Amazons neuer Luxus-Kindle im Test: Für wen sich der Scribe Colorsoft lohnt

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Mit dem Kindle Scribe Colorsoft bringt Amazon ein Premium-Gerät auf den deutschen Markt, das E-Book-Reader und digitalen Notizblock vereinen soll. Das Modell richtet sich an Nutzerinnen und Nutzer, die Lesen und Schreiben in einem Gerät bündeln möchten – ohne dabei den Anspruch eines vollwertigen Tablets zu erfüllen. Ein ausführlicher Praxistest zeigt, wo die Stärken liegen und wo Grenzen deutlich werden.

Groß, leicht – und bewusst kein Tablet-Ersatz

Der Kindle Scribe Colorsoft ist das derzeitige Spitzenmodell unter Amazons Lesegeräten. Mit einer Dicke von nur 5,4 Millimetern und einem Gewicht von rund 390 Gramm bleibt das Gerät trotz seiner Größe handlich. Der 11-Zoll-Bildschirm entspricht in etwa dem Format eines Tablets, dennoch verzichtet Amazon bewusst auf eine direkte Konkurrenz zu klassischen Geräten wie dem iPad.

Das zeigt sich vor allem in der eingeschränkten Funktionalität: Apps lassen sich nicht installieren, und auch das Surfen im Internet ist nur rudimentär möglich. Der integrierte Browser dient eher als Notlösung und hat Schwierigkeiten mit modernen Webseiten – langsames Laden und eingeschränkte Darstellung sind die Regel.

Preislich positioniert sich der Scribe Colorsoft klar im Premiumsegment. Mit einem Einstiegspreis von rund 650 Euro liegt er deutlich über vielen Tablets. Die Basisversion bietet 32 GB Speicher, optional sind 64 GB erhältlich.

E-Ink in Farbe: Stärken beim Lesen, Schwächen bei Dynamik

Angenehm für die Augen, stark bei Sonnenlicht

Das zentrale Merkmal des Geräts ist sein farbiges E-Ink-Display. Diese Technologie ist besonders auf augenschonendes Lesen ausgelegt und unterscheidet sich grundlegend von klassischen LCD- oder OLED-Bildschirmen.

Ein entscheidender Vorteil: Das Display reflektiert kaum und bleibt selbst bei direkter Sonneneinstrahlung hervorragend lesbar – ein Pluspunkt, etwa beim Lesen im Freien, wie es in deutschen Parks oder auf Reisen üblich ist.

Auch die Akkulaufzeit profitiert von der Technik. Amazon spricht von bis zu acht Wochen Nutzung, allerdings unter sehr eingeschränkten Bedingungen. Im Alltag – mit aktivem WLAN, häufiger Nutzung und Schreibfunktionen – reduziert sich die Laufzeit deutlich auf wenige Tage.

Farbe mit Einschränkungen

Die Farbdarstellung ist für E-Ink-Verhältnisse solide, erreicht jedoch nicht die Brillanz klassischer Displays. Farben wirken gedämpft und eher wie auf Papier gedruckt. Für Comics, Diagramme oder Markierungen reicht das aus, für Medienkonsum ist es weniger geeignet.

Schreiben wie auf Papier: Der eigentliche Fokus

Digitaler Notizblock mit realistischem Schreibgefühl

Seine größte Stärke spielt der Kindle Scribe Colorsoft beim Schreiben aus. Die Displayoberfläche erzeugt eine spürbare Reibung, die dem Gefühl von Papier erstaunlich nahekommt. Gerade für Vielschreiber – etwa Studierende oder Berufstätige – entsteht dadurch ein natürlicheres Schreibgefühl als auf glatten Tablet-Displays.

Zur Auswahl stehen zahlreiche Vorlagen, darunter klassische Notizblätter, Wochenplaner oder sogar Notenpapier. Ergänzt wird das durch verschiedene digitale Schreibwerkzeuge wie Füller, Bleistift oder Textmarker – nun auch in Farbe, allerdings begrenzt auf eine Auswahl von neun Farbtönen plus Schwarz.

KI-Funktionen als Zusatznutzen

Amazon integriert zudem Funktionen zur Verarbeitung handschriftlicher Notizen. So lassen sich Inhalte automatisch zusammenfassen oder in eine lesbare digitale Schrift umwandeln. Das kann insbesondere im Studien- oder Arbeitsalltag hilfreich sein – vorausgesetzt, die Handschrift ist ausreichend klar.

Dokumente bearbeiten – mit Einschränkungen

Der Scribe Colorsoft unterstützt auch die Bearbeitung von Dokumenten. Word-Dateien können direkt kommentiert und mit Anmerkungen versehen werden. PDFs hingegen werden eher wie gedruckte Seiten behandelt: Markierungen und Notizen sind möglich, ohne das Layout zu verändern.

Weniger überzeugend fällt die Bildbearbeitung aus. Zwar lassen sich Bilddateien importieren, im Test kam es jedoch zu Darstellungsproblemen, bei denen Bilder nach Bearbeitungsversuchen verschwanden.

Fazit: Spezialist statt Alleskönner

Der Kindle Scribe Colorsoft ist kein Tablet-Ersatz – und will es auch nicht sein. Stattdessen überzeugt er als spezialisiertes Gerät für alle, die viel lesen und schreiben und dabei Wert auf ein papierähnliches Erlebnis legen.

Für Nutzerinnen und Nutzer, die ein vielseitiges Multimedia-Gerät suchen, ist er dagegen weniger geeignet. Wer jedoch einen digitalen Notizblock mit E-Book-Funktion sucht, findet hier eine durchdachte, wenn auch hochpreisige Lösung.

Judith Hermann

Hardcore-Musikfanatiker. Food-Evangelist. Freiberuflicher Spieler. Wannabe-Schriftsteller. Wegbereiter der Popkultur. Lebenslanger Unternehmer. Reise-Guru.

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