Eine Narbe in der Geschäftslandschaft in Deutschland

Autor, Leiter der Initiative für Minderheitsaktionäre, Befürworter von Anlegerrechten und Sammelklagen

Der Fall Wirecard, der jüngste einer Reihe von Unternehmensskandalen in Deutschland, wirft eine wichtige Frage auf. Warum fällt es Deutschland so schwer, Investoren zu schützen?

Wer außerhalb Deutschlands das Rheinmodell für seine scheinbar aufgeklärte Form des Kapitalismus bewundert, sollte den Zusammenbruch der Wirecard im Detail untersuchen. Aus meiner Sicht besteht das Hauptproblem der deutschen Corporate Governance darin, dass die Aktionäre nicht befugt sind, das Management zur Rechenschaft zu ziehen. Die Aktionäre von Wirecard versuchten, auf den Hauptversammlungen den Vorstandsvorsitzenden des Unternehmens, Markus Braun, zu befragen. Aber sie hatten keine Chance, es zu grillen. Das deutsche Recht macht es Vorstandsmitgliedern eines Unternehmens leicht, schwierige Fragen zu vermeiden, indem sie in Plattitüden sprechen.

Die Erosion der Aktionärsrechte ist eine Narbe in der Unternehmenslandschaft in Deutschland, über die sich Anlegerschutzgruppen seit vielen Jahren beschwert haben. Ein damit verbundenes Problem ist, dass das deutsche zweistufige System aus Verwaltungsrat und Aufsichtsrat nicht die notwendigen strengen Kontrollen vorsieht. Der Aufsichtsrat von Wirecard sagte, er habe keine Ahnung, wie die Führungskräfte die Bücher kochen.

Der Abgeordnete Florian Toncar forderte externe Wirtschaftsprüfungsunternehmen auf, direkt an die Mitglieder des Aufsichtsrats und nicht an den Finanzvorstand des Unternehmens zu berichten. Aktionäre, die eine echte Haut im Spiel haben, sollten ebenfalls einbezogen werden, indem ihnen besondere Prüfungsrechte eingeräumt werden.

Stattdessen litten sie als Gesetzgebung und Bundesgerichtshof reduziert ihr – im internationalen Vergleich bereits schwacher – Einfluss auf die rasche Genehmigung von Fusionen oder Kapitalerhöhungen. Führungskräfte argumentierten, dass einige Minderheitsaktionäre die Strategien der Unternehmen behinderten, Zahlungen für sich selbst zu generieren. Es gibt jedoch weniger schädliche Möglichkeiten, um diese seltenen Missbräuche zu verhindern, als einfach allen Minderheitsaktionären ihre Rechte zu verweigern.

Das Schweigen der Anleger spiegelt die Bereitschaft der Unternehmen wider, aktive Aktionäre zu vereiteln, die gerne Fragen stellen. In jüngerer Zeit hat der Aufstieg virtueller Hauptversammlungen neue Wege zur Einschränkung der Anlegerrechte eröffnet.

Was könnte das Vertrauen in die deutschen Finanzmärkte wiederherstellen? Zunächst könnte mein Heimatland sein Corporate-Governance-System überarbeiten und transparente Rechnungslegungsmechanismen einrichten. Eine gute Unternehmensführung erfordert wirksame Mittel zur privaten Durchsetzung. Kollektive Aktionen Angaben von Investoren nach britischem Vorbild sind in Deutschland längst überfällig.

Ein Lichtblick, der der EU zweite Richtlinie über die Rechte der AktionäreDas im vergangenen Jahr in Deutschland eingeführte Unternehmen gab Minderheitsaktionären die Möglichkeit, Einwände gegen die vom Aufsichtsrat vorgeschlagenen Gehaltsrahmen zu erheben. Während diese Abstimmung über das Entgelt nicht bindend ist, muss der Vorstand den Plan überprüfen und seine Antwort erläutern. Es ist jedoch nur ein kleiner Schritt. Es werden noch viele weitere Änderungen erforderlich sein, um einen angemessenen Interessenausgleich zu erreichen.

Diejenigen, die bei deutschen Unternehmen Rechtsmittel einlegen möchten, werden auch durch die Zivilprozessordnung von 1879 behindert, die verabschiedet wurde, als Massenverbrechen oder Betrug nicht berücksichtigt wurden. Antragsteller müssen individuell prozessieren, ein langwieriger Prozess, der offensichtliche Risiken birgt und das Justizsystem behindert. Die nächste Chance Deutschlands, dieses Problem zu lösen, besteht in der Umsetzung einer EU Richtlinie über kollektive Rechtsbehelfe im deutschen Recht. Es wird das Geschäft der Regierung sein, das nach den Bundestagswahlen im nächsten Jahr die Macht übernehmen wird. Die Befähigung von Investoren würde bedeuten, mehr als das Nötigste zu tun, um das EU-Recht einzuhalten.

In Deutschland bleibt noch viel zu tun, um unser angeschlagenes Unternehmenssystem und die Gesetze, die es schützen, zu reparieren. In der Zwischenzeit bietet der Wirecard-Skandal eine erbauliche Geschichte für Ausländer, die aus den Fehlern Deutschlands lernen möchten. Der Schutz und die Stärkung der Rechte von Anlegern ist der sicherste Weg, um die unternehmerische Verantwortung zu fördern.

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