Meine Reise nach New York liegt nun schon ein paar Wochen zurück und fast genauso aufregend wie die Urlaubswoche selbst war die Planung, was ich alles in New York in Sachen Musical und Theater sehen möchte. Denn das ist zum einen nicht gerade wenig und zum anderen kann es auch ziemlich ins Geld gehen.

New York ist wahrscheinlich die schnelllebigste Stadt der Welt. Es werden über Nacht Trends geboren, über die in zwei Tagen bereits niemand mehr spricht. Was bei Mode, Food oder der neuesten Sportart tägliches Geschäft ist, ist auch am Broadway harte Realität. Es kann heute ein Stück am Off-Broadway eröffnen, welches morgen schon mit großen Erfolg an den Broadway transferiert wird, oder ein mit Spannung erwartetes Stück muss morgen schließen, weil man die Auslastungsziele nicht erreicht hat. Ich war vor drei Jahren zum ersten Mal in New York und der Broadway hat mich damals schon überfordert. Als ich nun vor einem halben Jahr wieder in die Planung für meine zweite Reise einstieg – als alter Hase, wie ich dachte – war ich erstaunt, wie viel sich in diesen drei Jahren verändert hat und dass ich wieder ganz von vorne anfangen musste. Vorweg muss ich also sagen, dass meine Erfahrungen zwar auf dem aktuellen Stand sind, diese jedoch morgen schon veraltet sein können. Und doch hilft es vielleicht dem ein oder anderen Leser bei seiner aktuellen Planung.

Eine nette alte Dame in der New Yorker Subway meinte zu mir, dass New York eine sehr lebenswerte Stadt ist … wenn man Geld hat. Und neben dem zeitlichen Aspekt sind die Ticketpreise wohl ein Hauptgrund, warum man als Musicalgänger nicht zu blauäugig den Broadway besuchen sollte. Die Preise sind eher auf dem Niveau von Stage Entertainment in Deutschland, wobei der Raum nach oben offen ist. Der König der Ticketpreise ist sicherlich „Hamilton“, wo die Preise auch gerne mal in den vierstelligen Bereich rutschen. Auch Tickets für nahezu alle anderen Shows sind unter 90$ nicht zu bekommen und enden regulär meistens erst bei 300$ bis 500$. Hier überlegt man als Fan also zweimal, ob man die eine oder andere Show wirklich sehen will. Viele, wenn nicht sogar alle Shows bieten in der Regel am Vorstellungstag vergünstigte Ticket an, weswegen es fast immer das Klügste ist, sich erst vor Ort um Tickets zu kümmern. Welche Rabatte die jeweilige Show anbietet, kann man am besten auf der jeweiligen Homepage einsehen. Für einen groben Überblick wurde mir die Seite broadwayforbrokepeople.com empfohlen. Lass euch von dem schrillen Design bitte nicht abschrecken, die Seite hat mir nämlich wirklich geholfen, nicht als „totally broke“ heimzufahren. Eine weitere Homepage, welche mir sehr beim Ticketkauf und viel wichtiger bei der Sitzplatzauswahl geholfen hat, war aviewfrommyseat.com, wo ihr den ein oder anderen Sitzplatz im Theater mit Bildern und manchmal sogar mit Kommentaren einsehen könnt.

Tickets im Voraus kaufen

Der Tipp, die Karten für Musicals nicht im Vorfeld zu kaufen, ist wahrscheinlich der häufigste Tipp, den man als Fan auf eben diese Frage erhält. Ich bin ein absoluter Kontrollfreak und erst nach vielen, vielen London-Reisen konnte ich mich selbst dahin erziehen, auch mal auf Risiko zu gehen und die ein oder andere Karte erst vor Ort vergünstigt zu kaufen. Dadurch habe ich mir in den letzten Jahren viel Geld gespart, jedoch kommt einfach hin und wieder ein Show ums Eck, für die man dann doch gerne bereit ist, mehr Geld auszugeben. Nun kommt man nicht jeden Tag nach New York und hier ist es wahrscheinlich sehr wichtig, zu wissen, welche Stücke man sehen will und vor allem, wie die Ticketauslastung für besagte Show ist. Bei mir stand „Dear Evan Hansen“ ganz oben auf der Must-See-Liste und verpassen wollte ich dieses Musical auf keinen Fall. Da die Show momentan noch jeden Tag ausverkauft ist, musste ich hier mehr oder weniger in den sauren Big Apple beißen und habe mir weit im Voraus Tickets dafür gekauft. Hier führt dann oft doch kein Weg daran vorbei und ich habe es auch keine Minute bereut. Theater ist nun mal ein kostspieliges Hobby und die Vorfreude auf die Show, sowie das Musical selbst, hat den etwas höheren Ticketpreis mehr als wett gemacht.

Auch im Voraus kommt es hin und wieder zu Vergünstigungen. Somit habe ich am Black Friday bei einem 50%-Discount für „Once on This Island“ zugeschlagen. Natürlich sind solche Rabatte immer ein Glücksfall, aber man sollte die Homepages und Facebook-Seiten immer ein wenig im Blick behalten. Vor allem Shows, die nicht mehr jeden Tag ausverkauft sind, locken hin und wieder mit Angeboten. Wenn ich Tickets im Voraus kaufe, würde ich das übrigens immer über die offizielle Seite des jeweiligen Musicals machen.

Auch bin ich bei meiner Recherche des Öfteren auf Theaterprogramme wie „30 under 35“, „Hiptix“ oder „Linctix“ gestoßen. Hierbei handelt es sich um eine Art Club – meistens für Leute unter 35 Jahren – dem man kostenlos Online durch ein Formular beitreten kann und durch den man für bestimmte Shows vergünstigte Kartenangebote erhält. Ich bin dem „30 under 35“-Programm des Manhattan Theatre Club beigetreten und habe dadurch Tickets für 30$ in der ersten Reihe für „Choir Boy“ erhalten. Das Beitreten ist kostenlos und verlief absolut problemlos und schnell. Wenige Stunden nach Abschicken meiner Anmeldung habe ich bereits die Zusage bekommen und auch sofort einen Zugangscode, um mir die vergünstigten Tickets online kaufen zu können. Bei dem ein oder anderen Anbieter klappt es nicht, wenn man kein US-Bürger ist. Auch ist das Angebot – meist eine bestimmte Anzahl an Tickets pro Vorstellung – begrenzt und wenn alle Tickets für das Programm verkauft sind, gibt es keine mehr. Trotzdem sind solche Clubs für Leute unter 35 Jahren ein sehr attraktives Angebot.

Rush Tickets

Wenn man sich genauer mit der Ticket-Planung beschäftigt, stößt man fast immer auf die sogenannten Rush-Tickets. Wie die Day Seats in London sind Rush Tickets Karten, die man erst am Tag der Vorstellung erhält und die nach einem „first come, first serve“-Prinzip verkauft werden. Üblicherweise gehen die Tickets bei Öffnung der Tageskasse am jeweiligen Theater in den Verkauf. Hierbei handelt es sich um eine bestimmte Anzahl an Tickets und meistens erhält man pro Person eine oder zwei Karten. Man sollte sich vielleicht auch immer bereits im Vorfeld überlegen, was man bereit ist, für eine Karte im Notfall zu zahlen, da es meist an der Tageskasse nach Verkauf der Rush Tickets für die restlichen Ansteller ein Tagesangebot gibt und es dann oft zu unerwartet langen Diskussionen kommt, wenn die Rush Tickets vergriffen, aber nicht alle Wartenden bedient worden sind.

Natürlich sind Rush Tickets immer mit einer gewissen Prise Glück verbunden. Ich habe ohne Probleme Rush Tickets für „The Prom“ erhalten und saß auf einem Platz, der zwar leicht sichteingeschränkt war, aber statt 160$ nur 40$ gekostet hat. Freunde von mir hingegen wollten unbedingt zu „Anastasia“, was erst beim zweiten Anlauf sehr knapp geklappt hat. Oft bieten die Theater nur „Student Rush“ an, also Rush Tickets ausschließlich für Studenten. Hierzu braucht man einen Studentenausweis oder Student-ID und ich habe schon öfter gehört, dass der deutsche Ausweis alleine nicht reicht, dies aber je nach Kulanzbereitschaft der Theater variiert. Des Weiteren bieten manche Shows auch Stehplatzkarten (Standing Room Only = SRO). Auch, wenn man keine Rush Tickets egal in welcher Form in Betracht zieht, lohnt es sich übrigens immer, bei der Tageskasse des jeweiligen Theaters vorbeizuschauen und spontan nach Tagesangeboten zu fragen.

Rush Tickets in der heutigen Form wurden übrigen damals am Broadway vom Musical „Rent“ im Jahr 1996 ins Leben gerufen. Während es immer schon Vergünstigungen z. B. für Studenten gab, wollten die Produzenten von Rent genau die Zielgruppe ansprechen, über die es auch in ihrem Stück ging, nämlich Künstler und junge Leute aus New York, die kaum die Miete, geschweige denn einen Abend im Theater, zahlen konnten. Bei den meisten Stücken versuchte man, die „schlechten“ Plätze in den letzten Reihen vergünstigt ans Publikum zu bringen. Bei „Rent“ hingegen hat man die ersten beiden Reihen angeboten, was damals wirklich eine Sensation war. Leider kam es ziemlich schnell zu Problemen, da der Hype um „Rent“ so groß wurde, dass auch die Rush Tickets für 20$ mehr als begehrt waren. Somit kam es vor allem an den Wochenenden zu langen Schlangen und manche Fans campierten bereits Tage vor der Vorstellung vorm Theater, weswegen die Verantwortlichen umdenken mussten und die erste Ticket-Lottery eingeführt wurde.

Lottery

Die Lottery ist eine ganz simple Lotterie, in der jeder online oder am Theater selbst über einen bestimmten Zeitraum seinen Namen einwerfen kann. Dann werden die Gewinner ausgelost, welche vergünstigte Karten kaufen können. Die Ticket-Lottery löst – in meinen Augen leider – immer mehr die Day Seats oder Rush Tickets ab. Vor allem bei begehrten Shows verstehe ich den Sicherheitsgedanken und doch bin ich ein großer Fan davon, mich morgens für ein Schnäppchen anzustellen und finde es nur fair, wenn der Erste, der kommt, auch als Erster Karten erhält. Meist weiß man auch spätestens um 10 Uhr morgens, ob man Rush Tickets bekommt, weswegen man noch genug Zeit für einen Plan B hat, wenn es nicht klappt.

Bei der Lottery hingegen kann jeder, egal wann er seinen Namen eingeworfen hat, Karten gewinnen. Zudem wird die eigentliche Lottery am Theater mehr und mehr ins Internet verlagert, wodurch man eigentlich gar keinen Aufwand mehr betreiben muss. Vor allem bei der „Hamilton“-Lottery über die App habe ich – ziemlich erfolglos – einfach zum Spaß fast täglich mitgemacht, was vermutlich viele tausende Theatergänger auch getan haben. Die Chance, zu gewinnen, ist daher unwahrscheinlich gering, weswegen ich die Lottery eher nicht empfehlen würde, wenn man eine Show unbedingt sehen will und es andere Alternativen gibt. Da man bei Gewinn der Online-Lottery auch nur einen gewissen Zeitraum Zeit hat, um zuzusagen und die Karten dann zu kaufen, läuft man als Tourist ohne ständigen Internetzugang zudem Gefahr, dass man die Zusage verpasst und die Tickets wieder verliert.

TKTS

Vermutlich der Klassiker seit Eröffnung im Jahr 1973, wenn es um Last-Minute-Ticketkauf in New York geht, ist das rote TKTS-Häuschen am Times Square, welches vergünstigte Karten für Broadway-Shows anbietet. Ich habe dieses Mal kein einziges Ticket bei diesem Anbieter gekauft, aber bei meinem letzten Trip war es noch die erste Anlaufstelle. Während das Hauptgeschäft am Times Square unter der roten Treppe immer völlig überlaufen ist, sollte man auch immer die anderen Filialen im Blick haben und eher diese aufsuchen. Auch hier wird empfohlen, sich bereits am Vormittag um den Kartenkauf zu kümmern, da auch hier die Kontingente irgendwann vergriffen sind. TKTS bietet inzwischen auch eine App, auf der man die ungefähren Preise und angebotenen Shows einsehen kann, jedoch stört mich ein wenig, dass man den aktuellen Preis und Sitzplatz erst erfährt, wenn man am Fenster steht und mit dem Mitarbeiter direkt redet. Somit kann man im Vorfeld keinen großen Vergleich ziehen, ob man wirklich ein Schnäppchen macht oder über den Tisch gezogen wird. TKTS bietet sich eher an, wenn man nicht weiß, welche Show man sehen möchte und man nicht unbedingt alle Theater in New York abklappern will.

Today Tix

Der Kartenkauf über die Today-Tix-App ist die neueste Art des Kartenkaufs und etabliert sich mehr und mehr. Wie beim TKTS-Häuschen habe ich auch diesen Anbieter nicht genutzt, jedoch ist diese App in London inzwischen zu einem täglichen Begleiter geworden. Die App bietet für fast alle Shows Tickets an, oft spart man sich die Vorverkaufsgebühren oder es gibt spezielle Angebote wie normale Rabatte, Online-Rush-Tickets oder Online-Lotterien. Um an den Lotterien oder den Rush-Tickets teilzunehmen, muss man sich im Vorfeld für die jeweilige Show freischalten. Das passiert dadurch, dass man die Show über seinen Facebook- oder Twitter-Account teilt. Am Tag der Vorstellung laufen die Lotterien oder Rush Tickets wie an der Theaterkasse ab, nur, dass eben alles online passiert. Wenn man Karten zum Vollpreis über Today Tix kaufen möchte, würde ich immer zusätzlich die offizielle Seite des Musicals zur Rate ziehen und direkt die Preise vergleichen, bevor man zuschlägt.

Wie ihr seht, gibt es viele Möglichkeiten, in New York an seine Musicalkarten zu kommen. Wichtig ist hierbei immer zu wissen, welche Show man sehen will, was man ausgeben möchte und manchmal auch, wie bequem man ist. Wenn man diese Fragen jedoch geklärt hat, steht der Planung, und noch viel wichtiger der Reise, eigentlich nichts mehr im Wege.