The Big Picture: Eine seltsam perfekte Szene in einer deutschen Kleinstadt | Fotografie

Die beiden französischen Fotografinnen Elsa Parra und Johanna Benaïnous bevölkern ihre Bilder als fiktive Charaktere und schaffen filmische Szenen, die von einem starken Ortsgefühl inspiriert sind. In der Vergangenheit hat das in Paris ansässige Duo seine Arbeiten in Calgary, Kanada, und auf der Kanareninsel Fuerteventura aufgeführt. Ihre neuste Serie Die zeitlose Geschichte von Moormerland, der derzeit in Paris gezeigt wird, spielt in einer kleinen deutschen Stadt nahe der niederländischen Grenze. Parra und Benaïnous lebten im Frühjahr letzten Jahres für einen Monat in mehreren Dörfern in und um Moormerland. Sie entschieden sich für Unterkünfte, die je nach Perspektive eine Art Vintage-Charme oder blumige Klaustrophobie hatten. Sie nutzten diese Häuser als Kulissen, um verschiedene Charaktere – Teenager, junge Liebende, Väter, Hausfrauen – und Geschichten ab den 1950er Jahren zum Leben zu erwecken.

Dieses Bild des sich umarmenden Paares auf einem Pier ist typisch. Die Umarmung ist zweideutig, die Inszenierung etwas zu perfekt. Die Symmetrie des Paares in seinen Pastellfarben, die die umgekehrten Reflexionen der Strandpromenade einfangen, zwingt den Betrachter, einen erzählerischen Rahmen zu schaffen. Die Szene ist gespenstisch still, obwohl ihre Dramatik durch den Titel des Bildes verstärkt wird: Der Klang der Glocke Turm. Je mehr Sie hinsehen, desto mehr können Sie diese Glocke durch das Wasser läuten hören.

Wenn das Duo, das sich 2014 an der New Yorker Kunstschule kennengelernt hat, über seine Arbeit spricht, lässt es sich von Cindy Sherman inspirieren, der großen Schauspielerin der amerikanischen Kunst, auch wenn ihr Ausgangspunkt sowohl die Geographie als auch der Stil sind. Johanna sagt: „Wir sind wie Schwämme, die die Landschaften aufsaugen und sobald sie gepresst werden, spucken sie eine farbige Flüssigkeit aus.“ Dieser Prozess hinterlässt bleibende Spuren: „Wir sprechen oft über diese Charaktere, als wären sie alte Freunde von uns“, sagt sie. „Wir sind eine Art Auffangbehälter für Seelen, auch wenn wir sie nicht alle verkörpern können.“

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