des Galileo Figaro übernahm. Diese teilte er sich damals mit Alex Melcher, da er noch bis 2005 in Wien bei „Elisabeth“ mitwirkte. Zwischen 2008 und 2011 wirkte er immer wieder in Stücken wie „Evita“ (Che) oder „Jesus Christ Superstar“ (Judas) mit. Seit 2011 spielt er im Udo Lindenberg-Musical „Hinterm Horizont“ die Hauptrolle, welche er auch bei der anstehenden Hamburg-Premiere übernehmen wird.

Jahr Musical Rolle Ort
2002 Miami Nights Emilio Capitol Theater, Düsseldorf
2003-2005 Elisabeth Luigi Lucheni Theater an der Wien, Wien
Sommer 2004 Footloose Ren MacCormack Musicalsommer Amstetten
2004-2006 We will rock you Galileo Figaro Musical Dome, Köln
2005 Jesus Christ Superstar Judas Raimund Theater Wien
2006-2008 Jesus Christ Superstar Judas Aalto Theater, Essen
2008 We will rock you Galileo Figaro Theater 11, Zürich und Raimund Theater, Wien
2008 Chess Anatoly Aalto Theater, Essen
2009 Spamalot Sir Galahad Musical Dome Köln
2009-2010 Chess Anatoly Aalto Theater, Essen
2009-2010 Evita Che Dortmund
2010 Jesus Christ Superstar Judas Aalto Theater, Essen
2010 West Side Story Bernardo Theater Magdeburg
2010 Into the Woods Aschenputtels Prinz, Wolf Staatstheater Kassel
2011-2016 Hinterm Horizont Udo Lindenberg Theater am Potsdamer Platz
2015 Hamburg Royal Hansen St. Pauli Theater
2016 Hinterm Horizont Udo Lindenberg Operettenhaus, Hamburg

 

Alexander Ch. Wulz
© Alexander Ch. Wulz

Zum ersten Mal wahrgenommen habe ich Serkan Kaya auf der DVD von „Elisabeth“ aus dem Jahr 2005, auf der er als Luigi Lucheni zu sehen ist. Dass er „nur“ die Zweitbesetzung nach Thomas Borchert hätte werden sollen, ist hierbei zum einen natürlich verständlich, da Thomas Borchert damals bereits ein namhafter Darsteller war, zum anderen ein absoluter Skandal, da Serkan Kaya so phänomenal in dieser Rolle ist, dass er mich für alle Zeiten für jeden anderen Darsteller, der jemals Luigi Lucheni übernehmen wird, verdorben hat. Da ich mit der restlichen Besetzung auf der DVD persönlich nicht viel anfangen kann, hat Serkan Kaya nicht nur die gesamte DVD gerettet – Ich schaue sie auch teilweise nur wegen ihm. Hier – und das klingt nun selbstverständlicher als es tatsächlich ist – fallen in besonderer Weise die beiden Vorzüge ins Gewicht, die ihn als Darsteller so wertvoll und besonders machen: Sein Schauspiel und sein Gesang.

Serkan Kaya, der Sänger

Klar, dass man als Musicaldarsteller singen kann, hebt ihn nun nicht sonderlich von anderen Darstellern ab. Jedoch findet man eine Stimme wie die von Serkan Kaya deutschlandweit – wenn nicht sogar weltweit – äußerst selten. Seine Stimmfarbe ist zum einen so unfassbar schön und angenehm anzuhören und zugleich stark und kraftvoll, wie ich sie sonst – selbst bei sehr starken Rocksängern – selten gehört habe. Es ist bestimmt eine Beleidigung für die ganz großen Künstler wie Udo Lindenberg oder Freddy Mercury, aber wenn deren unsterbliche Hits von Serkan Kaya gesungen werden, freue ich mich fast noch mehr als über das Original.

© Tina Acke/Stage Entertainment
© Tina Acke/Stage Entertainment

Hierbei komme ich allerdings auch schon in Erklärungsnot, weil ich nicht genau beschreiben kann, warum ich seine Stimme so herausragend finde. Ich mag sie einfach. Ich denke, dass kaum jemand wirklich erklären oder genau analysieren kann, warum man die Stimme von gewissen Sängern so gerne hat, da hier einfach sehr viel vom persönlichen Geschmack abhängt. Und bei Serkan Kaya passt es einfach.

Serkan Kaya, der Schauspieler

Man merkt Serkan Kaya auf der Bühne einfach an, dass er ursprünglich vom Schauspielfach kommt und auch in dieser Sparte eine Ausbildung genossen hat. Vor allem bei Luigi Lucheni wechselt er so einfach und zugleich glaubwürdig vom sarkastischen, wütenden Mörder zum verzweifelten Opfer, der mittendrin einsam und verloren auf der Bühne steht und man kann einfach nicht anders, als dass er einem unendlich Leid tut. Er gibt der Rolle so viele neue Facetten, die ich bisher bei keinem anderen Luigi Lucheni gesehen habe. Nun mag ich die Rolle des Lucheni sowieso schon sehr gerne, ebenso wie den Judas in „Jesus Christ Superstar“, jedoch holt er für mich einfach noch viel mehr aus diesen Charakteren heraus, als es andere Darsteller schaffen würden.

Auch als reiner Schauspieler scheint er sich nach wie vor sehr wohl zu fühlen. So war er in den letzten Jahren sowohl in kleinen Fernsehrollen („Komissar Rex“, „Die Detektive“, „Alarm für Cobra 11“) als auch in Theaterstücken („Kings“ in Berlin sowie „Woyzeck“ im Theater Bonn) zu sehen. Ich hatte die Chance, ihn in „Kings“ auf der Bühne zu erleben und ich muss gestehen, dass ich das ganze Stück über gehofft habe, dass er doch ein wenig mehr zu singen bekommen hätte. Jedoch macht er auch „nur“ als Schauspieler eine mehr als sehr gute Figur und das ist wahrscheinlich das, was er vielen Musicaldarstellern voraus hat.

Serkan Kaya, der Komiker

Wenn einem das alles noch nicht reicht, kommt hier das Zuckerl: Der Mann ist extrem witzig. Wer die Ehre hatte, ihn bei der „Sommernacht des Musicals“ in Dinslaken als Moderator zu erleben, versteht, was ich damit meine. Ich denke, dass die Weisheiten aus seinem Musicalseminar oder die Erklärung, warum „Cats“ kein Musical ist, inzwischen schon absoluten Kultstatus erreicht haben. Dieser Mann verbindet so viele Talente auf der Bühne in sich, dass ich einfach nicht den richtigen Ausdruck für ihn finden kann. Lieblingsmusicaldarsteller reicht bei Weitem nicht aus, da er nicht nur von allem ein bisschen was kann, sondern in jeder Sparte eine Klasse für sich ist. Für den Ausdruck Lieblingssänger schauspielert er einfach zu gut. Um in jedoch als meinen Lieblingsschauspieler zu bezeichnen, liebe ich seinen Gesang einfach zu sehr. Lieblingsmensch ist bereits für meinen privaten Lieblingsmenschen reserviert. Lieblingsmensch auf der Bühne… Ja, vielleicht benutze ich diesen Ausdruck bis ich die passenden Worte gefunden habe, die kurz und knapp erklären, was dieser Mann auf der Bühne bei mir auslöst.

Serkan Kaya ist ab dem 10. November 2016 wieder als Udo Lindenberg in „Hinterm Horizont“ zu erleben. Tickets und Informationen gibt es hier.

Beitragsbild: © Radke/Doris Furhmann Management

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Nadine Jobst
"What if life were more like theatre? Wouldn't that be grand?" - (Neil Patrick Harris)

Lieblings-Musical(s): „Wicked“, „Pippin“, „Hamilton“
Lieblings-Komponist: Stephen Schwartz
Lieblings-Texter: Lin-Manuel Miranda
Musical-Fan seit:„Wicked“ (Stuttgart)
An Musicals fasziniert mich: Like a handprint on my heart... Dass mir Musik ein unbeschreibliches Gefühl, mir Texte eine wilde Idee und mir eine schlichte Inszenierung einen Gedanken geben können, welche mich aus dem Theater hinaus in den Alltag begleiten.