„The Forger“-Rezension: Versteckt vor aller Augen

Vor dem Vorspann in „The Forger“ zeigt eine kurze Flash-Forward-Szene einen jungen Mann, der in ein verlassenes Büro rennt. Er geht zum Schreibtisch und wird sofort gerügt und angewiesen, zu warten, bis er an der Reihe ist. Diese Bad-Vorahnung soll vielleicht die Frechheit des Mannes vermitteln, bereitet den Zuschauer aber auch auf einen Film mit bescheidenen Ambitionen vor. Das deutsche Historiendrama, das 1942-43 in Berlin spielt, interessiert sich weniger für Kriegskrisen als für die täglichen Verwirrungen eines Lebens im Versteck vor aller Augen.

Der Film unter der Regie von Maggie Peren folgt dem jüdischen 21-jährigen Cioma Schönhaus (Louis Hofmann), einem Dokumentenfälscher, der sich mit seinem Freund Det (Jonathan Berlin) von Lebensmittelmarken, Chuzpe und purem Wagemut ernährt. Eine Zeit lang leben die beiden im Haus von Ciomas Familie – ihre Verwandten wurden bereits deportiert – und finden heraus, dass sie extravagante Ausflüge in Restaurants und Tanzclubs genießen können, indem sie sich als Marineoffiziere ausgeben.

Das Drehbuch, das Peren aus Schönhaus‘ Memoiren von 2008 adaptierte, entspannt sich mit einer gewissen Selbstgefälligkeit und scheint oft einen emotionalen Motor zu vermissen. Flüchtige Momente der Spannung oder Melancholie werden von Ciomas unerbittlicher Gleichgültigkeit untergraben – egal in welcher Situation, er trägt ein Lächeln auf den Lippen – und eine Reihe von unterschriebenen Beziehungen verdecken die Geschichte, anstatt sie zu bereichern. Peren ist geschickt darin, Unheil vor einem düsteren Hintergrund zu begünstigen, aber dadurch schafft sie eine frustrierende Distanz zwischen ihrem Thema und dem Publikum.

Der Fälscher
Nicht bewertet. In deutscher Sprache, mit Untertiteln. Laufzeit: 1 Stunde 56 Minuten. In Theatern.

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