Die Jagd nach dem Glück – ein kulturelles Phänomen?

Heute ist das persönliche Streben nach dem eigenen Glück eingebettet in das Dasein eines jeden einzelnen. Jeder geht davon aus, dass das Auffinden des Glücks nur eine Frage der Zeit ist. Dass ein derartig egozentrisches Weltbild an vielen Stellen zu Reibungen führt, das versteht sich von selbst. Das Ergebnis eines Handelns, das auf dem eigenen Vorteil beruht, führt zu dem Phänomen, das sich heutzutage „Ellenbogengesellschaft“ nennt. In vielen Branchen scheint es so, als wäre sich jeder selbst der Nächste.

Ein derartiges Weltbild ist natürlich stark überzeichnet, denn eine Welt, die von allerlei Gefahren und menschengemachten Übeln bedroht wird, erhält sich nur durch die gegenseitige Solidarität und den Willen zum Miteinander am Leben. Dennoch stellt sich bei einer genaueren Betrachtung die Frage, ob der Glaube und das Streben nach dem eigenen Glück schon seit jeher so sehr der Lebensmittelpunkt einer Mehrheit der Erdenbewohner war?

Um der Antwort auf die Frage nachspüren zu können, muss eine Reise in die Vergangenheit angetreten werden. Als Beispiel eignet sich das Mittelalter, das trotz aller gruseligen Geschichten, die man sich vor Augen führt, weitaus weniger dunkel war, als man der Epoche nachsagt. Um zu verstehen, welche Elemente das Denken der damaligen Menschen beeinflusste, muss man sich in Erinnerung rufen, dass sich der durchschnittliche Erdbewohner glücklich schätzen durfte, wenn ein Lebensalter von 40 Jahren erreicht wurde. Das Leben konnte zu jedem Zeitpunkt vorbei sein und bereits eine kleinere Verletzung oder eine flüchtige Erkrankung konnten das Ableben bedeuten.

Während in heutigen modernen Krisen die Rolle der Datenanalyse diskutiert wird, wurde einst eine höhere Macht für das Lenken sämtlicher Geschicke der Lebenden auf Erden verantwortlich gemacht. Das eigene Leben wurde in die Hand eines göttlichen Wesens gelegt, weil es mangels Wissens und aufgrund fehlender wissenschaftlicher Erkenntnisse keine Alternativen dazu gab.

Zu den Gefahren, die durch Seuchen, Kriege, Willkür und viele andere Dinge, von denen man heute vermeintlich glaubt, dass sie für immer der Vergangenheit angehören, drohten, gesellte sich ein kaum auszuhaltender harter Arbeitsalltag. Die Ernte eines Jahres sicherte das Überleben im Winter und die Möglichkeiten waren trotz, für damalige Zeiten, beeindruckender Erkenntnisse in der Landwirtschaft stark eingeschränkt. Kinder erreichten nur selten das Erwachsenenalter und trotz all dieser, heute unvorstellbarer, Leiden waren die Menschen mit ihrem Schicksal zufrieden, weil sie es eben nicht anders wussten.

Glück und Glück – zwei grundverschiedene Dinge

Die heutige Definition des Glücks ist eng mit der Selbstverwirklichung verbunden. Gleichzeitig scheut man sich aber davor, an ein Glück zu glauben, das fremdbestimmt ist. Dabei geht gerade dieses Glück, das man willentlich aus der Hand gibt, auf die ganz großen lebensverändernden Dinge zu. Niemand würde von sich selbst gerne behaupten, dass er oder sie an ein Glücksbild glauben, das in die Nähe des Aberglaubens geht.

Es sei denn, es geht um das Lottospielen. Bei der Eurojackpot Ziehung glaubt, oder besser, hofft wieder jeder, der einen Tipp abgegeben hat, darauf, dass sich das Übernatürliche zu seinen Gunsten einstellt. Im Angesicht mehrerer Millionen, die regelmäßig im Jackpot auf einen warten, ist das mehr als verständlich. Wichtig ist, dass man hin und wieder das eigene Glück aus der Hand gibt und sich dorthin begibt, wo die Wahrscheinlichkeiten und der Zufall, also das echte und wahre Glück, entscheiden. Denn erst dort warten die großen Belohnungen, denen es gelingt, das Leben im positiven Sinne aus der Spur zu bringen. Das moderne Lotto gestaltet sich so einfach, schnell und direkt, dass es fast leichtsinnig wäre, nicht hin und wieder einen Versuch zu wagen.

Egal, ob man nun beim Lotto oder in seiner Karriere seinen eigenen Glücksbegriff definiert, wichtig ist, dass man es einfach geschehen lässt, sobald es sich einem zeigt.

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