Debatte um die Restitution kolonialer Raubkunst in Deutschland und Frankreich | D + C

Von den Objekten, die das kulturelle und historische Erbe Afrikas dokumentieren, befinden sich 80 bis 90 % entweder in Europa oder in den USA. Sie wurden während der Kolonialzeit von europäischen Mächten geplündert. Die Restitutionsdebatte hat in den letzten Jahren in Europa an Dynamik gewonnen.

Der Plan, das Humboldt-Forum in Berlin zu errichten, hat vor einigen Jahren in Deutschland Diskussionen ausgelöst. Dieser große Museumskomplex ist jetzt für die Öffentlichkeit zugänglich und umfasst eine große – und umstrittene – ethnografische Sammlung. In Frankreich hat Präsident Emmanuel Macron die Diskussion 2017 als Motor der Debatte angestoßen. Er versprach, alle gestohlenen Gegenstände ihren rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben, auch wenn sie sich jetzt im Besitz französischer Museen befinden. Es zeigt sich jedoch in allen betroffenen Ländern, dass die Restitution eine schwierige Aufgabe ist. Es gibt keine einfachen Lösungen.

Im Humboldt Forum können Besucher nun Zehntausende afrikanische und asiatische Artefakte sehen. Kritiker argumentieren, dass das Museum keine gute Arbeit leistet. Sie wollen, dass er mehr über die Geschichte der Objekte informiert und öffentlich diskutiert, ob sie in die Herkunftsländer zurückgegeben werden sollen. Eines der bedeutendsten Exponate ist das einzigartige Luf-Schiff aus Papua-Neuguinea, wo die deutschen Imperialisten im 19. Jahrhundert mit größter Brutalität ihr „Protektorat“ durchsetzten. Das Management von Humboldt gibt zu, dass sie mehr hätten recherchieren können, wie und warum das 16 Meter lange Schiff nach Deutschland gebracht wurde, planen aber nicht, es nach Papua-Neuguinea zurückzugeben.

Anders sieht es bei einem anderen Satz wertvoller Artefakte aus. Die sogenannten Benin-Bronzen stammen aus dem alten Königreich Benin. Sein Territorium ist Nigeria. Britische Truppen plünderten und zerstörten Benins Paläste in einer Racheaktion im Jahr 1897, und ein Teil der geraubten Kunst wurde später an deutsche Sammler und Museen verkauft, die derzeit rund 1.100 Bronzeobjekte lagern. Das Humboldt-Forum zum Beispiel.

Die Bundesregierung hat sich mit ihrem nigerianischen Amtskollegen auf die Rückgabe der kostbaren Bronzen geeinigt. Die Rücksendung wird voraussichtlich im Jahr 2022 beginnen, es wurde jedoch noch nicht entschieden, wie viele Artikel sofort zurückgegeben werden.

In Frankreich schlägt Macrons Initiative seit 2017 Wellen, als er zwei Experten bat, einen Bericht über den Umgang mit Artefakten zu verfassen. Ihre Empfehlung lautete, sie alle an die Besitzländer zurückzugeben, obwohl der derzeitige Besitz nicht zu 100 % legitim ist.

Nicht alle Experten sind sich einig. Guido Gryseels leitet das Afrikamuseum im belgischen Tervuren und befürwortet einen differenzierteren Ansatz. Er sagte der Süddeutschen Zeitung, dass Kulturgüter nicht an Orte ohne richtige Museen zurückgegeben werden sollten. Der Großteil der afrikanischen Kunst in seinem Museum stammt aus der heutigen Demokratischen Republik Kongo, die den Kulturschatz seiner Meinung nach nicht richtig verwalten kann. Für Einheimische, sagt er, gehe es darum, Zugang zu Objekten zu haben, nicht sie zu besitzen. Gryseels bestreitet jedoch nicht, dass Afrika behauptet, die Kontrolle über sein kulturelles Erbe zu haben.

Der allgemeine Konsens ist, dass die Menschen auf der ganzen Welt gerade erst anfangen, die Kolonialgeschichte zu verstehen. Die Debatte muss weitergehen, und natürlich spielen Museen eine Rolle (siehe Anke Schwarzer in D+C/E+Z e-Paper Sommerspecial 2021/08). Die Diskussion aller relevanten und ungelösten Fragen wird Zeit in Anspruch nehmen. Es geht letztlich um globale Machtverhältnisse.

Sabine balk ist Mitglied der Redaktion von D+C Développement et Coopération / E+Z Développement et Coopération.
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