Ludwig ist als freiberuflicher Tänzer und Choreograph für Bühne und Kamera tätig. Nach vielen Jahren Berufserfahrung als professioneller Tänzer in Musicals, Theater- und Tourneeproduktionen, TV-Shows, Werbungen und Firmenevents sowie als Backgroundtänzer für namhafte Künstler, begann Ludwig zunehmend auch als Dance Captain und choreographischer Assistent tätig zu werden.

© Anelia Janeva

Heute arbeitet der Wahl-Berliner und gebürtige Bonner vorwiegend als Choreograph im Bereich TV-Unterhaltung und Musiktheater. Für das Junge Musical in Leverkusen choreographierte er die Produktionen AIDA, NATÜRLICH BLOND und BIG FISH. Als Choreograph der großen Schlagershows DIE FESTE MIT FLORIAN SILBEREISEN (ARD) kreiert er regelmäßig die Auftritte von nationalen und internationalen Größen der Schlager und Popszene, wie HELENE FISCHER, ANDREA BERG, VANESSA MAI, VERONICA FERRES, DAVID HASSELHOFF, THE WEATHER GIRLS, BONEY M., MAITE KELLY, MARIANNE ROSENBERG und vielen anderen. Kürzlich choreographierte er den TV-Auftritt der Promotion-Cast des Wolfgang-Petry-Musicals WAHNSINN!

KULTURPOEBEL: Die Geschichte von American Idiot wird zum größten Teil durch die Songs transportiert. Was bedeutet das für die Zusammenarbeit von Choreograph und Regisseur?

Da das Textbuch von American Idiot auf lange, erklärende Dialoge und Sprechszenen verzichtet, erzählt sich die Geschichte vor allem durch die Liedtexte und die Inszenierung der Songs. Die Choreographie ist hierbei also ein zentrales erzählendes Element. Das bedeutet natürlich auch, dass Regie und Choreographie stark zusammenarbeiten müssen, damit durch Bewegung und Tanz das erzählt wird, was die Geschichte vorsieht. Das bedeutet viele, intensive Besprechungen und Absprachen für die einzelnen Nummern und führt im Ergebnis zu einer starken Verschmelzung von Szene und Choreographie. In anderen Shows sind diese Elemente häufig etwas separierter voneinander zu betrachten.

KULTURPOEBEL: Ist Punk-Rock-Musik, wie die von GREEN DAY überhaupt tanzbar für Musical-Bühnen?

Absolut. Die Musik von Green Day ist Punk Rock und damit zunächst einmal nicht typisch für ein Musical. Somit erfordert das Stück auch musical-untypische Choreographien und Bewegungsbilder. Das macht es aber umso spannender, da man sich aus einem Pool an Bewegungen bedienen kann, die in anderen Shows keinen Platz finden. Themen wie Gesellschaftskritik, Drogen, Sex und Krieg erlauben uns auch szenisch und choreographisch in Extreme zu gehen, was auch uns Kreative zwingt, über den Tellerrand zu schauen aber gleichzeitig auch sehr viel Spaß macht und Raum für neue Ideen bietet. Zudem arbeitet der Text von Green Day auch mit einer starken Bildsprache, die sich gut visuell darstellen lässt.

© Sandra Kathe

KULTURPOEBEL: Wie bist du beim Entwickeln der Choreographie vorgegangen? Was erwartet den Zuschauer?

Im ersten Schritt wurde überlegt, was die einzelnen Nummern erzählen sollen und inwiefern sich Choreographie für die Vermittlung des Inhalts als Erzählmittel anbietet. Anschließend wurden die Songs auf Tempo, Stimmung, Inhalt analysiert und Bewegungsthemen gefunden, die dies unterstützen. Herausgekommen ist eine hoch dynamische, energetische und kraftvolle Show mit tänzerischen Elementen aus verschiedenen Stilen, wie etwa Contemporary, Streetdance und HipHop (Luftgitarre und Headbanging inklusive). Alle 10 Darsteller sind „Triple Threats“ (also Darsteller, die die drei Sparten Gesang, Tanz und Schauspiel gut bedienen) und sind stark in die Choreographien eingebunden.

KULTURPOEBEL: Hast du dich auch von Vorgänger-Produktionen, beispielsweise aus London oder New York, in deiner Arbeit inspirieren lassen?

Nein, darauf habe ich bewusst verzichtet. Ich wollte möglichst unvoreingenommen an die Arbeit herangehen und Choreographien finden, die sich für unser Konzept und unsere Bühne eignen, ohne fremde Bilder zu fest im Kopf verankert zu haben, die dann die eigene Kreativität einschränken.

KULTURPOEBEL: Hast du einen Lieblings-Choreographie-Moment bzw. eine Lieblingsszene in AMERICAN IDIOT?

Da gibt es eine ganze Reihe. Jede Nummer hat in ihre eigenen Höhepunkte, da kann und will ich gar keinen bestimmten Lieblingsmoment nennen oder Vergleiche anstellen. Da die Nummern aber sehr unterschiedlich sind, wird sicher jeder Zuschauer verschiedene Momente als persönliche „Highlights“ erleben.

GREEN DAYS AMERICAN IDIOT spielt noch bis zum 10.05.2018 in Frankfurt. Tickets und Informationen findet ihr hier.

Beitragsbild: © Maximilian Hoppe

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Agnes Wiener
"The musicals that leave us kind of staggering on our feet are the ones that really reach for a lot." - (Lin-Manuel Miranda)

Lieblings-Musical(s): „Hamilton”, „Finding Neverland“, „Schikaneder“, „Tanz der Vampire“ und meine guilty pleasure „Der Schuh des Manitu"
Lieblings-Komponist: Lin-Manuel Miranda, Stephen Schwartz
Lieblings-Texter: Lin-Manuel Miranda
Musical-Fan seit: „Der König der Löwen” (Hamburg)
An Musicals fasziniert mich: Die unendlichen Möglichkeiten in diesem Genre - ob unterschiedliche Musikstile oder interessante Erzählweisen. Der Phantasie, verschiedenste Stoffe mit den Mitteln Tanz, Gesang und Schauspiel auf die Bühne zu bringen, sind keine Grenzen gesetzt.