Bundesliga 2022-23: Union Berlin auf dem Weg zum deutschen Leicester

Berlin (Deutschland), 17.10. Hinter manchen Fußball-Märchengeschichten verbergen sich mitunter trockene Gestalten. Der FC Union Berlin könnte eines dieser Beispiele sein, denn die Berliner reiten nach einem Drittel der Saison sicher auf der Welle als Platzhirsch der deutschen Liga.

Die Mannschaft des Schweizer Trainers Urs Fischer gehört zwar nicht zu den Fussballkünstlern, aber in puncto Laufleistung, Defensivorganisation, Effizienz und Leidenschaft sind sie in der Bundesliga richtungsweisend.

Die ersten Vergleiche tauchen auf und erinnern Fans an Liga-Aufsteiger FC Kaiserslautern, der 1998 überraschend den Titel holte, gefolgt von der Premier-League-Sensation von Leicester City im Jahr 2016.

Die höchsten Laufleistungen der deutschen Liga (119 Kilometer pro Spiel) und die wenigsten Gegentore (sechs) kommen bei Union mit weniger als 30 Prozent Ballbesitz und einer geradezu lächerlichen Passquote von weit über 70 Prozent zusammen.

Die erstaunliche Mischung macht das Team dennoch zu einem der Favoriten auf den Gewinn des nationalen Titels 2022/23 bei überfallartigen Angriffen, berichtet Xinhua.

„Sie haben das, was ein Spitzenteam ausmacht. Jeder weiß, was zu tun ist, und niemand kann ihn aufhalten“, klagte Dortmunds Trainer Edin Terzic nach einer schmerzhaften, aber hochverdienten 0:2-Niederlage.

Komplimente von den Ligakonkurrenten strömen wie warmer Frühlingsregen herein. Freiburgs Trainer Christian Streich nannte Union „die am besten organisierte Abwehr der Liga“.

Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic und Trainer Julian Nagelsmann sprechen in glühenden Worten von „einer der Top-Mannschaften der Liga“.

Nagelsmann erwähnte, „wie gut sie mit der Belastung durch alle Wettbewerbe zurechtkommen“, auch in der Euroleague.

Nachdem Union nur eines von zehn Ligaspielen verloren hatte, zeichnete Streich ein apokalyptisches Bild: „Wenn sie das Tor schießen, ist es fast vorbei.“

Aktuell sieben Punkte Vorsprung auf Dortmund und vier auf die Bayern zu haben, bedeutet nicht, dass die unkonventionelle Mannschaft schon jetzt in den Titeljubel starten kann.

Es braucht mehr, um über 34 Spielrunden die Dose zu treten. Fischer ist überzeugt, denn der 56-Jährige spricht immer wieder vom Saisonziel 40 Punkte, um die Mannschaft von den Abstiegsplätzen fernzuhalten.

Das Understatement des Trainers ist Teil der Strategie. Während der Schweizer Manager zugibt, dass er derzeit seinen Traum lebt, scheint er amüsiert, wenn er nach dem bevorstehenden Tafelsilber gefragt wird.

Der Schweizer sieht sich als natürliches Gegenstück zum Fan-Gesang der Klubs über Union als Meister 2022/23.

Die Einzigartigkeit der erstmals von einem WM-Turnier unterbrochenen Saison dürfte dem sternenlosen Team dabei helfen, die Energiereserven wieder aufzufüllen, um für das Ende im nächsten Jahr gerüstet zu sein.

„Wir genießen vielleicht den Moment, konzentrieren uns dann aber auf das nächste Spiel, weil wir immer an unsere Leistungsgrenzen gehen müssen, um zu bestehen“, sagte Fischer.

Wie sich herausstellt, will der Union-Trainer nur noch Märchen erfinden, wenn sie auf trockenen Zahlen ruhen.

– IANS

bsk

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