Deutsche Wirtschaft – noch keine Revolution

DAS ansonsten politisch stabile Deutschland hat einen Frühling erlebt, in dem der Kompass nach den Parlamentswahlen vom 26. September nun große Veränderungen anzeigt. Ich sehe die Schwankungen als Zeichen für einen Wahlkampf in den nächsten zwei Monaten, in dem ein außergewöhnlich großer Anteil der Wähler unsicher bleiben wird, welche Partei sie am Ende unterstützen soll.

Für diejenigen Anleger, die so richtig in die bevorstehende Bundestagswahl eintauchen wollen, hat diese Woche bereits eine neue Entwicklung vorgestellt. Christian Lindner, Vorsitzender der Liberalen Partei FDP (Freie Demokratische Partei / Freie Demokraten), erklärte, er werde für das Amt des Finanzministers kandidieren, wenn die FDP in eine Koalitionsregierung aus der aktuellen Regierungspartei CDU/CSU und den Grünen eintrete Partei und natürlich die FDP. Mit dieser Bewerbung um das Finanzministerium werden die politischen Fronten plötzlich verschärft.

Das Wahlprogramm der Grünen ist umfangreich, aber im Hinblick auf die allgemeine Wirtschafts- und Finanzpolitik plädieren sie für Steuererhöhungen, erhöhen das Haushaltsdefizit und fördern alle Formen erneuerbarer Energien und „grüner“ Investitionen. Die FDP ist dagegen gegen Steuererhöhungen und will überdenken, wie die öffentlichen Ausgaben verwendet werden sollen, wo sie beispielsweise Investitionen in die IT-Infrastruktur etwas höher einschätzt als Investitionen in erneuerbare Energien. Meiner Meinung nach wird dieser politische Kampf für Investoren interessant sein, denn ich vertraue darauf, dass er darüber entscheidet, ob die FDP Wähler so gewinnen kann, dass sie in der kommenden Regierungskoalition notwendig sind oder nicht.

Mittendrin Armin Laschet, der die bisherige Bundeskanzlerin Angela Merkel ablöst. Sicherlich gehe ich davon aus, dass der wirtschaftspolitische Status quo bei Armin Laschet liegen wird, nur um den Einfluss der Grünen und möglicherweise auch der FDP korrigiert. Ich gehe davon aus, dass sich Deutschlands Wirtschaft nicht wesentlich umkehren wird, was angesichts der Attraktivität des Landes als langfristiges Investitionsziel sehr besorgniserregend ist.

Dies steht im Gegensatz zum Beginn der Wirtschaft, die an der Börse bewertet wurde. Im Moment schlägt die Wirtschaft wieder den Puls, denn Deutschlands Exporte sind fast wieder auf dem Niveau vor der Covid-19-Krise und die Zukunftserwartungen der Unternehmen sind extrem hoch, ebenso wie die Verbraucher.

Für einen neuen Kanzler ist es nicht schlecht, das Geschäft zu übernehmen, wenn es wieder Fortschritte gibt. Aber trotz der unmittelbar guten Aussichten schätze ich ein, dass die künftige Kanzlerin sehr schnell vor einigen Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Wirtschaftswachstum in Deutschland stehen könnte.

Obwohl der Puls im Verarbeitenden Gewerbe zurückgeht, sind die Weltproduktion und der Warenhandel in Unordnung, sodass aus verschiedenen Gründen nicht genügend Waren bei Verbrauchern und Unternehmen in Deutschland ankommen. Ein Problem ist beispielsweise die Chipherstellung. In Fernost breitet sich das Virus in mehreren Ländern wieder aus, sodass viele Glieder der globalen Produktionskette nun mit geringerer Kapazität arbeiten. Dies könnte sich in den kommenden Monaten vor und nach der Wahl sehr wohl zunehmend negativ auf deutsche Hersteller auswirken.

Es gibt andere Herausforderungen, die als wichtige Themen im Wahlkampf plötzlich wachsen können. Ein Beispiel ist Hamburg (1,85 Millionen Einwohner), wo nach Schätzungen von Fachagenturen und Branchenverbänden derzeit nur 10.000 Menschen in der Gastronomie fehlen. Es sind ziemlich viele Leute, wenn man bedenkt, dass derzeit etwa 46.000 Menschen in Restaurants, Bars usw. Arbeite in der Stadt.

Infolgedessen sind eine Reihe von Restaurants von Montag bis Mittwoch weiterhin geschlossen und werden weiterhin Geld verlieren, wenn auch nach der Covid-19-Krise wiedereröffnet. Der Arbeitskräftemangel in der Gastronomie ist an mehreren Orten in Deutschland und interessanterweise auch in einigen westlichen Ländern zu verzeichnen. Die Frage ist, ob die Branche gezwungen sein wird, die Löhne deutlich zu erhöhen und damit das Karussell der Lohninflation schneller zu machen?

Ich kann mir vorstellen, dass dies der Fall ist, was zur Inflation beiträgt, aber die großen börsennotierten Unternehmen und damit auch die Anleger kaum betrifft. Ob höhere Löhne in der Gastronomie zu steigenden Lohnforderungen im Dienstleistungsbereich in Deutschland führen könnten, halte ich noch für offen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Herbst in Deutschland und vielleicht auch der Wahlkampf von höheren Lohnforderungen der Beschäftigten im Dienstleistungssektor allgemein geprägt sein werden. Wenn ja, wird es einen positiven Beitrag zum privaten Konsum leisten und vielleicht findet man in diesem Jahr den Keim für die größte wirtschaftliche Revolution in der deutschen Wirtschaft.

Peter Lundgreen ist das Gründungsmitglied von Lundgreen’s Capital. Er ist ein professioneller Anlageberater mit mehr als 30 Jahren Erfahrung und ein Power Entrepreneur im Investment- und Finanzbereich. Peter ist ein internationaler Kolumnist und Redner zu Themen rund um die globalen Finanzmärkte.

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